Test - Civilization 4 : Civilization 4

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Friede sei mit dir

Wer lieber diplomatisch zu Werke geht, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Die rivalisierenden Staatsoberhäupter agieren in den Verhandlungen mittlerweile etwas nachvollziehbarer, haben allerdings noch immer ein paar unschöne Aussetzer, die selbst sicher geglaubte Abkommen urplötzlich wieder kippen. Eine Alternative für die Diplomatie fungieren die neu eingeführten Religionen. Vom Buddhismus bis zum Christentum sind alle wichtigen Konfessionen vertreten, die unsere Zeitgeschichte hervorgebracht hat. Einmal aktiviert verbreitet sich die entsprechende Religion automatisch im gesamten Reich und hat teilweise Einfluss auf die Nachbarstaaten bzw. Nachbarsiedlungen. Tretet ihr beispielsweise zum Glauben eines anderen Volkes über, fördert das natürlich zwangsläufig die diplomatischen Beziehungen.

Des Weiteren bringen die Konfessionen unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich wie z.B. die Erhöhung des Kulturwerts. Kombiniert ihr das mit einigen mächtigen Monumenten freut sich am Ende sogar die Staatskasse. Ebenfalls neu: Nach bestimmten Ereignissen tauchen große Persönlichkeiten in eurem Reich auf, die über mächtige Fähigkeiten verfügen oder ein besonders ergiebiges "goldenes Zeitalter" beschwören können. Männer wie Moses & Co. lassen aber auch gleichzeitig das Punktekonto ordentlich ansteigen. Wer sich nicht um alle Vorgänge im Reich selbst kümmern möchte, nutzt die neue Automatikfunktion, die u.a. Bautrupps ohne euer Zutun steuert. Bis auf wenige Aussetzer regelt die KI das alles auch recht gut.

Auf in den Kampf

Manchmal scheitert aber auch der geschickteste Diplomat, so dass am Ende doch die Waffen sprechen. Die Einheiten verfügen jetzt nur noch über einen allgemeinen Angriffs- und Bewegungswert inklusive eventueller Talente. Das macht die Gefechtsplanungen etwas übersichtlicher und vor allem zugänglicher. Es lohnt sich übrigens, altgediente Truppen zu hegen und zu pflegen. Jede erfolgreiche Schlacht spült Erfahrungspunkte auf das Einheitenkonto und zieht im späteren Verlauf auch Beförderungen nach sich. Mit deren Hilfe baut ihr konkrete Fähigkeiten aus. Aus einfachen Soldaten entstehen somit wahlweise hervorragende Verteidiger mit Kampfbonus in Städten oder Feldjäger, die in bewaldeter Umgebung zur Hochform auflaufen.

Jedes Volk verfügt über eine besonders mächtige Spezialeinheit wie z.B. der deutsche Jagdpanzer. Gerade bei den Multiplayer-Gefechten kommt somit mehr Taktik ins Spiel. Apropos Multiplayer: Dieser Part lässt im Bezug auf Spielvariante kaum einen Wunsch offen. Partien im Netzwerk sind ebenso möglich wie Online-Matches, Hotseat-Sessions oder sogar 'Play by Mail'-Runden. Per Einstellung bestimmt ihr dabei die Rundenzeit und andere Bedingungen. Wem das noch immer nicht reicht, bastelt sich per Editor eigene Karten zusammen.

Schick aber nicht umwerfend

Wie eingangs erwähnt, haben sich die Grafiker von Firaxis endlich die Mühe gemacht, das strategische Geplänkel endlich zeitgemäß zu präsentieren. Nun, das ist aber eigentlich auch schon wieder etwas übertrieben. Die Figuren und die Landschaft erstrahlen tatsächlich im schicken 3D-Gewand, das vor allem viel Wert auf liebevolle Details legt. Die gesamte Karte strotzt nur so vor solchen Kleinigkeiten wie welliges Wasser, fleißig werkelnde Bautrupps oder rauchende Industriekomplexe. Bis auf die Gefechte können sich auch die Animationen sehen lassen und machen deutlich mehr her als noch der Vorgänger. Allerdings sieht 'Civilization 4' im Vergleich zu einem 'Age of Empires 3' nach wie vor recht angestaubt aus und kommt gänzlich ohne aufwändige Effekte oder Physikspielereien aus. Sicherlich ist die Optik in der Rundenstrategie eher zweitrangig, aber das Auge isst nun mal auch etwas mit. Besser sieht es da schon beim Sound aus.

Die Musikuntermalung ist grandios und serviert euch bereits beim Titelbildschirm wunderschöne Klänge. In der deutschen Version dröhnt dazu noch die sonore Stimme von Thomas Fritsch entgegen, der sowohl als Schauspieler als auch Synchronsprecher kein unbeschriebenes Blatt ist. Wahlweise installiert ihr einfach eine andere Sprachversion des Spiel. Die englische Variante wartet beispielsweise mit Leonard Nimoy als Sprecher auf.

Fazit

André Linken - Portraitvon André Linken
Endlich ist dieses Suchtgefühl wieder da. Nur noch diese eine Runde will man beenden und plötzlich ist es vier Uhr morgens. 'Civilization 4' erfindet das Strategie-Rad ganz sicher nicht neu, ergänzt es aber dermaßen geschickt mit zusätzlichen Facetten, dass sich die alte Faszination schnell mit den Neuerungen vereint. Dank des gut gemachten Tutorials finden auch Anfänger relativ schnell ins Spiel, während sich gestandene Strategen in den höheren Schwierigkeitsstufen die Zähne ausbeißen dürfen. Bis auf kleine Macken wie z.B. Aussetzer der KI oder dem unübersichtlichen Stadtbildschirm fällt eigentlich nur die Grafik etwas negativ auf. Sie ist schick, sie ist stimmig, doch etwas mehr geht da in der heutigen Zeit sicherlich. Da die Optik aber in dem Spiel eine untergeordnete Rolle einnimmt, kann man dieses Manko getrost unter den Teppich kehren und sich lieber an einem der fesselndsten Strategiespiele der letzten Jahre erfreuen.

Überblick

Pro

  • fesselt für Monate
  • komplexe Runden-Strategie
  • sehr gutes Tutorial
  • sinnvolle Neuerungen (Religionen etc.)
  • tolle Musik und Sprachausgabe
  • an sich stimmige Grafik...

Contra

  • ... die jedoch leicht angestaubt wirkt
  • kleine Macken bei der Automatik
  • unübersichtlicher Stadtbildschirm
  • große Maps brauchen bis zu 2 GB Speicher

Wertung

  • PC
    90
    %

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