Test - Far Cry : Wo das Paradies endet

  • PC
Von Kommentieren

'Wo das Paradies endet und die Hölle beginnt' – so bewirbt Ubisoft derzeit den Shooter 'Far Cry', entwickelt vom heimischen Studio Crytek. Für den Helden des Spieles trifft dieser Spruch auch durchaus zu, aber für den Spieler ist es eher umgekehrt, denn Jack Carvers persönlicher Höllenritt entpuppt sich als paradiesisches Spielvergnügen. Warum es Cryteks Erstlingswerk schafft, die Messlatte für künftige Shooter ordentlich nach oben zu schubsen und welche Mankos das Spiel beinhaltet, erfahrt ihr in unserem Review.

Segeltrip mit Hindernissen
Eigentlich hätte es für Jack Carver ein angenehmer Trip werden können – eben mal eine hübsche Journalistin im Segelboot zu einer einsamen Insel schippern, klingt mehr als verlockend. Doch als Willkommensgruß im Paradies unter Palmen fliegen Jack Raketen entgegen, die sein Schiffchen versenken, ihn von der jungen Dame trennen und ihn beinahe das Leben kosten. Klar, dass Jack nicht besonders erfreut ist, zumal an ein Wegkommen nicht zu denken ist und zudem massenweise Söldner auf der Insel herumlungern, was die ganze Angelegenheit zu einem Kampf ums nackte Überleben werden lässt.

Soweit so gut, doch Jack hat einen heimlichen Beobachter namens Doyle, der ihn über die eigentlichen Hintergründe des Angriffs und des Söldnertreibens aufklärt. Auf der Insel treibt nämlich ein durchgeknallter Wissenschaftler namens Krieger sein Unwesen, dieser beschäftigt sich ausführlich mit Gen-Manipulationen am lebenden Wesen. Viel Arbeit also für Jack, der nur eine Chance hat, die Insel wieder lebend zu verlassen, nämlich indem er die Journalistin wieder findet und sich gegen Krieger und seine Mannen stellt. Doch bis dahin warten noch so einige böse Überraschungen auf den Helden im Hawaii-Hemd – tödliche Überraschungen, denn die Menschen auf der Insel sind nicht seine einzigen Feinde.

OK, die Story von 'Far Cry' strotzt nicht gerade vor Originalität, bietet aber immerhin einen brauchbaren Hintergrund für das folgende Action-Gewitter. Als Spieler erhaltet ihr zu Beginn einen Einstieg in Form eines stylischen Intros, weitergetrieben wird die Story durch Dialoge per Handy mit Doyle sowie diverse Zwischensequenzen. Doyle übermittelt euch auf diesem Wege munter eure nächsten Aufgaben und sorgt dafür, dass ihr nicht planlos über das Eiland wuselt. Die Aufgaben und Missionsziele selbst werden logisch aufeinander folgend ausgeführt und auch gut begründet, so dass eure Aktionen wenigstens nachvollziehbar bleiben. Immerhin, einige Überraschungen hat die magere Story zu bieten, zumindest im letzten Viertel. Mit der etwas dünnen Geschichte kann man aber gut leben, denn im Vordergrund steht fordernde Action, und die wird in allen Belangen geboten.

Action unter Palmen
Ungewöhnlicher als die Story ist hingegen schon das Setting des Spieles. Statt durch finstere Straßen oder dunkle, endlose Gewölbe zu tapsen, versetzt euch Crytek mitten ins Paradies auf eine Südseeinsel, genauer auf mehrere Inseln. Weiße Sandstrände mit Palmen, kristallklares Wasser mit bunten Fischen, Sonnenschein und nahezu wolkenloser Himmel lassen eher an Urlaub als an Action denken. Haariger wird es dann schon im Dschungel, in alten Tempelruinen oder aber in Söldnercamps und Forschungslaboren. Prinzipiell wird quasi alles geboten, was man sich an Locations nur wünschen kann – von unübersichtlich über beengt und dunkel bis zu weitläufig und hell.

Die Levels oder besser Spielbereiche selbst sind zum Teil enorm umfangreich und bieten viel Bewegungsfreiheit, so dass ihr die Möglichkeit zu unterschiedlichsten Manövern und Taktiken habt. Auch alternative Wege sind reichlich vorhanden, ob ihr nun mit dem Boot um die Insel schippert, euch zu Fuß durch den Dschungel schlagt oder per Jeep die Straße nutzt. Bei dem Umfang der Bereiche fällt kaum auf, dass der eigentliche Weg durch die Story linear gehalten ist, wobei euch ein Richtungspfeil im Radar meist den Weg weist.

Fordernde Kämpfe und nagende Spannung
Des Weiteren wird allgemein für viel Atmosphäre und vor allem Spannung gesorgt. Dazu tragen nicht nur Grafik und Sound bei (mehr dazu später), sondern auch einige gescriptete Sequenzen. Wenn ihr durch den Dschungel robbt und urplötzlich ein 'Was war das?' vor euch erklingt, durch Labors stiefelt und ihr noch seht, wie ein Forscher von irgendetwas in einen Lüftungsschacht gezerrt wird, oder ihr über Brücken in den Baumkronen stiefelt und rings um euch viehisches Gebrüll und Todesschreie zu hören sind, dann steigt unwillkürlich der Adrenalin-Pegel. Zudem verschaffen sich einige Gegnerarten mit der Zeit wie von selbst gehörigen Respekt und sobald standesgemäßes Gebrüll oder ein Alarm ertönt, fangen die Nerven schon an zu zittern.

Die wuchtigen Feuergefechte mit den Gegnern fordern dem Spieler einiges ab. Zum einen wären da die Örtlichkeiten selbst, die eure Taktik bestimmen, zum anderen aber auch eure Widersacher. Permanent habt ihr einen Wechsel zwischen Long Range Combat, bei dem ihr eure Gegner aus sicherer Entfernung ausknipst, Stealth-Einlagen, bei denen ihr Feinde ausweicht oder unentdeckt zu bleiben versucht, oder aber Schusswechseln auf engstem Raum. Gerade der Stealth- und Taktik-Anteil spielt eine nicht unerhebliche Rolle, denn oftmals besteht eure einzige Chance darin, möglichst spät oder gar nicht entdeckt zu werden. Eine Anzeige neben dem Radar zeigt euch, ob und wie gut ihr von Gegnern gesehen werden könnt.

Schlau, schlauer, Far Cry?
Aber warum die ganze taktische Wurschtelei? Ganz einfach, weil die Gegner-KI streckenweise zum Besten gehört, was derzeit im Rahmen eines Shooters verfügbar ist. Speziell in den Außenlevels hinterlässt die KI einen ungemein starken Eindruck. Eure Widersacher gehen sehr koordiniert vor und reagieren sensibel auf Sicht und Geräusche, wobei die KI aber fairerweise nicht betrügt. So werden Gegner immer die Stelle untersuchen, an der sie euch zuletzt wahrgenommen haben. So bietet sich euch immer noch die Möglichkeit, wenn ihr mal Aufmerksamkeit erregt habt, schnell aber leise die Position zu wechseln und Gegner unter Umständen sogar in einen Hinterhalt zu locken. Vorsicht ist dennoch geboten, denn die KI ist so schlau, dass eure Feinde versuchen, euch zu umkreisen oder aber ein Gebiet zu durchstreifen. Da kann es schon mal passieren, dass sich unvermutet ein Trupp in euren Rücken schleicht und auf einmal hinter euch steht. Auch Kommunikation zwischen den Gegnern ist vorhanden, angeschossene Söldner zum Beispiel versuchen, in Deckung zu bleiben und Verstärkung zu holen. Ist erst mal ein Gegner alarmiert, habt ihr meist nach kurzer Zeit einen ganzen Batzen am Hals.

Unterschiede im Hinblick auf die KI gibt es auch bei den verschiedenen Gegnertypen, auf die ihr trefft. Söldner reagieren generell am cleversten, vor allem die Elitesöldner im späteren Spiel sind immens beweglich, nutzen die Deckung und nehmen auch reichlich Stellungswechsel vor. Andere menschliche Widersacher wie Forscher oder Mechaniker stellen sich da schon weniger geschickt an. Des Weiteren trefft ihr auf Mutanten, die ebenfalls recht unterschiedlich vorgehen. Die eine Art rennt und springt mit weiten Sätzen auf euch zu, um euch mit ihren Klauen zu bearbeiten, die andere setzt auf Widerstandsfähigkeit und schwerste Wummen, wieder andere setzen auf leichte Waffen und hohe Beweglichkeit und haben zudem noch einige fiese Überraschungen im Gepäck. Erwähnenswert ist noch, dass die Gegner bei mehrfachem Laden einer Umgebung zwar immer an derselben Stelle starten und ab und an per Script angetriggert werden, ab dann aber völlig dynamisch auf eure Aktionen reagieren.

Taktik und die Macken der KI
Die gute KI sorgt dafür, dass der Spieler in den Missionen ordentlich gefordert wird. Taktisches Vorgehen ist Trumpf, wer versucht, sich einfach durchzuballern, wird schneller ins Gras beißen, als man 'Aua' sagen kann. Erstmals in einem Spiel entpuppt sich das Fernglas als wertvoller Gegenstand, denn mit ihm könnt ihr nicht nur Gegner ausfindig machen und per eingebautem Richtmikrofon belauschen, entdeckte Feinde werden zudem auch als Symbol in verschiedenen Farben auf dem Radar angezeigt - je nach deren Aufmerksamkeit. Auch werdet ihr in der ersten Hälfte des Spieles schallgedämpfte Waffen schnell zu schätzen wissen, denn bei einigen Missionen liegt eure beste Chance darin, leise durch den Dschungel zu schleichen und einen Gegner nach dem anderen mit der MP5 auszuschalten. An anderen Stellen ist die Sniper Rifle gefragt oder aber auch schweres Gerät – in den letzten Abschnitten geht sogar gar nichts ohne Raketenwerfer und schweres MG.

 

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel