Test - Fantavision : Fantavision

  • PS2
Von Kommentieren

Gehört ihr auch zu den Leuten, die zu jeder Nationalfeier und Silvesterparty voller Begeisterung teures Feuerwerk in den dunkle Nachthimmel schiessen? Wenn dem so ist, dürfte Sonys Puzzlespiel 'Fantavision' genau das Richtige für euch sein. Hier feuert ihr Tausende von mächtigen Raketen ab. Die Grafikpower der PlayStation 2 stellt dabei sicher, dass aus der Mischung aus Geschicklichkeit, Hektik und strategischem Vorgehen kein Blindgänger wird. Doch ist der Titel auch spielerisch ein echter Knaller?

All die Feuerwerksfreaks können sich freuen, denn mit 'Fantavision' präsentiert Sony ein Spiel, in dem ihr viele spektakuläre Raketen abfeuern dürft. Dabei wäre eine einzige solche Rakete in Wirklichkeit wahrscheinlich teurer als das ganze Spiel, das interessanterweise auf einer DVD ausgeliefert wird. Schon der Name 'Fantavision', eine Mischung aus Fantasie und Vision, deutet darauf hin, dass die Entwickler etwas neues programmieren wollten, das alle ansprechen sollte, die mal was anderes als immer nur Rennspiele und Beat-'em-ups spielen wollen.

Nach der Auswahl der Sprache (Deutsch ist vorhanden) kommt ein Intro. In diesem erwarten euch aber nicht etwa Spielausschnitte oder eine abstruse Hintergrundstory, sondern es werden seltsame Realszenen im abgefahrenen Sechzigerjahre-Deco gezeigt. Ein kleines Mädchen sitzt gelangweilt vor einem leeren Hintergrund, als plötzlich ein fröhlicher Postbote daherkommt und dem Mädchen ein grosses flaches Paket überreicht, worauf die Kleine voller Freude strahlt. In der nächsten Szene sitzt dann die ganze glückliche, furchtbar nett angezogene Familie auf dem Sofa, während die beiden kleinen Kinder auf ein PS2-Pad eindrücken. Schlussendlich richtet sich der Blick im Wohnzimmer auf einen alten, im grässlichsten Sechzigerjahre-Look gestaltete TV, auf dem Fantavision läuft. Noch völlig verwirrt, was dieses Intro einem jetzt eigentlich sagen will, erblickt ihr das Spielmenü. Hier könnt ihr euch gleich via 'Game Start' in die Action stürzen, im 'Replay' eure abgespeicherten Erfolge noch einmal in Ruhe geniessen, euch unter dem Menüpunkt 'Rules' die Spielregeln erklären lassen oder in 'Options' das Spiel euren Wünschen anpassen.

Fantavision
Juhu, der Postbote bringt ein grosses 'Fantavision'-Paket!

Leider ist das 'Options'-Menü nicht gerade sonderlich umfangreich geraten. Ihr könnt lediglich den Sound konfigurieren, die 'Rumble'-Funktion ein- und ausschalten, den Feuerwerks-Verzögerungseffekt einstellen und euch die Namen der Programmierer ansehen. Natürlich dürft ihr den Spielstand auf eurer Memory-Card abspeichern oder einen schon vorhandenen Spielstand laden.

Erfreulicherweise wurde der 'Rules'-Modus umfangreicher gestaltet. Hier wird euch in fünf Schritten das Spielprinzip erklärt. In der ersten Lektion erfahrt ihr die einfachen Basisregeln, in der zweiten, dritten und vierten Lektion werden euch die Bonus-Items, die Technik mit dem Verlinken von mehreren Feuerwerksketten und das Extralevel 'Starmine' nähergebracht. Im fünften und letzten Abschnitt erfahrt ihr mehr über die Besonderheiten des '2 Player Versus'-Modus. In diesen Lernschritten habt ihr selbst nichts zu tun. Eine sympathische Stimme erläutert die verschiedenen Punkte, während diese in aller Ruhe auf dem Bildschirm dargestellt werden.

Fantavision
Die glückliche Familie vor der PS2 versammelt.

Der Hauptmodus ist unter 'Game Start' zu finden. Hier wählt ihr zunächst einen der beiden Schwierigkeitsgrade im Einspieler-Modus oder startet ein '2 Player Versus'-Spiel, wobei ihr davor noch optional ein Handicap einstellen könnt, damit ein 'Fantavision'-Neuling auch gegen einen erfahrenen Spieler eine Chance hat.

Im 'Single Player' gelangt ihr ohne Umschweife ins Game. Die Kamera fährt dabei gleichmässig einen vorgegebenen Weg durch die nächtliche Stadt. Ihr fahrt vorbei an Wolkenkratzern, befahrenen Highways, malerischen Stränden, beeindruckenden Brückenbauten und beobachtet beispielsweise ein startendes Flugzeug oder einen vorbeischwimmenden Luxusliner. Während dieser Weg also im Hintergrund absolviert wird, werden ständig Salven von etwa vier verschiedenfarbigen Feuerwerksraketen in den Nachthimmel geschossen. Um die leuchtenden Punkte explodieren zu lassen, müsst ihr nun mindestens drei Knaller der gleichen Farbe miteinander verbinden, bevor diese nach einer gewissen Zeit verglühen. Verpasst ihr ein Feuerwerk zu zünden und erlischt sie, zieht euch das Energie ab; ist eure Energie-Anzeige leer, setzt starker Regen ein und es heisst 'Game Over'. Eingefangen werden die noch nicht explodierten Raketen mit dem kleinen Kreis-Cursor. Bewegt ihr den linken Analog-Stick eures Joypads, geht ein weisser Strahl vom Kreis aus. Trefft ihr mit diesem Strahl eine verbindbare Rakete, wandert der Cursor zu dieser, womit ihr dann aus der neuen Position den nächsten Böller einzufangen versucht.

Wie schon erwähnt müssen mindestens drei Raketen der gleichen Farbe miteinander verbunden werden. Des weiteren gibt es Feuerwerk, das in allen Farben leuchtet und so quasi als Joker mit allen Sorten von Raketen verknüpft werden kann. Habt ihr diese Technik im Griff, könnt ihr mit etwas Übung mehrere Ketten mit verschiedenen Farben zusammenhängen und dann mit Druck auf die 'Kreis'-Taste gleichzeitig zur Explosion bringen. Einige der gezündeten Raketen hinterlassen nach ihrer Explosion verschiedene Bonus-Items, die wie normale Raketen verlinkt werden können. Ein 'B'-Symbol gibt euch mehr Punkte und 'E' mehr Energie. Sammelt ihr alle Buchstaben des Wortes 'Starmine' ein, öffnet sich der Eingang zu einer Bonusrunde, in dem ihr versuchen müsst möglichst viele Raketen in kurzer Zeit einzufangen und zu zünden. Nach Ablauf der 30 Sekunden werdet ihr wieder in den normalen Level zurückgeschickt. Habt ihr dies bis zum Schluss durchgestanden, wird abgerechnet und ihr gelangt in den nächsten Level, wo euch ein anderes Szenario erwartet. Beispielsweise verlasst ihr schon bald die Erde und geht im Weltraum auf Feuerwerksjagd. Am Schluss jeder Stage werdet ihr gefragt, ob ihr den gerade gespielten Abschnitt als Replay speichern wollt, um die Grafik später nochmals in Ruhe zu geniessen. Seid ihr in beiden Schwierigkeitsgraden erfolgreich, schaltet ihr neue Levels und versteckte Optionen frei.

Fantavision
Das Feuerwerk erhellt den nächtlichen Himmel.

In der Theorie hört sich das Spielprinzip von 'Fantavision' sehr komplex an. In der Praxis läuft es dann meistens so ab, dass das Spiel schon nach kurzer Zeit in Hektik ausbricht und man mit raschem Herumgedrücke auf den Knöpfen auch zum Ziel kommt. So geht leider der zweifellos vorhandene strategische Ansatz oftmals unter. Ausserdem fällt dem Spieler schon bald auf, dass 'Fantavision' ziemlich kurz ist und nicht gerade sonderlich abwechslungsreich. Es gibt weder viel unterschiedliches Feuerwerk, noch motivierende Bonusspiele.
Noch hektischer ist der '2 Spieler'-Modus. Hier teilt ihr euch mit einem Partner das Feld. Eine Linie teilt das Gebiet in zwei Hälften, die jeder Spieler für sich hat. Hier gibt es einige zusätzliche Bonusgegenstände. So könnt ihr beispielsweise euer Feld vergrössern und damit dem Gegner Raketen wegschnappen, der aber dann mit einem anderen Item gleich die beiden Felder austauschen kann. Derjenige Spieler, der zuerst 600 Punkte erreicht, gewinnt die Runde.

Besonders Wert wurde in 'Fantavision' auf die Replays gelegt. Hier könnt ihr eure Siege nochmals in Ruhe begutachten. Dabei habt ihr die Möglichkeit, mittels unzähligen Einstellungen dies noch spektakulärer zu gestalten, als es schon ist. So schaltet ihr nach Belieben Schnee oder Regen hinzu, wechselt zwischen vielen verschiedenen Kameraperspektiven und schaltet einige Spezialeffekte wie 'Blurring' (die Explosionen erscheinen verschwommen) oder Nachleuchten ein.

Fantavision
Mit etwas Übung gelingen euch spektakuläre Ketten.

In diesem Modus erkennt man erst, wie gut die Grafik von 'Fantavision' überhaupt ist. Gerade in Nahaufnahmen von grossen Explosionen schwirren Hunderte von eigenständigen dreidimensionalen Leuchtpartikeln durchs Bild, während im Hintergrund eine lebendige nächtliche Stadt (oder ein detailliertes Weltall) mit extravaganten Bauten, beleuchteten Häusern und sich bewegenden Fahrzeugen wie Autos und Flugzeuge zu sehen sind. Schaltet man dazu im Replay noch einige Effekte hinzu, wird die während dem normalen Spiel eher unspektakulär wirkende Grafik zu einem beeindruckenden Highlight, das man in dieser Form noch auf keiner Konsole gesehen hat.

Der Sound hingegen kann nicht überzeugen. Die Musikstücke dudeln im Hintergrund fast schon unangenehm vor sich hin. Wieso man so eine nervende Mischung aus Schlagermelodien, Kinderliedchen und Dance fabrizieren musste, bleibt wohl ein Rätsel. Die Soundeffekte klingen mit den realistischen Feuerwerksexplosionen nicht schlecht, langweilen einen aber schon nach ein paar Runden. Nichts zu bemängeln gibt es hingegen an der sauberen Sprachausgabe im Tutorial.

 

Fazit

von David Stöckli
'Fantavison' konnte mich nicht so recht begeistern. Dazu fehlt dem an sich originellen Spielprinzip die nötige Tiefe. Allzu schnell gerät die unterhaltsame Idee in ein chaotisches und hektisches Szenario, in dem statt Strategie nur noch das hektische Drücken von Knöpfen zum Ziel führt. Der viel zu geringe Umfang und die grässliche Sounduntermalung tragen ihr übriges dazu bei, dass 'Fantavision' in mittelmässige Wertungsregionen abdriftet. Die vor allem in den Replays äusserst sehenswerte Grafik kann da auch nicht mehr viel retten. So empfehle ich das Spiel höchstens Feuerwerks-Fans, die grosszügig über das oberflächliche Gameplay hinwegsehen können.  

Wertung

  • PS2
    61
    %

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel