Test - Colin McRae Rally 3 : Colin McRae Rally 3

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Colin McRae Rally 3
Schnee und Eis warten in Schweden auf uns.
Einstellungen und Reparatur
Bevor ihr aber in einem der Wettbewerbe an den Start geht, könnt ihr euch erst einmal den Fahrzeug-Einstellungen widmen. Von denen gibt es reichlich, von Bremsen über Chassis, Reifen und Getriebe bis hin zur Lenkung, jeweils mit spürbaren Einflüssen auf das Fahrverhalten. Einige Elemente, die ihr bei den Einstellungen nutzen könnt, müsst ihr allerdings erst im Laufe der Meisterschaft freischalten, nicht alles steht sofort zur Verfügung. So bekommt ihr mit der Zeit unter anderem neue Reifen oder andere Karosserie-Modelle hinzu. Nach den Einstellungen könnt ihr beliebig Probefahrten machen und eure Telemetriedaten vergleichen, um noch ein bisschen mehr Leistung aus dem Wagen herauszukitzeln. Im Verlauf des Wettbewerbs könnt ihr jeweils nach der dritten und sechsten Prüfung nochmals an den Einstellungen herumschrauben.

Richtig stolz ist Codemasters auf das neue Schadensmodell, und das mit Recht. Die Fahrzeugschäden werden nicht nur optisch sehr akkurat dargestellt, beispielsweise mit eingedrückten Türen, zerbrochenen Scheiben oder abgefallenen Fahrzeugteilen, sondern machen sich auch beim Fahrverhalten bemerkbar. Getriebeschäden äußern sich mit verzögerter Schaltung oder dem Fehlen von Gängen, Achsen-Schäden durch ein Ziehen des Wagens zu einer Seite. Ihr müsst allerdings schon einige heftige Kollisionen hinlegen, damit euer Fahrzeug endgültig auf der Strecke bleibt. Zu viel sollten es dann aber doch nicht sein, denn wie gewohnt habt ihr nur an den beiden Wartungstagen die Möglichkeit, das Auto reparieren zu lassen. Das wiederum könnt ihr allerdings nicht selbst durchführen, hier werden automatisch und ohne euer Zutun so viele Schäden ausgebessert wie in der zulässigen Zeit möglich. Schade, dass es dabei keine eigenen Einflussmöglichkeiten gibt, denn wer würde nicht lieber den Getriebeschaden ausbügeln statt ein paar Beulen weniger an der Karosserie zu haben.

Colin McRae Rally 3
Die Pisten in England gehören zu den schwierigsten.

Steuerung und Fahrzeugverhalten
Auf der Piste lässt 'Colin 3' dann erneut die Muskeln spielen, denn das Fahrverhalten der Boliden ist immer noch unerreicht, wenn man mal davon absieht, dass die Wagen erneut zu stark über die Fahrzeugmitte statt die Achse steuern. Bereits nach kurzer Zeit kommt man bestens klar mit Kurvenslides, Haarnadeln und Huckelpisten, die schnell in Fleisch und Blut übergehen. Das Fahrzeugverhalten wirkt realistisch, auch die verschiedenen Untergründe der Pisten sind gut umgesetzt und nachvollziehbar, egal ob nasser Asphalt, Schotter oder Schnee. Slides und Dreher sind für mein Empfinden etwas überzogen, aber das stört nicht weiter.

Gesteuert wird wahlweise mit der Tastatur oder einem Controller. Die Tastatur-Steuerung ist dabei sehr gelungen und funktioniert eigentlich fast noch besser als das Fahren mit einem Lenkrad. Dort nämlich tritt das Phänomen auf, dass die Force Feedback-Unterstützung offenbar nicht optimal programmiert wurde, denn der Lenkwiderstand ist gleich Null - ein unverzeihlicher Patzer bei einem Rallyespiel, in dem es auf genaue Lenkrad-Kontrolle ankommt. Der eigentliche Vorteil eines Force Feedback-Lenkrades, nämlich das Fahrzeug-Verhalten beim Steuern genau nachvollziehen zu können, ist dahin. In Sachen Ansicht werden drei Perspektiven geboten, nämlich die Draufsicht von hinten, die Cockpit- und die Motorhauben-Perspektive, natürlich jederzeit umschaltbar.

Colin McRae Rally 3
Reparaturen werden automatisch durchgeführt.

Grafik und Sound im guten Mittelmaß
Aus grafischer Sicht versetzt 'Colin 3' keine Berge, bietet aber immerhin ansprechend designte Strecken und detailreiche Fahrzeuge. Störend auch hier wieder das unschöne Einblenden von Hintergrund-Elementen, was auf der einen Seite Performance spart, auf der anderen aber recht hässlich aussehen kann. Das Schadensmodell wird optisch, wie bereits erwähnt, sehr schön umgesetzt, auch an Effekten wie verdreckenden Fahrzeugen, Regentropfen auf der Windschutzscheibe oder aufwirbelnden Staub wird nicht gespart. Landschaftsfetischisten sei aber gesagt, dass die Strecken von Microsofts 'RalliSport Challenge' um einiges schöner aussehen und mit deutlich mehr animierten Elementen versehen sind. Auch die Performance ist nicht immer optimal, speziell in waldigen Strecken mit vielen Objekten kommt es doch hin und wieder zu kleinen Haklern und Rucklern. Zwischensequenzen sind in Form von Einführungsvideos zu den jeweiligen Ländern vorhanden, die aber extrem verwaschen und sturzhässlich sind. Auch die Wiederholungen sind unspektakulär, wobei nicht einmal die Kamera-Position gewechselt werden kann.

An der Soundkulisse gibt es wenig zu bemängeln, sieht man einmal von der typischen Hintergrund-Musik ab. Die Motorensounds sind gut, auch die Fahr- und Streckengeräusche gehen in Ordnung. Schön ist, dass beim Umschalten der Perspektive auch die Sounds aus anderen Richtungen kommen, entsprechende Hardware vorausgesetzt. Auf die Original-Kommandos von Co-Pilot Nicky Grist müsst ihr allerdings verzichten, der Co-Pilot kommt in reinstem Deutsch daher und leistet gute Arbeit, auch wenn die eine oder andere Kurve für meinen Geschmack ein wenig zu früh angesagt wird.

 

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Rein vom Fahrgefühl her ist auch 'Colin McRae Rally 3' wieder einmal eine gelungene Rallye-Simulation mit einem guten Schadensmodell und ansehnlicher Grafik. Dennoch gibt es zahlreiche Schwachpunkte, die dem Spiel eine bessere Wertung verwehren und dem einen oder anderen Fan eine herbe Enttäuschung bieten werden. Dazu gehören unter anderem die schlechte Force Feedback-Unterstützung, der mangelnde Umfang in Bezug auf die Meisterschaft (nicht jeder will nur den Ford Focus fahren), die fehlenden Einstell-Optionen in den Einzelrennen und die fehlende Netzwerk-Unterstützung. So kommt unterm Strich ein gutes Rallye-Spiel heraus, dass aber an die Klasse des Vorgängers nur bedingt anknüpfen kann. Hoffen wir, dass 'Colin McRae 04' mehr zu bieten haben wird.  

Wertung

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