Test - Dark Souls Remastered : Das beste Spiel der letzten Generation jetzt auch für die neue

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Eines der besten Spiele der letzten Konsolengeneration kommt nun endlich auch für die aktuelle. Leider nicht in der komplett überarbeiteten Version, die sich Fans erhofft haben, sondern lediglich mit schärferen Texturen, höherer Framerate, kleineren Komfortanpassungen und erweiterten Online-Funktionalitäten. Dennoch ist Dark Souls Remastered die ideale Gelegenheit für all jene, eines der großartigsten Spiele aller Zeiten nachzuholen, die erst mit Teil 3 oder Bloodborne in diese Art von Spiel eingestiegen sind oder noch überhaupt keinen Kontakt damit hatten.

Was macht die Faszination an Dark Souls aus?

Zuerst das Allerwichtigste für alle, die Dark Souls vor allem vom Hörensagen kennen: Vergesst das Gerede über den angeblich so hohen Schwierigkeitsgrad! Wer Dark Souls auf seinen Schwierigkeitsgrad reduziert, hat das Thema verfehlt. Dark Souls ist kein Spiel für Masochisten, denen die Spiele von heute zu verweichlicht sind, oder ewig Gestrige, die den Zeiten hinterherweinen, in denen man nach dreimal Sterben wieder ganz von vorne anfangen musste.

Tatsächlich ist Dark Souls eigentlich gar nicht so schwer. Es lässt euch lediglich härter spüren, wenn ihr Fehler macht, weil es euch beibringen will, wie ihr es richtig macht. Es spricht lieber in Rätseln statt Klartext, weil es euch ermutigen will, so tief in diese Welt einzutauchen, wie ihr noch nie zuvor in eine Spielwelt eingetaucht seid. Es schafft eine stetig steigende bis schließlich nervenzerfetzende Spannung, weil im Falle eines Fehlers im wahrsten Wortsinne etwas „auf dem Spiel steht“, was nicht einfach mit dem Laden eines Spielstands ungeschehen gemacht werden kann.

Es will euch zu Entscheidungen zwingen – und das in jeder einzelnen Sekunde: Greife ich an oder ziehe ich mich lieber zurück? Bringe ich meine gesammelten Seelen in Sicherheit oder wage ich noch ein paar Schritte weiter in die Unsicherheit einer feindseligen Welt? Ob ihr die richtige Entscheidung oder die falsche getroffen habt, sagt euch das Spiel sofort. Es lehrt euch etwas, das viel zu selten geworden ist in der heutigen Zeit: Respekt. Respekt vor dem Spiel und seiner Welt, seinen Bewohnern und seinen Geheimnissen, die zu enthüllen sich wie eine Lebensaufgabe anfühlt.

Dark Souls ist nicht im gleichen Sinne schwer, wie andere Spiele es sind, die als schwer gelten, oder „normale“ Spiele, wenn man sie auf ihrem höchsten Schwierigkeitsgrad spielt. Es erfordert keine millisekundengenaue Präzision wie Super Meat Boy oder perfektionierte Skills am Kampfsystem wie Ninja Gaiden. Auch bspw. ein Uncharted oder Wolfenstein 2 auf ihrem höchsten Schwierigkeitsgrad sind viel, viel schwerer als Dark Souls – und vor allem: frustrierender.

Dark Souls ist nicht frustrierend und es erfordert eigentlich überhaupt keine Skills. Viel eher stellt es eure Persönlichkeit auf die Probe: eure Geduld, eure Ausdauer, euren Leichtsinn, eure Beharrlichkeit. Dark Souls provoziert euch dazu, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, wo es nur mit Bedacht und Demut weitergeht. Ihr werdet geläutert aus diesem Spiel hervorgehen.

Worum es in Dark Souls stattdessen geht

Der vermeintlich so hohe Schwierigkeitsgrad von Dark Souls ist lediglich Mittel zum Zweck, um all demjenigen eine Bedeutung zu verleihen, um das es in Dark Souls eigentlich geht: das geniale Kampfsystem etwa, das so perfekt ist, dass es mittlerweile sogar Spiele abkupfern, von denen man es am wenigsten erwartet hätte, etwa Assassin's Creed: Origins oder God of War.

Die Kämpfe in Dark Souls sind nicht schwer, sie fordern euch aber dazu heraus, euren Gegner und seine Vorgehensweise zunächst zu studieren, den passenden Moment zum Gegenangriff abzuwarten, die eigene Ausrüstung und Bewaffnung der jeweiligen Situation anzupassen, die Defensive über die Offensive zu stellen.

Der größte Gegner dabei ist man immer selbst: die eigene Ungeduld, Unvorsichtigkeit, Überheblichkeit und die Gier, einfach nur „den Sack zumachen zu wollen“. Die wichtigste Lektion, die ein Dark-Souls-Einsteiger lernen muss, lautet daher: Gebt niemals dem Spiel die Schuld, wenn ihr versagt, der Steuerung oder gar den Entwicklern. Die können nichts dafür. Ändert stattdessen eure Vorgehensweise, arbeitet an eurem Timing, überdenkt eure Ausrüstung. Wer das beherzigt, erspart sich viele unnötige Flüche.

Die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe

Apropos Flüche: Ein Fluch liegt über dem Land Lordran. Er verhindert, dass die Menschen sterben, raubt ihnen nach und nach ihre Seelen und macht sie zu Untoten, die ganz allmählich zu willenlosen Hüllen ihrer selbst werden. Doch ein auserwählter Pilger bricht zu einer Reise auf, um die Seelen der alten Fürsten zu bergen, die Feuer zu verbinden und so die Menschheit aus der Dunkelheit zu führen ...

Der Welt von Dark Souls liegt ihre eigene Logik inne, die mit der unseren nur schwer zu begreifen ist. Eine Seele ist dort kein religiöses Bewusstsein über das Selbst, sondern eine kristalline Währung, Menschlichkeit ist kein moralisches Attribut, sondern ein Wesenszustand, der aber auch schemenhafte Form annehmen kann, Feuer verzehrt nicht, sondern gebiert Leben und Bewusstsein aus dem Nichts, und Untote sind keine sabbernden Zombies, sondern ganz normale Menschen, die lediglich verlernt haben zu sterben und darüber allmählich ihren Verstand verlieren. Oder irgendwie so. Die Welt von Dark Souls hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die mit dem Verstand unserer Realität nicht erfasst werden können.

Selbst seine Geschichte inszeniert Dark Souls wie das gesamte Spiel: als großes Mysterium. Manch einer hat Dark Souls durchgespielt, ohne zu bemerken, dass es überhaupt eine Geschichte gibt. Völlig ungewohnt wird sie nicht in Zwischensequenzen und ermüdenden Dialogen erzählt, sondern lediglich als Brotkrumen in der Welt ausgelegt. Sie versteckt sich in Item-Beschreibungen, Hinweisen und jedem zerfallenen Gemäuer, das die Geschichte längst vergangener Königreiche erzählt, auf dessen Ruinen neue Königreiche erbaut wurden und wieder vergingen. Die Lore von Dark Souls ist ein Epos, das Jahrtausende umspannt und dessen Lücken der Spieler selbst mit seiner Fantasie füllt.

Vieles von der Faszination Dark Souls geht von diesem Erlebnis aus: dem Erfahren einer Welt, die sich seit Jahrhunderten im Zerfall befindet, die bevölkert wird von bemitleidenswerten Kreaturen und verzweifelten Gestalten wie einem selbst, einsame Seelen in einer längst vergangenen Welt, die sich verzweifelt an ihr letztes Fünkchen Seelenheil klammern und doch eigentlich nur noch loslassen wollen.

If only I could be so grossly incandescent

From Software hat diese Welt in ein Level-Design gemeißelt, das seinesgleichen sucht und vermutlich auf ewig unerreicht bleiben wird. Die Welt von Dark Souls ist kein geradliniges Ablaufen von Wegpunkten oder eine offene Landschaft, die sich in alle Richtungen ausbreitet. Stattdessen ist sie ein verdrehtes Wollknäuel, dessen Enden immer wieder in die Anfänge münden. Statt von einem Checkpoint zum nächsten zu hasten, öffnet sich in Dark Souls immer wieder plötzlich eine Tür zu einem Ort, den man eigentlich vor vielen Stunden schon bereist hatte. Ganz allmählich entsteht auf diese Weise ein Mosaik aus Gebieten, Weggabelungen und Abkürzungen, die sich zu einem großen strahlenden Muster verbinden.

Dark Souls ist ein Spiel der „Aha“-Erlebnisse. Wer einmal mit dem Fahrstuhl von der Kirche der Untoten hinab zum Feuerband-Schrein gefahren ist, wird diesen Moment sein ganzes Leben lang nicht vergessen. Wer einmal einen Boss mit dem letzten Schlag und fast leerem Gesundheitsbalken besiegt hat, wird noch seinen Enkelkindern davon erzählen. Denn auch das gehört zu Dark Souls: Wie kaum ein anderes Spiel bringt einen Dark Souls dazu, sich mit anderen Spielern austauschen zu wollen, die dasselbe erlebt haben: Wie verzweifelt man war, als man von den Fröschen verflucht wurde. Wie triumphal es sich anfühlte, Ornstein und Smough mit dem letzten verbliebenen Estus-Flakon schließlich doch noch zu besiegen. Wie einsam und verloren man sich vorkam in der Finsternis der Katakomben. Wie majestätisch es wirkte, als der Klaffdrache sein bizarres Maul das erste Mal aufriss.

Denn nicht zuletzt ist Dark Souls auch ein Spiel über spektakuläre Bosse und die Schlachten, die man gegen sie führt. Keiner von ihnen ist wie der andere, jeder ist eine Wucht, das Gefühl, sie nach etlichen Versuchen endlich besiegt zu haben, ist allenfalls dem Augenblick von Götzes WM-Tor 2014 vergleichbar, wenn sich die Hand zur Faust ballt und nichts anderes als ein gebrülltes „Jaaaaaaaa!“ über die Lippen kommen kann.

Das alles ist Dark Souls und noch viel mehr. Es ist ein Spiel, in dem man sich mit jedem seiner Aspekte intensiv beschäftigen möchte, mit dem Schmieden der Waffen etwa, weil das eine Pünktchen mehr auf dem neuen Schwert vielleicht den entscheidenden Unterschied verspricht, mit dem Sammeln von Gegenständen auch, weil sie nicht in gelangweilter Großzügigkeit über der Welt ausgekippt wurden, sondern jedes kleine Funkeln in der Ferne den womöglich entscheidenden Vorteil verheißt, den man genau jetzt brauchen könnte.

Deswegen ist Dark Souls so großartig: Weil es jedem seiner Bestandteile eine Bedeutung und einen Sinn beimisst, die man zu schätzen lernt, während sich andere Spiele lediglich mit Fülle und Beliebigkeit aufblähen. In diesem Sinne: Prepare to Die. Bis auch ihr eines Tages sagen werdet: Praise the Sun!

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