Test - Desperados 2: Cooper's Revenge : Desperados 2: Cooper's Revenge

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Ein wunderbares Spiel für Strategen?

Ein wunderbares Spiel also für Freunde gepflegter Taktikstrategie, hätte Entwickler Spellbound nicht gefestigte Westernpfade verlassen und eine optionale Schulteransicht in das Programm implementiert. Auf Knopfdruck verwandelt sich das Spiel damit de facto in einen Third-Person-Shooter, ohne allerdings die Spielmechanik an die veränderten Gegebenheiten anzupassen. Vor allem die Künstliche Intelligenz, die noch immer auf das Sichtkegelsystem zurückgreift, ist der neuen Situation nicht mehr gewachsen. Die computergesteuerten Widersacher lassen sich in der Konsequenz in bester Shooter-Manier nacheinander aus dem Spiel nehmen und bemerken die vermeintlichen Scharfschützen (John Cooper und Co.) auf Grund ihres geringen Sichtradius erst gar nicht. Dass patrouillierende Wachen stellenweise dabei nicht einmal misstrauisch werden, obwohl ihre Kameraden ermordet vor ihren Füßen liegen, ist ein weiterer Designschnitzer, den man dem Spiel nicht ohne weiteres verzeihen kann.

Alles in 3D

Überhaupt hat sich Spellbound mit der neuen 3D-Grafik keinen wirklichen Gefallen getan. Klar, das technische Grundgerüst mit seiner tollen Physik-Engine macht auf den ersten Blick einiges her, erweist sich aber umgekehrt bei näherer Betrachtung als wenig ausgereift. Die Kamera reagiert sehr träge, die Kollisionsabfrage ist fehlerhaft und im Inneren von Gebäuden verliert man nicht selten die Übersicht, weil wichtige Aspekte des Geschehens verdeckt werden. Immerhin gelingt es dem Spiel, das Western-Setting sehr gut einzufangen. Die Karten sind ansprechend gestaltet und unzählige kleinere Spielereien zeugen von der Liebe zum Detail, die in die Herstellung des Programms gesteckt wurde. Wind weht durch die staubigen Westernstädte, Löcher im Mauerwerk berichten von vergangenen Auseinandersetzungen und auch die gut aufeinander abgestimmten Spielfiguren sind sauber gestaltet. Verstärkt wird die dichte Wildwest-Atmosphäre schließlich noch durch den starken Soundtrack. Lediglich beim Storytelling wurde geschlampt. Statt rasant geschnittener Cutscenes treiben lediglich gemalte Standbilder die Handlung voran. Ermüdend!

Fazit

von Michael Beer
Den Vorgänger habe ich geliebt. 'Desperados 2: Cooper's Revenge' ist dagegen so etwas wie ein One-Night-Stand mit der prallen Discomaus: Macht zunächst Spaß, bis man sie näher kennen lernt. Wer auf die Third-Person-Ansicht verzichtet, bekommt ein knackiges Taktik-Strategiespiel geboten, das zwar wenig fortschrittlich, aber dennoch sehr spaßig ist. Wer sich dagegen in bewährter 'Splinter Cell'-Manier durch die tolle Westernkulisse ballert, verliert dank der schwachen KI schnell die Lust am Weiterspielen. Eine unausgereifte 3D-Technik und die schwache Präsentation der Story drücken dabei noch einmal zusätzlich auf die Spielspaßbremse.

Überblick

Pro

  • tolle Westernkulisse
  • abwechslungsreiche Missionen
  • fordernder Schwierigkeitsgrad
  • gut aufeinander abgestimmte Charaktere mit Spezialfähigkeiten

Contra

  • Third-Person-Modus viel zu leicht
  • stellenweise grobe KI-Schnitzer
  • unausgereifte 3D-Technik
  • Story-Präsentation

Wertung

  • PC
    72
    %

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