Test - Driving Emotion Type S : Driving Emotion Type S

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Ein richtig ordentliches Rennspiel mit 'Gran Turismo'-Flair ist auf der PlayStation 2 bisher nicht erschienen und der Release von 'Gran Turismo 3' wird noch ein halbes Jahr auf sich warten lassen. Doch gerade in diesem Moment bringt Electronic Arts einen Renntitel auf den Markt, der formal gesehen gleichwertig sein könnte. JSD hat sich ans Steuer von Squaresofts erstem Rennspiel überhaupt gesetzt und geprüft, ob 'Driving Emotion Type-S' wirklich hält, was es verspricht.

Ursprünglich sollte der Titel ja bereits im November zum 'PlayStation 2'-Launch erscheinen. Doch das Spiel wurde in Sachen Steuerung für Europa nochmals überarbeit. Hintergrund dieser Massnahme ist wohl die Tatsache, dass der Titel in Japan eher durch Unspielbarkeit glänzte. Für den Europa-Release versuchte man, diese Schwäche so gut wie es ging auszumerzen.

'Driving Emotion Type-S' ist das erste Rennspiel aus dem Hause Squaresoft und hält sich an die üblichen Standards. Ihr dürft euch an das Steuer bekannter Sportwagen renommierter Automarken wie zum Beispiel Alfa Romeo, BMW, Ferrari, Honda, Mazda oder Porsche setzen. Doch wie so oft stehen anfangs nur wenige der Edelkarossen zur Auswahl. Ob ihr die restlichen Fahrzeuge jedoch überhaupt frei spielen möchtet, wage ich zu bezweifeln.

Driving Emotion Type S
Das Hauptmenü ist recht schlicht gestaltet.

Der Hauptbildschirm offenbart euch alle Spielmodi, die da wären: 'Arcade', 'Spurtraining', 'Time Attack', sowie ein Zwei-Spieler-Modus. Einen klassischen Championship-Modus bleibt euch demnach vorenthalten. Zunächst einmal solltet ihr euch mit dem 'Time Attack'-Modus begnügen. Hier gehört euch die Fahrbahn allein und nur ein Ghost-Car kann aktiviert oder von der Speicherkarte eingeladen werden. In diesem Modus müsst ihr euch noch nicht mit den skrupellosen Rivalen auseinandersetzen und könnt euch völlig auf die Steuerung beziehungsweise dem Fahrverhalten der Fahrzeuge konzentrieren.

Im Handbuch wird euch die ultimative, realistische Fahrerfahrung versprochen. Doch dem wage ich zu widersprechen. Denn bei einem Tempo von lediglich 130 km pro Stunde besitzt ihr nicht mehr die völlige Kontrolle über die Fahrzeuge. Bereits dann drohen die Fahrzeuge auszubrechen. Da Strecken bekanntlich nicht aus langen Geraden bestehen, werdet ihr früher oder später auf eine Kurve stossen. Und dann lernt ihr das Problem von 'Driving Emotion Type-S' kennen. Anfänger landen sofort am Strassenrand, da die Zentrifugalkraft abgeschafft wurde. Der Wagen bricht kompromisslos aus. Ein kontrolliertes Gleiten wie bei 'Gran Turismo' ist folglich nicht möglich. Die einzig wirklich brauchbare Fahrtechnik ist es, vor der Kurve abzubremsen und am Scheitelpunkt wieder Gas zu geben. Die zuschaltbare Steuerhilfe versucht anschliessend das Fahrzeug wieder auf die rechte Spur zu bringen und schwenkt einige Male von links nach rechts und umgekehrt, damit sie es erreicht. Ohne Hilfe dürft ihr den Part selber übernehmen und manuell gegensteuern. In der Praxis klappt es aber nicht. Ihr steuert entweder nicht stark genug oder zu stark dagegen und schwenkt von links nach rechts. Realistisch nenne ich das nicht. Das Problem liegt darin, das sich nicht die Räder nach der Richtung bewegen, die ihr kurz drückt, sondern das komplette Fahrzeug. Das Resultat ist ein schlitterndes Fahrzeug, welches sich wie auf glattem Eis fortbewegt.

Driving Emotion Type S
Alle Fahrzeuge des Spiels sind von bekannten Herstellern.

Mit der Fahrhilfe und viel Training bleibt Squaresofts Rennspiel noch im Bereich des Spielbaren. Fühlt ihr euch gut genug, dann könnt ihr gegen einen menschlichen Gegner antreten oder die Kurventechnik im 'Spurtraining' verbessern. Falls ihr aber richtig mutig seid, dann spielt den Arcade-Modus gegen fünf computergesteuerte Gegner. Diese stellen ein zusätzliches Problem dar. Ihr seid jetzt nicht nur mit der Steuerung beschäftigt, sondern versucht noch den Attacken der Gegner auszuweichen. Bei Kontakt verliert ihr die Kontrolle über das Fahrzeug und seid ganz schnell wieder auf dem hintersten Platz. Eine Berührung hat somit 'tödliche' Folgen für euch. Ein Fehler und ihr könnt den ersten Platz vergessen. Nur ein perfektes Rennen reicht aus, um auch zu siegen. Spass hat es mir jedenfalls nicht gemacht.

Driving Emotion Type S
Zunächst einmal müsst ihr die Steuerung üben.

Und daher bringt es auch nichts, dass es eine Werkstatt gibt, wo ihr noch ein wenig tunen und andere Fahrzeuge wählen könnt. Dort könnt ihr nämlich nach Antriebsart oder Fahrzeughöhe eure Wagen gekonnt aussortieren. Habt ihr euch für einen entschieden, könnt ihr die Farbe und Felgen ändern, aber auch die Federrate, Dämpfungsrate und den Bodenabstand bezüglich der Radaufhängung ändern und euch die Bremsen, Stabilisatoren und Getriebeeinstellungen auf eigene Bedürfnisse zuschneiden. Diese haben sogar eine Auswirkung auf das Fahrverhalten, auch wenn dadurch nichts mehr zu retten ist.

Driving Emotion Type S
Eine gewisse Anzahl an Tuning-Optionen stehen zur Verfügung.

Neben der dürftigen Steuerung kommt auch eine dürftige technische Umsetzung hinzu. Das Spiel selbst schaut wie ein sehr gut gefiltertes PSone-Game aus. Die Grafik bleibt so weit hinter den Erwartungen zurück. Die Strecken sind nicht sehr detailliert dargestellt und Animationen sucht ihr weitestgehend vergeblich. Die Strecken wirken steril und leblos. Lediglich einige Sonnenblendeffekte gibt es zu bewundern, doch das reicht natürlich nicht aus. Gespielt wird aus verschiedenen Perspektiven. Die Cockpit-Perspektive irritiert allein durch die Tatsache, dass sich das Steuerrad auf der rechten Seite befindet. Probleme beim Spielen gibt es dadurch nicht, aber zusätzlich ist die Sicht durch die Scheibe verdunkelt und einige Spiegeleffekte erschweren die Sicht, so dass die Ansicht vor dem eigentlichen Wagen, die bessere Alternative darstellt. Ausserdem gibt es noch eine etwas weiter entfernte Ansicht, wobei ihr den Wagen von schräg oben herab betrachten dürft. Hier wird aber das Fahrgefühl für den Wagen noch weiter verfälscht und die Fahrzeuge sehen dazu noch unschön aus. Es reicht schon, wenn ihr im Replay die Fahrzeuge von aussen betrachten müsst. Auch die musikalische Gestaltung widmet sich dem Mittelmass. Diese ist ziemlich japanisch angehaucht und gefiel mir nicht - sie nervte sogar nach einiger Spielzeit. Leider kann die Musik nur im Rennen ausgeschaltet werden, im Menü summt sie dennoch vor sich hin.

 

Fazit

von Jan Krause
Es ist ziemlich schwer, 'Driving Emotion Type S' überhaupt etwas neutrales abzugewinnen. Squaresofts erstes Rennspiel fordert wirklich sehr viel Einsatz und guten Willen von euch. Die Steuerung ist miserabel und ohne Hilfen gar nicht zu geniessen. Auch wenn für das Europa-Release noch versucht wurde, dies im Rahmen des Möglichen zu ändern. Die technische Gestaltung hinkt sogar etlichen Dreamcast-Titeln hinterher und wirkt altbacken. Da nützen auch die realen Fahrzeuge und Strecken nichts. Das Spiel wird binnen weniger Stunden im Regal landen und verstauben.  

Wertung

  • PS2
    59
    %

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