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Test - Achtung Panzer: Kharkov 1943 : Nur für Berufssoldaten?

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Wie viel Spaß muss ein Spiel bieten und wie viel davon darf bloße, nüchterne Simulation sein? In Achtung Panzer: Kharkov 1943 könnt ihr das selbst herausfinden, denn es stammt von Entwicklern „echter" Gefechtssimulatoren für das Militär.

Wir beginnen mit einem kurzen Exkurs in die Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Achtung Panzer versetzt euch ins Jahr 1943 zur Zeit der dritten Schlacht von Kharkov. Sie fand relativ kurz nach der Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad statt, als das Oberkommando noch einmal alle Truppen mobilisierte, um den Rückzug wieder in einen Vormarsch zu verwandeln. Im Spiel wurde der Feldzug in Form von sechs spielbaren Kampagnen umgesetzt. Allerdings stehen effektiv nur vier Schauplätze zur Verfügung, da zwei der Schauplätze aufseiten beider Kriegsparteien gespielt werden.

Wenn ihr eine Schlacht startet, fällt als Erstes auf, dass der Ablauf des Spiels sozusagen zweigeteilt ist. Ihr beginnt mit einer rundenbasierten Einsatzphase, während der ihr von oben auf eine zweidimensionale Karte blickt. Eure Einheiten sind hier als einfache Symbole dargestellt. Des Weiteren dürft ihr sie verschieben, mit neuen Truppen auffrischen, reparieren und neu betanken. Danach folgt die taktische Phase in Echtzeit, die in einer dreidimensionalen Landschaft spielt. Hier könnt ihr die während der Einsatzphase vorgegebenen Truppenbewegungen einfach verfolgen oder auch aktiv eingreifen, falls dies nötig ist. In diesem Modus finden auch die eigentlichen Gefechte statt, der Gegner wird unter Beschuss genommen und ihr erobert neue Territorien.

Offiziere gesucht!

Was sich beim Lesen sicher relativ einfach anhört, ist im Spiel leider so komplex geraten, dass sich wohl nur die größten Strategie-Fans und eventuell einige angehende Offiziere länger damit beschäftigen. Das beginnt beim Tutorial, das euch schier unendlich lange mit einer Informationsflut in Form von schriftlichen Erklärungen bombardiert, und setzt sich in unübersichtlichen Menüs während der Einsatzphase fort. Dazu kommen sich unglaublich langsam bewegende Einheiten - selbst wenn ihr die Spielgeschwindigkeit hochschraubt - und Probleme bei der Kameraführung in der taktischen Phase.

Achtung Panzer: Kharkov 1943 - Reloaded Trailer
In Achtung Panzer: Kharkov 1943 bekommen Panzer-Fans so einiges geboten; einige der Gefährte werden im neuen Trailer gezeigt.

Für Otto Normalspieler sind all diese Punkte Spaßbremsen, wie sie größer nicht sein könnten. Wer hingegen eine äußerst realistische Sandkastensimulation für Gefechte sucht und das nötige Hintergrundwissen mitbringt, wird möglicherweise sogar begeistert sein. Allerdings darf auch dieser Personenkreis keine allzu hohen Erwartungen in die Präsentation setzen. Wieder einmal fehlen uns historische Filme, welche die Geschehnisse wesentlich interessanter aufbereitet hätten als die seitenlangen schriftlichen Missionsbesprechungen. Auch die grafische Darstellung während der taktischen Phase ist eher durchschnittlicher Qualität und bringt, gerade bei den Kämpfen in der Nacht, einige Probleme mit sich.

Wo, bitte, geht's zur Front?

So ist der Detailgrad der Landschaft teilweise einfach zu niedrig, um Stellen auszumachen, die euch einen taktischen Vorteil geben könnten. Andersherum seht ihr nicht, ob sich der Gegner gerade in einer so vorteilhaften Stellung befindet, dass diese euch ernsthafte Probleme bereiten könnte. Zusammen mit der manchmal viel zu empfindlichen und stellenweise viel zu träge reagierenden Kameraführung ist Verwirrung auf dem Schlachtfeld sozusagen vorprogrammiert. Verwirrung ist übrigens ein gutes Stichwort, denn sie scheint auch geherrscht zu haben, als es daran ging, dem Spiel mithilfe der Geräuschkulisse etwas mehr Atmosphäre zu verleihen.

Während uns die musikalische Untermalung in den Menüs noch relativ begeisterte, trifft das für die Geräuschkulisse während der taktischen Phase nicht mehr zu. Hier bellen nahe den Siedlungen Hunde und nachts heulen Wölfe. Beides nicht besonders gut abgemischt und im Verhältnis zu den Geräuschen der Waffen und den klirrenden Panzerketten viel zu laut. Musik ist nicht zu hören, dafür nervt euch das ratternde Geräusch einer mechanischen Schreibmaschine, sobald neue Hilfstexte eingeblendet werden. Und so setzt sich auch hier das Bild einer knallharten militärischen Simulation fort, die zwar als Lernmittel für Offiziersanwärter recht gut geeignet sein mag, aber für die breite Masse der Zocker kaum als Spiel mit echtem Spaßgehalt durchgeht.

Fazit

von Juergen Siegordner
Strategiespiele faszinieren mich schon immer, doch trotz langer Einarbeitungs- und Spielzeit wurde ich nicht warm mit Achtung Panzer: Kharkov 1943. Zu viele Hindernisse stellen sich in den Weg, zu speziell sind die Anforderungen. Aufgrund dessen und wegen der schlechten Übersicht und des mangelnden Bedienungskomforts kann man den Titel nur hartgesottenen Freaks und Berufssoldaten empfehlen. Wer Wert auf Spielspaß legt und mit seinen Spielen gerne in andere Welten abtaucht, sollte lieber die Finger von der sehr nüchternen und schwer zu bedienenden Gefechtssimulation lassen.

Überblick

Pro

  • eine Unzahl von möglichen Vorgehensweisen schafft sehr große taktische Tiefe
  • detaillierte und historisch korrekte Einheiten
  • Karten wurden mithilfe historischer und aktueller Luftaufnahmen rekonstruiert
  • geschickt vorgehende KI der Gegner und der eigenen Truppen

Contra

  • zu wenig erzählende und erklärende Elemente (historische Filmausschnitte, Zwischensequenzen in Spielgrafik usw.)
  • schlechte Übersicht auf dem Schlachtfeld führt dazu, dass ihr ständig die Perspektive ändern müsst
  • auf der Übersichtskarte können keine Befehle erteilt werden
  • wichtige Geländedetails schwer zu erkennen
  • nur für Hardcore-Strategen und Berufssoldaten geeignet

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