Preview - Armored Warfare : Mein Freund, der Panzer

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Denkt man an Panzer und Massive-Multiplayer-Online-Spiele, kommt einem World of Tanks in den Sinn. Obsidian versucht sich nun an einem eigenem Free-to-play-Spiel, das durch die hübsche CryEngine und einen hohen Grad an Realismus überzeugen will. Wir haben eine frühe Alphaversion des „tanktical“ Shooters angespielt und geben euch einen kleinen Eindruck von unserer Panzerspazierfahrt.

In Armored Warfare wählt ihr verschiedene Panzern aus und manövriert sie in Echtzeitkämpfen über das Schlachtfeld. In unserer Vorschauversion standen uns fünf verschiedene Panzerarten zur Verfügung. Die sind je nach Klasse unterschiedlich ausgerüstet. Schwere Panzer sind für weite Distanzen ausgelegt, während kleine Modelle zwar viel weniger Schaden als ihre großen Brüder machen, durch ihre Schnelligkeit aber sehr schnell das feindliche Gebiet erkunden können. So entsteht ein Rollensystem wie in einem MOBA, in dem jeder Panzer sein eigenes Aufgabengebiet hat.

Da sich die Entwicklung des Spiels noch in einem frühen Stadium befindet, konnten wir nur den Last-Team-Standing-Modus ausprobieren. Es spielen jeweils zwei Teams mit zehn Spielern gegeneinander, wobei jede Mannschaft aus einer bestimmten Anzahl von Panzern besteht. So gibt es fest zugeteilte Verhältnisse. Ein reines Späher- oder Schwerpanzer-Team ist also nicht möglich. Eventuell unfairen Team-Zusammenstellungen soll dadurch vorgebeugt werden. Auch bei den bereits vorhandenen Karten ist eine Anlehnung an MOBA-Titel zu finden: So gibt es auf jeder Karte drei Hauptrouten, an denen die beide Teams aufeinandertreffen können. Zwar kann man auch einen Weg durch die Flora wählen, aufgrund der nicht sonderlich wendigen Panzer endet das aber meist in einem Unglück.

Nichts für eine schnelle Runde

Was direkt beim ersten Match klar wird: Armored Warfare richtet sich durch seinen hohen Grad an Realismus und die schwer erlernenden Mechaniken der Fahrzeuge nicht an Gelegenheitsspieler, sondern erfordert viel Einarbeitungszeit. Bis der erste Abschuss eines feindlichen Panzers gelingt, vergeht gut und gerne eine komplette Stunde. Hier ist klar im Vorteil, wer sowohl die Gegebenheiten des eigenen Panzermodells als auch das Flugverhalten und die Geschwindigkeit der eigenen Raketen kennt. Wenn man aber langsam Fortschritte macht und die ersten Abschüsse gelingen, wird der Ehrgeiz groß.

Gerade durch die Behäbigkeit der Panzer bekommt das Spiel im Nahkampf eine sehr interessante Note. Da die Kanonenrohre der Panzer sich in einem realistischen Tempo drehen, stehen sich zwei Panzer auch mal mehrere Sekunden gegenüber, bis sie endlich den ersten Schuss abfeuern können. Hier ist wichtig, jeden einzelnen Kampfschritt vorher im Kopf durchzugehen, da etwaige 180-Grad-Drehungen mit einem schweren Panzer nicht möglich sind. Stellungsspiel und taktische Vorausschau sind somit wichtiger als Zielsicherheit und Feuerkraft.

Keine Chance für Teilzeitrambos

Womit neue Spieler zu Beginn ihrer Armored-Warfare-Karriere ebenfalls zu kämpfen haben werden, ist das Schadenssystem. Wird euer Panzer an den falschen Stellen getroffen, können sowohl euer Motor als auch eure Ketten betriebsunfähig gemacht werden. Das ist vor allem ärgerlich, wenn ihr eure Deckung verlassen habt und nun zum Abschuss frei in der Prärie steht. Je nach Bauart des jeweiligen Panzers unterscheiden sich die Schwachstellen. Dadurch müssen die Schwachstellen von allen Panzern gelernt werden.

Durch diese taktische Finesse ist ein Ansturm auf die gegnerische Basis nahezu unmöglich.

Solltet ihr frühzeitig in einem Match sterben, ist euer Panzer so lange als Schrotthaufen auf der Karte gefangen, bis ein Sieger der Partie bestimmt wurde. Euch bleibt die Möglichkeit, das Match als Zuschauer zu verfolgen oder es zu verlassen. In eurer Basis kann der Panzer erst wieder auf das Schlachtfeld geschickt werden, wenn das Match vollständig beendet wurde. Bis dahin müsst ihr euch mit euren restlichen Panzern vergnügen. Wer also schnell mit allen seinen Panzern das Zeitliche segnen sollte, der muss mit Wartezeiten rechnen.

Armored Warfare - Alpha-Preview (Exklusiv)
Wir konnten bereits an der Alpha zum Free-2-Play-Spiel Armored Warfare teilnehmen, als einziges deutsches Medium. Hier unsere Video-Preview dazu.

Angemessene Präsentation

Durch die CryEngine sehen vor allem die Panzer aus der Nähe spektakulär detailliert aus. In eurer Basis könnt ihr eure Kampfkolosse ganz genau begutachten. Hier macht die Grafik einen wirklich tollen Eindruck. Auf dem Schlachtfeld verblasst diese Pracht leider. In unserer Alphaversion konnte die Umgebung noch nicht mit detaillierten Texturen punkten. Speziell das Schlachtfeld in der Stadt wirkt für einen Krieg noch viel zu sauber und steril. Außerhalb der Stadt machen zwar vor allem Gräser und Gebüsche einen lebendigen Eindruck, jedoch würde es dem Spiel guttun, wenn es noch um einiges dreckiger aussehen würde.

Die Bildrate leistete sich einige Einbrüche, die 30 FPS wurden aber meist konstant gehalten. In der finalen Version soll es kein FPS-Limit geben. Je nachdem, wie stark euer Rechner ist, soll die Grenze nach oben offen sein. Ob Spieler mit schwächeren Rechnern dadurch Nachteile haben werden, bleibt abzuwarten. Besonders bei präzisen Schüssen könnte eine höhere Bildrate von großer Bedeutung sein. Da sich Armored Warfare aber noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet, kann sich an der grafischen Präsentation noch einiges tun.

Vieles soll noch kommen

Im finalen Spiel soll es möglich sein, eure Panzer ganz nach euren Vorstellungen zu tunen. Ihr werdet Motoren verbessern, Upgrades für eure Raketen erwerben und jede Panzerart komplett auf eure Bedürfnisse anpassen können. In unserer Anspielversion waren diese Funktionen leider noch nicht implementiert. Ein PvE-Modus soll ebenfalls integriert werden, damit ihr mit Freunden gegen Computer-Gegner in die Schlacht ziehen könnt. Genaue Details dazu gibt es bisher noch nicht.

Bislang ist noch nicht klar, wie das Free-to-play-Modell von Armored Warfare aussehen wird. In unserer Vorabversion gab es keinerlei Elemente, die auf Mikrotransaktionen oder Ähnliches hinweisen würden. Zwar gab es einen Shop, der konnte aber nicht besucht werden. Derzeit weiß nur Obsidian, welche Monetarisierungsrichtung man mit dem kommenden Panzer-MMO einschlagen will.

Fazit

Robin Rottmann - Portraitvon Robin Rottmann
Macht Lust auf mehr

Durch die taktische Dichte wird Armored Warfare keine reine Kopie des erfolgreichen World of Tanks. Obsidian verfolgt spielerisch einen eigenen Ansatz, der zwar eine Menge Einarbeitungszeit und Training erfordert, dafür aber umso belohnender ist. Für eine frühe Alpha hat das Panzer-MMO bereits großen Spaß gemacht, ich habe es gleich auf meine Beobachtungsliste gesetzt. Zu hoffen bleibt, dass Armored Warfare auch weiterhin spielerisch überzeugt und sich nicht zu einem Pay-to-win-Monster entwickelt. Sollte Entwickler Obsidian diesbezüglich nur auf kosmetische Items setzen, könnte uns ein E-Sport-tauglicher Titel ins Haus stehen, der auch zum Zuschauen geeignet wäre. Meine Daumen sind gedrückt.

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