Special - „Killerspiele“ unter Beschuss : Special

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Gears of War
'Gears of War' – in Deutschland gar nicht erst veröffentlicht.
Augen auf, liebe Politiker, es wird Zeit mal zu erkennen, dass unsere Gesellschaft an sich krank ist. Steigende Jugendkriminalität, wachsender Drogen- und Alkoholkonsum Jugendlicher, Armut, soziale Unterschiede – alles ausgelöst durch Spiele? Nicht wirklich, oder? Der Mensch ist von Natur aus ein latent gewaltbereites Wesen und nur Erziehung, soziale Einbindung und ethische Werte hindern uns eigentlich daran, diese Gewalt auch auszuleben. Doch wenn die Erziehung in Schule und Elternhaus fehlschlägt und ethische Werte nicht mehr vermittelt werden, den Kindern keine Grenzen mehr aufgezeigt werden, dann muss man sich nicht wundern, dass die Gewalt in Einzelfällen ausbricht. Ich werfe einfach mal die These in den Raum, dass die wachsende Gewalt bei Jugendlichen aus der antiautoritären Erziehung resultiert, die uns in den 70ern und 80ern aufgequatscht wurde.

Wie auch immer, unklar bleibt trotz aller Behauptungen und Thesen jedenfalls, ob Videospiele überhaupt – und wenn ja, inwiefern – einen Einfluss auf das Verhalten der Amokläufer von Emsdetten und seinerzeit Erfurt hatten oder lediglich ein Symptom darstellen. Beweise gibt es bisher keine stichhaltigen und sämtliche Studien ergeben widersprüchliche Aussagen. Das derzeit wieder einmal vehement geforderte Verbot von so genannten Killerspielen ist jedenfalls keine Lösung, wenn die Ursachen in sozialen Bereichen liegen. Möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich ist, dass „Killerspiele“ bei ohnehin labilen und gestörten Menschen fatale Auswirkungen haben könnten, jedoch ist auch in diesem Fall nicht das Spiel die eigentliche Ursache, sondern nur ein Symptom oder ein begleitender Faktor. Werden „Killerspiele“ verboten, wird das wohl höchstens zur Folge haben, dass ein anderer Faktor zum Tragen kommt.

Diskussion um Killerspiele
'Postal 2' – in Deutschland sofort indiziert.
Klar ist Jugendschutz ein wichtiges Thema, aber die Verantwortung dafür allein dem Gesetzgeber in blindem Aktionismus zu überlassen, kann nicht der richtige Weg sein. Zumal Verbote wenig nutzen – wer "Killerspiele" wirklich will, findet auch Wege, an selbige heranzukommen, genau wie die Amokläufer auch Mittel und Wege gefunden haben, sich Waffen zu beschaffen oder gar Bomben nach Anleitung zu basteln – und der Reiz des Verbotenen ist nicht zu unterschätzen. Viel wichtiger ist es, die eigentlich Verantwortlichen im Bereich des sozialen Umfelds dazu zu bringen, die ausreichend vorhandenen Vorgaben einzuhalten und zu kontrollieren und gegebenenfalls helfend einzugreifen. Die Vermutung liegt jedenfalls nahe, dass sowohl Erfurt als auch Emsdetten hätten vermieden werden können, wenn die Täter nicht durch äußere Umstände, Unwissen und Hilflosigkeit im sozialen Umfeld in die Isolation getrieben worden wären.

Auch G. A. M. E., der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen, hat sich mittlerweile zu den Anschuldigungen seitens Politik und Medien geäußert und sieht die Ursachen ebenfalls im sozialen Umfeld: „Computer- und Videospiele sind nicht die Ursache für diese Tat. Das bestätigen viele aktuelle Aussagen von Experten, Psychologen und Pädagogen in der Presse. Vielmehr geht es um die Sorgen und Nöte einer Generation jugendlicher Menschen, die in Familie, Schule, Beruf und Gesellschaft offensichtlich zu wenige Möglichkeiten für Selbstbestätigung, Anerkennung und Hilfe im Krisenfall finden.“

Erschreckend ist aber auch der inkompetente Umgang einiger Journalisten mit der Thematik, die prompt ins gleiche Horn blasen wie die Politiker, dabei aber ganz offenkundige Unkenntnis zeigen. Ein Beispiel: In einem Artikel bei Welt.de outet sich die Autorin, in dem aus 'Grand Theft Auto' ein 'Auto Theft' wird mit hanebüchener Beschreibung des angeblichen Spielinhalts - Blut ist in der deutschen Version des Spieles gar nicht vorhanden. Die Krönung: "die Gesellschaft drückt in diesem Verbot ihre Missbilligung des widerlichem pornografischen und mörderischen Zeitvertreibs aus - genau wie sie es bei Leugnung des Holocaust auch tut". Bei solchen Äußerungen muss man sich fragen, wie solche Autoren überhaupt an ihren Job als Journalist gekommen sind.

Trotz aller schlechten Beispiele gibt es aber auch sachliche und durchaus kompetente Texte zu dem Thema, die durchaus auch Gründe für den Amoklauf in anderen Bereichen suchen. Hier eine kleine Linksammlung für Interessierte, wobei in der Auswahl sowohl einseitige als auch neutralere Artikel vertreten sind:

Links zu den Artikeln bei Spieleseiten:

Gamesmania - http://www.gamesmania.de/specials/einzeln/14024/

Krawall - http://www.krawall.de/news.php?s=c&news_id=22782

Gamona - http://www.gamona.de/article/detail/id-tickende_zeitbomben_oder_friedliche_spie_176772.htm

4players - http://www.4players.de/4players.php/dispnews/PC-CDROM/Aktuelle_News/59879.html

Links zu diversen News-Seiten:

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6112564_NAV_REF1,00.html

http://www.taz.de/pt/2006/11/22/a0125.1/text

http://www.taz.de/pt/2006/11/22/a0121.1/text

http://www.game-bundesverband.de/reloaded/index.php?site=1&news=64

http://www.zeit.de/online/2006/47/Interview-Bergmann?page=1

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,449843,00.html

http://www.zeit.de/online/2006/47/Emsdetten-Kommentar

http://www.zeit.de/online/2006/47/emstetten-computerspiele

http://www.zeit.de/online/2006/47/Amoklauf-Taeter

http://www.welt.de/data/2006/11/22/1119638.html

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6113434_REF1_NAV_BAB,00.html

http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/11/21/amoklauf-schule-emsdetten/hg-abschiedsbrief.html

http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/473/92381/

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