Special - Anno 1701: Interview mit Professor Hartmut Warkus : Special

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GW: Denken Sie, dass die Kluft zwischen den Eltern und ihrem Verständnis für Computerspiele und Kindern, die wie selbstverständlich mit dem Medium umgehen, noch wachsen wird oder gibt es einen Weg, dort kommunikative Wege zu schaffen?

HW: Ich denke nicht, dass die Kluft zwischen Eltern und Kindern hinsichtlich des Verständnisses für Computerspiele größer wird – schon deshalb nicht, weil mittlerweile eine Generation Eltern heranwächst, die selbst mit Computerspielen groß geworden ist. Man sollte die Elterngeneration aber darauf aufmerksam machen, dass sie sich immer mal wieder an solche Computerspiele heranwagen sollte, indem sie ihren Kindern Fragen zum Spiel und Spielablauf stellen. Bleibt das Interesse der Eltern daran erhalten, wird die Kluft auf jeden Fall kleiner, keinesfalls aber wachsen.

GW: Einige Fachleute gehen davon aus, dass Computerspiele über kurz oder lang das klassische Brettspiel verdrängen werden. Wie stehen Sie dazu?

HW: Ich glaube nicht, dass Computerspiele das Brettspiel verdrängen werden: Brettspiel ist eine ganz andere Art zu spielen, es ist wesentlich weniger interaktiv, vielmehr kommunikativ usw. So lange die Spiele-Industrie, und zwar die der Buchverlage, sich nicht entschließt, keine Brettspiele mehr anzubieten oder sogar keine mehr zu entwickeln, wird das nicht passieren. Genauso wenig haben Computer es geschafft, die Bücher zu verdrängen. Auch das hat man früher gedacht. Eine Verdrängung ist aus meiner Sicht nicht zu befürchten.

GW: Durch die konstante Verbesserung der Technik werden virtuelle Welten immer umfangreicher. Sehen Sie eine Gefahr, dass Computerspieler in Parallelwelten abtauchen und den Bezug zur wirklichen Welt verlieren?

HW: Die Gefahr in Computerspielen "abzutauchen" oder sich in virtuellen Welten zu verlieren, sehe ich nicht. Ich will damit nicht sagen, dass von Computerspielen keinerlei Gefahren ausgehen können, aber die Gefahren sind nicht viel anders als die, die von allen Dingen ausgehen, die Spaß machen: Zu viel Fernsehen kann genauso schädigen wie zu viel Essen, zu viel Schlaf oder zu viel Bergsteigen! Alle Hobbys können – wenn man sie übertreibt – Schädigungen hervorrufen. Es kommt immer darauf an, die richtige Dosierung zu treffen, und die ist immer dann falsch, wenn es zu viel wird.

GW: Wenn Sie fünf Computerspiele empfehlen würden, die für Familien insgesamt passend sind, welche wären das?

HW: Natürlich würde ich als erstes die 'Anno'-Reihe empfehlen. Ein Spiel, welches Jung und Alt spielen können. Außerdem erachte ich jedes Spiel, was in der Altersstufe für sechs Jahre als geeignet bezeichnet wird, als sinnvoll. Bestimmte Genres sind dabei prädestiniert, um sie in der Familie bevorzugt zu spielen. In der Regel sind das solche, zu denen Erwachsene schnell einen Zugang finden. Dinge, bei denen Krieg, in welcher Form auch immer, gespielt wird, halte ich für nicht geeignet. Strategie- und Adventure-Spiele können jedoch gut gemeinsam gespielt werden. Auch Sportspiele, bei denen man einmal gegeneinander antritt und Highscores erwirbt, eignen sich.

GW: Der Frauen- und Mädchenanteil bei bestimmten Genres steigt, aber dennoch ist der Markt für Computerspiele männlich dominiert. Glauben Sie, dass hier eine Angleichung, eine Balance, stattfinden wird?

HW: Ich bin gar nicht so sehr der Meinung, dass unbedingt eine Angleichung bzw. eine Balance stattfinden muss. Ich finde es natürlich gut, wenn sich Frauen und Mädchen für Computerspiele interessieren – allerdings finden sie eher ein recht kleines Angebot, was auf ihre Interessen zugeschnitten ist. Ich glaube, wenn das Angebot erweitert würde, würde das weibliche Geschlecht auch mehr am Computer spielen. Mit solchen Spielen wie 'Anno 1701' kann man sie zum Beispiel durchaus vor den Computer locken. Die Angleichung gut und schön, aber ein Muss sehe ich da nicht.

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