Test - Drawn to Death : Brutal und kostenlos: Wie gut ist der stylische PS4-Shooter wirklich?

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Wer den Namen des Spieldesigners David Jaffe hört, muss unweigerlich an Actionspiele wie Twisted Metal oder God of War denken. Immerhin war er die treibende und vor allem kreative Kraft hinter diesen beiden Serien. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit, als er mit seinem neuen Studio The Bartlet Jones Supernatural Detective Agency (fortan als Bartlet bezeichnet) den Arena-Shooter Drawn to Death exklusiv für die PlayStation 4 ankündigte. Allerdings stellt sich die Frage, ob Jaffe das hohe Niveau seiner früheren Werke nochmals erreichen kann. Dem sind wir auf den Grund gegangen.

Ein Held zieht mit dicken, teils abgedrehten Waffen durch die Gegend, lässt bei seinen Feinden keinerlei Gnade walten und sie sogar in riesigen Blutfontänen das Zeitliche segnen. Wer sich jetzt an God of War erinnert fühlt, liegt gar nicht mal so falsch. Hinter beiden Spielen steckt der Spieldesigner David Jaffe, der für seine ebenso skurrilen wie brachial-gewaltigen Ideen bekannt ist. Eigentlich also die idealen Voraussetzungen für einen Shooter, nicht wahr?

Wenn Zeichnungen das Schießen lernen

Schon das Szenario von Drawn to Death zeigt die Handschrift von Jaffe ziemlich deutlich. Anstatt sich eines von vielen abgedroschenen Szenarien zu bedienen, findet das Spielgeschehen im Notizblock eines Teenagers statt. Entsprechend habt ihr es nicht mit mehr oder weniger realistischen Charakteren zu tun, sondern mit handgezeichneten Figuren, die einer Kritzelei in einem Notizbuch entsprungen scheinen. Sie versprühen einen ganz besonderen Charme, der irgendwo zwischen Surrealität und total abgedrehtem Scheiß liegt.

Da gibt es beispielsweise den rattenköpfigen Alan, der seine Gegner mit einer Kettensäge angreift – bei Bedarf auch aus der Distanz. Oder aber den punkerähnlichen Johnny Savage, der seine Gitarre nicht nur zum Musizieren verwendet, sondern damit auch feurige Dämonen herbeiruft. Zudem gibt es Klingen verschießende Schrotflinten oder Leichen spuckende Särge. Alles ziemlich abgedreht, nicht wahr? Kombiniert man das mit dem hohen Gewaltgrad  – es gibt reichlich Blut zu sehen – sowie dem skurrilen Grafikstil, entsteht eine ebenso seltsame wie reizvolle Atmosphäre. Irgendwie. Das Ganze hat etwas vom Schockhumor eines South Park gepaart mit der exzessiven Gewalt eines God of War. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, ist aber immerhin konsequent im Spiel umgesetzt.

Nichts für Solisten

Wir haben es also mit verrücktem Design zu tun - doch wie ist es um das Gameplay von Drawn to Death bestellt? Immerhin ist es relativ einfach, mittels eines skurrilen Grafikstils aufzufallen – das Spiel dahinter muss allerdings auch funktionieren. Eines gleich vorweg: Drawn to Death bietet keinen Einzelspielermodus im eigentlich Sinn. Wer nach einer Kampagne, einer Story oder ähnlichen Elementen sucht, sollte lieber keinen Gedanken an den Shooter verschwenden. Ja, es gibt eine Art Trainingsbereich. Allerdings dient der hauptsächlich dazu, euch mit den grundlegenden Spielmechaniken vertraut zu machen – das war es aber auch schon.

Der Fokus liegt ganz klar auf den Multiplayer-Arena-Partien für bis zu vier Spieler. Die treten in mehreren Schauplätzen gegeneinander an und lassen es ordentlich krachen. Dank der Vielfalt an Charakteren samt deren individuellen Fähigkeiten sowie den Eigenheiten der Arenen ist das zumindest in der Anfangsphase recht unterhaltsam.

Ihr ahnt es sicherlich schon: Es folgt ein dickes „Aber“. Denn was sich auf dem – Achtung, Wortspiel – Papier noch recht abwechslungsreich und spannend anhört, leidet in der Praxis unter einigen grundlegenden Macken. Das fängt bereits bei der Steuerung von Drawn to Death an: Ständig hatten wir während unserer Testpartien das Gefühl, dass sich die Charaktere etwas träge durch die Arenen bewegen. Vor allem beim Kampf in der Vertikalen beziehungsweise in der Luft hätten wir uns eine weniger schwammige Kontrolle der Figuren gewünscht. Für einen Arena-Shooter ist das Gift, denn Spiele dieser Art leben vor allem von einem möglichst hohen Tempo und dem damit verbundenen Fluss des Geschehens. Es gibt diesbezüglich wahrlich schlimmere Beispiele auf dem Shooter-Markt, doch Drawn to Death verschenkt hier unnötigerweise einiges an Potenzial.

Drawn to Death - Characters & Content Trailer
In diesem Trailer bekommt ihr neue Charaktere und weitere Inhalte aus Drawn to Death präsentiert.

Shooter kommt aus der Balance

Selbiges gilt auch für das Balancing. So verfügen die Charaktere allesamt über ein zu großes Polster an Lebenspunkten. Die etwas nervige Konsequenz: Es dauert, an Genrestandards gemessen, eine Ewigkeit, bis die Gegner trotz Dauerbeschuss das Zeitliche segnen. Das wirkt sich wiederum auf den bereits einige Zeilen zuvor kritisierten Spielfluss aus. Zudem nimmt es den optisch brachial inszenierten Waffen etwas von ihrer gefühlten Durchschlagskraft. Was nützt mir ein Raketenwerfer, wenn es unzähliger Treffer bedarf, um die Kontrahenten endlich aus den Latschen zu schießen?

Trotzdem gibt es einige Waffen, die deutlich überlegen sind und somit das Gleichgewicht arg ins Wanken bringen. Selbst weniger geschulte Shooter-Spieler werden schnell herausfinden, dass unter anderem der Star-Laser ziemlich heftig ist. Erschwerend kommt hinzu, dass es bei einigen Charakteren deutlich weniger auf das Können des Spielers ankommt als bei anderen. Der eingangs erwähnte Johnny Savage beziehungsweise ein Großteil seiner Angriffe verlangen ein relativ hohes Maß an Präzision, während andere Figuren sehr viel einfacher zu handhaben sind – und somit schneller zu Erfolgen führen.

Ebenso überraschend wie nervig ist, dass Drawn to Death keinen lokalen Multiplayer-Modus bietet. Die Spieleranzahl ist auf vier Teilnehmer beschränkt, sodass sich eine Splitscreen-Variante geradezu aufdrängt, jedoch lediglich mit Abwesenheit glänzt.

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