Test - City of Villains : Das neueste Werk von Cryptic

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Es war ein Unfall. Zumindest glaube ich das noch immer. Früher einmal hatte ich Fleisch, Haut und Haare, die meinen Schädel bedeckten. Heute glänzt er, nackt bis auf den Knochen, mit dem Mondlicht auf Rouge Isle um die Wette. Gleichgültig, ob es ein Unfall war, die Verantwortlichen sitzen in Paragon City und ich werde sie finden! Außerdem müssen meine neuen Superkräfte für irgendetwas zu gebrauchen sein. Und sei es nur persönliche Rache!

Alle aufmerksamen Beobachter des MMOG-Genres (Massively Multiplayer Online Game) werden sich mit Sicherheit an das vor etwas mehr als einem Jahr herausgekommene ’City of Heroes’ erinnern. Gemeinsam mit Spielern aus der ganzen Welt machte man sich in strahlenden Kostümen und mit heldenhaften Kräften auf, Omas vor Handtaschendieben zu beschützen, widriges Gesindel in den Straßenschluchten von Paragon City zu vermöbeln oder einfach nur gut auszusehen. Mit ’City of Villains’ ist es nun an euch selbst, die Tiefen eurer schwarzen Seele zu ergründen, Banken auszurauben, Handtaschen zu stehlen oder einfach nur böse auszusehen.

Held oder Bösewicht – der feine Unterschied

Was erwartet euch in ’City of Villains’? In den ersten Spielabschnitten prinzipiell dieselben Möglichkeiten, wie man sie schon aus ’City of Heroes’ kennt. Anfänglich geht ihr als nichtiger Schurke dem täglichen Handwerk von Raub, Entführung, Auftragsmord und allerlei anderen Arbeiten nach, die einem Bösewicht gut zu Gesicht stehen. Welche Aufgaben auf eurem Plan stehen, hängt maßgeblich von den euch bekannten Kontakten ab. Von diesem Punkt an machen sich die ersten feinen Unterschiede zu ’City of Heroes’ bemerkbar, denn als Held war man gerade zu Anfang oft gezwungen, viel Laufarbeit zu verrichten, bis man seine Kontaktperson endlich anrufen konnte. Als Bösewicht in ’City of Villains’ hat man es etwas leichter. Konntet ihr in den ersten Aufträgen eure Kontaktperson davon überzeugen, dass ihr euer Handwerk beherrscht, wird euch eine Zeitung zur Verfügung gestellt, die Hinweise für weitere Aufträge bereithält. Weniger Laufarbeit, weniger Blasen an den Füßen und mehr Spaß.

Super-Bösewichter bekommen mit ’City of Villains’ eine bebaute Insellandschaft geboten, die sich eher mit dem viktorianischen Stil englischer Großstädte oder Städten wie Boston in den USA vergleichen lässt, natürlich in kleineren Dimensionen. Viele Industrieanlagen, Häfen, Trockendocks und ähnlich Einrichtungen unterstützen die Atmosphäre, fern ab von blank polierter und wohl aufgeräumter Gerechtigkeit im Herzen des Bösen zu agieren.

Etwas enttäuscht wurden meine Erwartungen an die zu erhoffende neue Vielfalt der Missionen, Gegner-Typen und ähnlichem. Wenn ihr ’City of Heroes’ nicht gespielt habt, wird es nicht weiter ins Gewicht fallen, da alles, was euch begegnet, neu ist. Wer aber ’City of Heros’ schon hinreichend durchgespielt hat, dem fallen in ’City of Villains’ sehr schnell die altbekannten Missions-Typen und Umgebungen auf. Es hätte etwas mehr sein dürfen an unterschiedlichen Aufträgen, Gegner-Typen und grafischen Erscheinungsbildern in ’City of Villains’.

Charaktere mit Charakter

Bevor ihr eure niederen Instinkte auf den Rouge Isles ausleben könnt, muss selbstverständlich euer virtuelles Abbild, der Avatar, gestaltet werden. Bevorzugte man für die Helden von Paragon City zumeist gewienerte Strampelanzüge in edlem Design, dürft ihr euch als Bösewicht mehr der kantigen Abartigkeit eines echten Fieslings hingeben. Von Knochenschädeln über behaarte Anlehnungen an bestialisches Aussehen bis hin zu Dämonenfüßen und Hornfortsätzen auf dem Rücken ist alles geboten, was den Schurken schmückt. Und nicht wenige Bösewichter, die von mir befragt wurden, verbrachten Stunden vor der Charaktererstellung, um schlussendlich ihrem bösen Avatar das gewisse Etwas zu verleihen.

Wie schon in ’City of Heroes’ ist auch die Charaktererstellung in ’City of Villains’ eine äußerst gelungene Vorstellung der Entwickler. Der einzige Kritikpunkt wäre vielleicht ein Mangel bei der Auswahl an nicht menschlichen Gestaltungsvarianten. Vielleicht spendieren die Entwickler dem Spiel ja in Zukunft noch ein paar hässlichere Monster und Avatare; ich würde mich darüber freuen und das Spiel bekäme einen etwas erwachseneren Charakter. Es mag eventuell nicht ganz den Vorstellungen des Publishers entsprechen, doch ’City of Villains’ ist trotz aller Bösewichter ab zwölf Jahren zugänglich.

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