Test - Battlefield 1 : Zurück ins Glück: Battlefield in Bestform

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Mit Battlefield 1 verlässt die Shooter-Serie die Gegenwart und reist rückwärts in der Geschichte zum Ersten Weltkrieg. Statt auf Atomwaffen oder andere moderne Gadgets setzt die Reihe auf Grabenkämpfe und Kampfgasangriffe. Sowohl eine Kampagne als auch der bewährte Multiplayer-Modus schicken sich an, dieses Jahr endlich den großen Konkurrenten Call of Duty zu besiegen. Die Chancen stehen gut.

Nach Battlefield: Hardline war einiges an Arbeit zu leisten. Zwar war der letzte Teil der Reihe kein vollkommener Misserfolg, viel Anklang fand er jedoch nicht. Zu sehr wich Hardline vom altbekannten Battlefield-Flair ab. Genau in diese Kerbe scheint Battlefield 1 schlagen zu wollen: Mit dem Ersten Weltkrieg gibt es ein komplett neues Szenario für den Shooter. Außerdem verabschiedet man sich vom Moderne-Kriegsführungs-Einheitsbrei, der das Genre vor allem auf der Konsole seit mehreren Jahren dominierte. Ohne weitere Einführung startet ihr zu Beginn von Battlefield 1 direkt in einer Schlacht zwischen Panzern, feindlichen Soldaten und Giftgas.

Die Kampagne von Battlefield 1 ist so gut umgesetzt, wie es die Reihe das letzte Mal zu Bad-Company-Zeiten erlebt hat. Sie dient dieses Mal nicht nur als erweitertes Tutorial, sondern gibt auch Einblicke in verschiedene Szenarien des Ersten Weltkriegs. Anstatt eine einzelne Person in den Vordergrund zu stellen, lässt euch der Titel in die Rolle von verschiedenen Soldaten schlüpfen, die unabhängig voneinander im „großen Krieg“ kämpfen. Die einen wollen Helden werden, die anderen versuchen einfach nur zu überleben.

Handlung im Vordergrund

Diese Erzählstruktur macht es zum einen möglich, ohne schwammige und weit hergeholte Überleitungen viele verschiedene Schauplätze zu integrieren, zum anderen gestaltet sie die Kampagne sehr abwechslungsreich. Je nach Handlungsstrang dauert es zwischen eineinhalb und zwei Stunden, bis ihr mit einem Protagonisten durch seid. Diese Form des „Serienformats“ tut der Kampagne gut. Im Mittelpunkt steht nicht mehr das Heldentum des Einzelnen, sondern man versucht zu vermitteln, wie nervenaufreibend der Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg war. Das funktioniert wunderbar.

Battlefield 1 stellt die Soldaten auf dem Schlachtfeld in den Vordergrund. Man ballert sich nicht einfach nur durch Wellen von gesichtslosen Feinden, sondern lernt diese Personen und ihre Schicksale kennen. So werden selbst Gegner zusehends nicht mehr als solche wahrgenommen, sondern als Menschen, die lediglich der Zufall auf die andere Seite gestellt hat und nicht gleichzusetzen sind mit der politischen Macht dahinter. Man erfährt am eigenen Leib, dass Krieg vor allem immer diejenigen Personen trifft, die am wenigsten für ihn verantwortlich sind.

Was diesen Geschichten jedoch trotzdem fehltn sind die magischen Momente. Zwar schlägt man euch die Action nur so um die Ohren, der Missionsaufbau fühlt sich jedoch sehr nach Multiplayer-Partien an. Ihr erobert einzelne Punkte auf großen Karten oder infiltriert kleinere Lager, um an Papiere, Befehle oder Ähnliches zu gelangen. Das ist jedoch die einzige Schwäche, die die Kampagne von Battlefield 1 offenbart. Ich als großer Fan von WWII-Shootern wie Medal of Honor: Allied Assault oder Call of Duty fühlte mich sehr wohl mit den dreckigen und sehr brutalen Abschnitten der Kampagne.

Der langsame Multiplayer

Das Tempo von Battlefield 1 ist drastisch niedriger als in den letzten Serienauskopplungen. Vorbei sind die Zeiten der schnellen, unkoordinierten Angriffe. Waffen brauchen lange zum Nachladen, sind ungenau und verlangen viel Geduld. Das merkt man vor allem im Multiplayer-Modus. Battlefield-Veteranen fühlen sich wie immer direkt wohl, da an der Hauptmechanik kaum etwas verändert wurde. Dennoch spielt sich der neueste Teil langsamer. Wer einfach nur drauflosrennt, kommt nicht ans Ziel. Zudem ist die Zusammenarbeit mit dem eigenen Squad erneut von immenser Wichtigkeit.

Das Design von Menüs und HUD orientiert sich stark an Star Wars: Battlefront. Zu keiner Zeit werdet ihr mit Informationen überladen, die Ausrüstung eurer Klassen mit Waffen und Gagdets läuft sehr intuitiv ab. Wie in den Vorgängern erhaltet ihr Erfahrungspunkte für bestrittene Matches und Aktionen innerhalb des Spiels, bekommt so Beförderungen für euren Rang und könnt euch nach und nach Modifikationen für eure Waffen und Hilfsmittel leisten.

Altbekannte Probleme

Leider sind viele aus den Vorgängern bekannte Probleme ebenfalls in Battlefield 1 enthalten. Sniper-Schützen sind seit Battlefield 3 teilweise massiv im Vorteil und führen meist die Punkteliste ganz oben an. Da sämtliche neuen Karten enorm groß sind, kommt es immer wieder vor, dass Scharfschützen vor allem im frühen Spiel die Karte dominieren, wenn es nur wenige Fahrzeuge gibt. Es hat den Anschein, dass Panzer und Flugzeuge deutlich weniger zum Einsatz kommen sollen wie in den Vorgängern. Immer wieder ist man per pedes unterwegs, da es einfach kein Fahrzeug gibt, das einen mitnehmen kann. So gerät man auf den weitläufigen Karten sehr oft ins Kreuzfeuer.

Battlefield 1 - War Pigeons Trailer
In diesem Clip stellt euch Senior Producer Aleksander Grondal den War-Pigeons-Modus kurz vor.

Zu den klassischen Spielmodi gesellt sich als Neuerung der Operationenmodus. Hier spielt ihr auf mehreren Karten im Verbund gegen ein gegnerisches Team. Vor jeder Mission erhaltet ihr Informationen rund um die Schlacht, die euch erwartet, und über den taktischen Angriffsplan. Daraufhin müsst ihr strategische Punkte auf der Karte halten oder stürmen. Diese Mischung aus Rush und Conquest macht großen Spaß. Nach Abschluss der ersten Karte folgt gleich die zweite Schlacht. So kann man eine Niederlage auf einer Karte wieder wettmachen. Leider passiert es häufig, dass ihr Partien zugewiesen werdet, die gerade kurz vor dem Ende der Rückrunde stehen. Das kann bei längeren Ladezeiten frustrieren.

Große Grafikpracht

Im Conquest-Modus merkt man, wie groß und gut umgesetzt die Karten von Battlefield 1 sind. Es gibt zig Möglichkeiten, taktische Punkte einzunehmen. Nahezu keine Partie gleicht der anderen. So kommt auch nach mehreren Spielstunden keine Langeweile auf. Natürlich muss die Zeit zeigen, ob DICE und EA in Zukunft für genügend Schwung und Abwechslung sorgen. Das momentane Paket macht jedoch einen soliden Eindruck und Lust auf mehr. Gerade der Kampftaubenmodus zeigt, dass DICE und EA versuchen, frischen Wind in angestaubte Spielmodi wie Capture the Flag zu bringen.

Die Grafik trägt ihren Teil dazu bei, dass Battlefield 1 so fasziniert. Der Shooter sieht nicht nur auf den ersten Blick gut aus, sondern schafft es ebenfalls durch kleine Details zu punkten. Explosionen von Granaten sind beeindruckend, der Dreck fliegt euch nur so um die Ohren und kaum etwas ist so bedrückend wie ein Giftgasangriff. Das Sound-Design überzeugt ebenfalls. Jede Waffe hört sich authentisch an, Explosionen haben den entsprechenden Wumms und die deutsche Sprachausgabe ist toll. Hier steht Battlefield 1 erfolgreichen Kriegsfilmen in nichts nach. Die Hektik und Orientierungslosigkeit auf dem Schlachtfeld sind fast perfekt umgesetzt und bringen das Herz in den richtigen Augenblicken zum Pochen.

Greift zu, wenn...

…ihr große Multiplayer-Schlachten mögt und eine abwechslungsreiche Handlung in einem Shooter sucht.

Spart es euch, wenn...

… ihr dem Szenario des Ersten Weltkriegs nichts abgewinnen könnt und ihr einen Fast-Food-Multiplayer bevorzugt.

Fazit

Robin Rottmann - Portraitvon Robin Rottmann
Zurück zu alter Stärke

Battlefield 1 sollte es nicht nur schaffen, alteingesessene Fans zu begeistern, sondern auch Anfängern schnell zu vermitteln, woraus die Faszination Battlefield besteht. Die Kampagne ist endlich nicht nur eine dröge Beigabe, sondern spielt sich gut und weiß zu unterhalten. Zwar wird sie nur für wenige Spieler ein Kaufgrund sein, dennoch wird man nicht enttäuscht.

Im Multiplayer-Modus zeigt DICE erneut, wo der Hammer hängt. Die Partien mit bis zu 64 Spielern sind eine reines Vergnügen, die Maps sind alle gut balanciert und bieten unglaublich viele Möglichkeiten für taktische Tiefe. Auch wenn es schade ist, dass einige Klassen einen weiterhin ohne größere Probleme überrollen können, macht der Multiplayer sonst keine Fehler. Wer langsame, taktische Shooter bevorzugt, hat mit Battlefield 1 sein Spiel des Jahres gefunden. Wer es lieber schnell mag, sollte zu Call of Duty: Infinite Warfare oder Titanfall 2 rüberschielen.

Überblick

Pro

  • abwechslungsreiche Kampagne
  • Motivation im Multiplayer durch viele Upgrades
  • Operationenmodus bringt ebenfalls neuen Schwung
  • beeindruckende Grafik
  • Sound-Design stimmig

Contra

  • Kampagne fehlen die Highlights
  • Viele Balancing-Probleme im Multiplayer
  • Matchmaking steckt euch häufig in Partien, die kurz vor dem Ende stehen
  • teilweise lange Ladezeiten

Awards

  • Games Tipp
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  • Sound
    • PC
  • Mehrspieler
    • PC

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