Test

Blitz: The League II

Football mit leichtem Augenzwinkern

  • PS3
  • X360

Hier zu Lande wird das Madden-NFL-Franchise nach wie vor kritisch betrachtet. Zu komplex die Steuerung, zu fremd das Reglement, zu amerikanisch die Aufmachung und zu unpopulär der eigentliche Sport. Mit Blitz: The League II bringt Midway die Raufbolde in abgewandelter Form auf die Xbox 360 und die PlayStation 3 und beäugt den typisch amerikanischen Sport mit einem Augenzwinkern. Gameswelt hat Schutzhelm und Schienbeinschoner angelegt und sich aufs Yard begeben.

Sex, Drugs & Football

Was ist eigentlich die Blitz-Liga? Wer sich mit dem ersten Ableger nicht näher beschäftigt hat, wird auf diese Frage keine Antwort parat haben. Die Blitz-Liga ist quasi ein fiktionaler, amerikanischer Profi-Football-Verband, der sich gegen sämtliche Konventionen des echten Sports auflehnt. Tritte in die Weichteile sind hier genauso gängig wie Knochenbrüche und Wirbelsäulenverkrümmungen. Wer sich schon anstellt, wenn ihm ein paar Rippen gebrochen werden, hat auf dem Yard von Blitz: The League II nichts verloren. Ihr merkt schon, Fairness wird klein geschrieben, stattdessen entpuppt sich der Football-Titel als perverse und rücksichtlose Abwandlung des amerikanischen Nationalsports, in dem das komplette Klischeebuch über Sex und Drogen abgearbeitet wird.

Während der komplexe Madden-Konkurrent simulationslastig daherkommt, dominiert beim Midway-Titel flottes Arcade-Bolzen. Auf das Spielgeschehen hat diese Tatsache immensen Einfluss: Das Reglement wurde deutlich abgeschwächt, weswegen rüde Bodychecks, unfaire Aktionen und Blutgrätschen nicht geahndet werden. Das Playbook mitsamt den taktischen Spielzügen wurde auf ein Minimum heruntergeschraubt und statt elf huschen pro Team nur neun Knochenbrecher über den grünen Rasen. Entsprechend spiegelt sich der Arcade-Fokus im Controller-Layout wieder, das sehr zugänglich ist und dank umfangreichem Tutorial binnen weniger Spielminuten erlernt ist.

Hast du mich beleidigt?

Der Schlüssel zum Erfolg ist die Clash-Leiste, die sich durch gelaufene Yards sowie Touchdowns füllt. Dieses Feature ist Fluch und Segen zugleich, streut aber den nötigen Pep ins Spielgeschehen. Während ihr in der Offensive bei aktivierter Clash-Power in Zeitlupe rennt, mit gut getimten Ausweichmanövern glänzen könnt und praktisch perfekte Pässe spielt, seid ihr in der Defensive in der Lage, euren Gegenüber mit teils makaberen Tackles aufs Krankenbett zu schicken.

Dabei können gezielt bestimmte Körperteile in Mitleidenschaft gezogen werden. Werdet ihr dagegen durch einen Dirty Hit schwer verletzt, bedeutet das nicht zwangsläufig das Ausscheiden eures Akteurs. In diesem Falle eilt ein Teamarzt herbei, der euch je nach Verletzung eine Spritze in die Niere jagt oder kurzerhand eure Knochen wieder einrenkt. Das geschieht in Form eines kurzweiligen Minispiels.

Mit wie viel Augenzwinkern die Macher zu Werke gingen, zeigt sich nicht zuletzt an den humorigen Touchdown-Aktionen. Habt ihr das Ei in die Endzone geschleppt, könnt ihr aus unterschiedlichen Jubelaktionen wählen. Beispielsweise versucht euer Muskelprotz, aus dem Spielball Bier zu schlürfen oder rastet aus und schlägt alles kurz und klein. Spielerisch gibt es kaum etwas zu bemängeln, die KI agiert schon zu Beginn sehr aggressiv und räumt euch nur selten genügend Raum für simple Spielzüge ein. Pässe werden zudem konsequent abgefangen, was nur durch geschicktes Freilaufen zu umgehen ist.

Vom Bordstein zur Skyline

Herzstück des Spiels ist zweifelsohne der Story-Modus, in dem ihr einen aufstrebenden Youngster, der frisch vom College in die imaginäre Blitz-Profiliga gewechselt hat, sowie sein individuell zusammengebasteltes Team von einer Graupentruppe zum Star am Ligahimmel begleitet. Abgesehen von den Liga-Partien müsst ihr Sponsoren anwerben, Team-Upgrades einkaufen und dürft vor jedem Spiel auf den Sieg eures eigenen Teams Wetten abschließen. Klappt es mal nicht, wie ihr es euch vorstellt, greift ihr zu unfairen Methoden. Sprich, ihr pumpt eure Muskelprotze mit illegalen Aufputschmitteln, wie Steroiden und Droxyling, voll. Die Entwickler rollen das gesamte Klischeebuch des American Sports auf, lediglich das nötige Kleingeld müsst ihr aufbringen können.

Der Karrieremodus beschäftigt euch für einige Spielstunden, danach gibt es immer noch einige Turniere zu gewinnen, bei denen die Macher besonders viel Kreativität bewiesen und spezielle Football-Abwandlungen aus dem Boden gestampft haben. Etwa führt jedes Tackling zum sofortigen Ballverlust oder Dirty Hits lassen euer Score-Konto in die Höhe schnellen. Online lassen die durchtrainierten Kraftprotze ihrer Brutalität ebenso freien Lauf. Leider vermissen wir hier echte Turniere, mehr als normale Quick Matches und Leaderbords dürft ihr nämlich nicht erwarten.

Die audiovisuelle Leistung reicht definitiv nicht an die der jüngsten Madden-NFL-Inkarnation heran, erlangt aber ein durchaus solides Niveau. Vor allem die durch Röntgenbilder klasse in Szene gesetzten Dirty Hits sind eine Sache für sich, die man in dieser Form bislang nur selten gesehen hat. Hinzu kommen schicke Wettereffekte. Matsch und niederprasselnder Regen sind zwar nett anzusehen, schneiden im direkten Vergleich mit Madden NFL jedoch einen Hauch schlechter ab. Unterstrichen wird das schön dreckige Flair durch den Ghetto-typischen Kommentator im Trainingsmodus, während das in den Arenen nicht weniger cool wirkt.

Fazit

Nichts für Weicheier! Blitz: The League II stellt den Football-Sport als vorurteilsbeladene Satire dar, ohne das Rasenschach mit Samthandschuhen anzupacken. Dank zugänglichem Gameplay für Madden-Rivalen absolut empfehlenswert.Blitz: The League II ist genau das, worauf das Gros europäischer Zocker gewartet hat: Eine leicht zugängliche, mit einem Augenzwinkern präsentierte Football-Schlammschlacht mit Testosteronüberschuss. Da lässt sich die Lizenzdürre gern verkraften. Wer die bierernste Madden-Serie bislang aufgrund ihrer Komplexität gescheut hat, wird beim Midway-Titel auf seine Kosten kommen. Schnell hat man sich dank des verständlichen Tutorials ins Spiel reingefuchst und bekommt effektive Spielzüge zustande. Kurzum: Für Einsteiger eine empfehlenswerte Anschaffung, die eingeschworene Madden-Fraktion wird sich hingegen schon nach kurzer Zeit nach mehr Tiefgang sehnen.

Überblick

Pro

  • actionreicher Spielablauf
  • einzigartiger Humor
  • sehr zugängliche Steuerung
  • gute KI
  • tolle Akustik

Contra

  • keine Originallizenzen
  • fehlende Lokalisierung
  • keine Online-Turniere

Wertung

  • X360
    80
    %
  • PS3
    80
    %