Preview - Spiel der Woche 44/04: EverQuest 2 : Spiel der Woche 44/04: EverQuest 2

  • PC
Von Kommentieren
Von Geburt an gut oder böse?

Einschränkungen bei der Klassenwahl bezüglich der gespielten Rasse findet man bei 'EverQuest 2' interessanterweise nicht. Welche der 16 Rassen ihr spielt, entscheidet vielmehr darüber, ob ihr der guten oder bösen Fraktion angehört und in welcher der Städte Queynos oder Freeport ihr eure Bude beziehen könnt. Einige Rassen dürfen aber ihre Gesinnung zu Beginn frei wählen. Habt ihr es euch später aber anders überlegt, könnt ihr Aufträge der feindlichen Stadt annehmen, um dort das Bürgerrecht zu erwerben. Auch während der ersten Orientierungsphase in den Vororten der Hauptstädte hilft euch das Tutorial wieder ausgesprochen gut weiter und schon bald werdet ihr im Besitz des begehrten Aufenthaltsrechts sein. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, auf seinem Weg im virtuellen Leben verloren zu sein, denn kaum hat man sich häuslich niedergelassen, beginnen die klassenspezifische Ausbildung und die dazugehörigen Quests.

Bei den Quests hat man sich auch etwas Neues einfallen lassen. Neben den herkömmlichen Standardaufgaben 'Töte Monster X, nimm ihm Gegenstand Y ab und bring diesen zu Z' werden euch auch Entscheidungen abverlangt, ob es zum Beispiel wirklich zu einem Kampf kommen muss, denn die wahre Gesinnung des Gegenübers könnte eine ganz andere sein. Die Kämpfe selbst laufen in genreüblicher Manier ab. Veteranen werden bemerken, dass diese deutlich interessanter verlaufen: Spezielle Attacken oder die verschiedenen Zauber lockern dabei das Geschehen auf und sehen auch optisch sehr beeindruckend aus. Es gilt aggressive von schüchternen Kreaturen zu unterscheiden und Gegner, die sich nur in der Überzahl etwas trauen, zu erkennen. Die beliebte Tradition so genannter Raids will man auch in der Fortsetzung wieder pflegen. 'Epic Encounters' werden in Instanzen, eigens generierten Zonen für einzelne oder mehrere Gruppen, gespielt werden können.

Ein MMORPG lernt sprechen

Eines der auffälligsten Features von 'EverQuest 2' ist mit Sicherheit die Komplettvertonung der NPCs, die es in einem MMORPG überhaupt zum ersten Mal zu hören geben wird. Im US-Beta-Test sind diese auch zum Großteil bereits implementiert und machen einen hervorragenden Eindruck bezüglich der Qualität der Sprecher. Jedes Lebewesen, mit dem man kommuniziert, vermittelt so zusätzlich zu seinem Text eine noch tiefere Spielatmosphäre. Auch die deutsche Version, die inklusive der Sprachausgabe lokalisiert wird, hat zum Zeitpunkt des Previews schon die ersten Voiceover in deutscher Sprache erhalten und kann sich mit kleinen Abstrichen durchaus mit dem Original messen. Unfreiwillig komisch wirkende Patzer in der Übersetzung müssen aber unbedingt noch ausgebügelt werden. Da der Release in Europa zeitgleich mit der US-Version angestrebt wird, werden nach und nach die fehlenden Sprachpakete per Patches nachgereicht.

Rücksichtnahme auf Augen, Ohren und die Finger

Auch grafisch kann der Fantasy-Titel mit der aktuellen Konkurrenz locker mithalten. Die verschiedenen Rassen werden lebendig animiert und man spürt die Eigenheiten des gespielten Charakters: Ein Oger stapft etwas plump durch die Gegend, während eine Waldelfin flink an einem vorbeihuscht. Besonders in den Hauptstädten erkennt man die Details der Umgebungsgrafik: Die Gebäude und örtlichen Eigenheiten wirken fast wie gemalt. Die Möglichkeit, das Spiel im Fenstermodus, 16:9-Format oder Vollbild laufen zu lassen, lässt Raum für eigene Vorlieben. Das positive Erscheinungsbild wird denn auch vom angenehmen, mittelalterlich inspirierten Fantasy-Sound und imposanter Kampfmusik begleitet.

Gesteuert und interagiert wird in 'EverQuest 2' wie üblich mit einer Kombination aus Maus und Tastatur und der gewohnten MMORPG-Hotbar. Dabei wirken das Interface, das Chatsystem und geöffnete Fenster aufgeräumt und das, was gerade gebraucht wird, kann schnell sichtbar auf den Monitor gezaubert werden. Zügellose Klickorgien und gerötete Augen auf der Suche durch zu viele Untermenüs bleiben den Spielern somit erspart. Durch die Optionsvielfalt bei den Spieleinstellungen lässt sich dieser Titel sehr gut auf die Leistung des heimischen Rechners anpassen. Gerade für Anfänger erweisen sich die Extrainformationen zu Waffen, Gegenständen und Fertigkeiten als äußerst nützlich, um deren Nutzen schneller zu verstehen.

Fazit

von Stephan Lindner
Blizzard darf sich warm anziehen, denn Sony schickt mit 'EverQuest 2' einen harten Herausforderer auf das Schlachtfeld der interessantesten neuen MMORPGs. Nicht zuletzt aufgrund der immensen Erfahrung, die man in diesem Genre mit dem ehrwürdigen Vorgänger sammeln konnte, setzt man genau dort an, wo 'World of WarCraft' wohl am verwundbarsten ist. Dabei meine ich nicht die grafische Pracht und die erstmals komplett vertonten Dialoge, sondern die bereits gut entwickelte Individualität: Die vielen spielbaren Völker und das ausgefeilte Klassensystem mit Archetypen und den weiteren Spezialisierungsstufen, die zig verfeinerte Berufe ermöglichen, lassen jetzt schon auf einen höchst interessanten Titel hoffen und werden den bereits ungekrönten König mit Recht noch mal gehörig ins Schwitzen bringen. Zudem sollten sich gerade völlige Anfänger 'EverQuest 2' aufgrund des sehr gut realisierten Tutorials und des kinderleichten Interfaces unbedingt vormerken.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel