Preview - Flucht von Monkey Island : Flucht von Monkey Island

  • PC
Von Kommentieren
Flucht von Monkey Island
Ein rotierendes Inventar sorgt für Übersicht.

Bereits die ersten Aufgaben überzeugen, dass das Entwicklerteam sich auf alte Qualitäten besinnt. Schon nach mehreren Minuten stellen sich die ersten Lachkrämpfe ein, denn der Humor ist wie in alten Zeiten gnadenlos, und dazu werden Fans der Reihe vieles Bekanntes entdecken, wie die Scumm Bar, oder das House of Mojo, auch wenn nicht mehr Freund Stan für die Schiffe im Hafen verantwortlich ist, aber der Nachfolger, oder besser die Nachfolgerin ist ihres Postens würdig. Auch eines der beliebtesten Features der Vorgänger aus der Frühzeit des Computerspiels hat wieder seinen Einzug gehalten, nämlich das Beleidigungsduell, das wie eh und je mit absurdem Witz glänzt. Wem das nicht reicht, der wird auch auf andere alte Bekannte treffen. Für reichlich Wiedererkennungswert für Fans ist also gesorgt.

Die Qualität der Rätsel entzieht sich jeder Form der Kritik, auch wenn nicht allzu brachial harte Kopfnüsse auftauchen. Die Rätsel sind mit einer Portion Logik und Fantasie gut lösbar, und erfordern auch keine übermässig langen Wege. Sie unterscheiden sich wohltuend von den hirnzerfressenden Martyrien bestimmter französischer Adventure-Entwickler und lassen ebenfalls wohlige Erinnerungen an Adventure-reichere Zeiten aufkommen. Die Rätsel setzen sich dabei wie gehabt aus dem Suchen, Anwenden und Kombinieren bestimmter Gegenstände zusammen, wobei auch die witzigen Dialoge mit den NPCs eine Rolle spielen. Bei letzteren könnt ihr nicht allzu viel verkehrt machen, denn das bewährte Multiple Choice System kommt hier wieder zum Tragen, ohne dass es zu Sackgassen kommt. Spielspass hoch, Frustfaktor niedrig, so muss das sein. Hinzu kommen jede Menge verstecktere Gags. Viele Gegenstände der Umgebung und auch NPCs laden zur Interaktion ein, die, wenn auch nicht dem Fortkommen dienlich, zumindest für weitere Lacher sorgen. Ihr könnt euch locker damit beschäftigen, alles Anklickbare auszuprobieren und, ohne dass ihr im Spiel voran kommt, jede Menge Spass zu haben.

Wie bereits erwähnt, tuckert die 'Grim Fandango'-Engine hinter dem Spiel, also nicht gerade das frischeste auf dem Markt der 3D-Engines. Dennoch gibt es an der Grafik eigentlich nicht viel zu meckern. Selbige ist wie gehabt im Comic-Stil gehalten und liebevoll gemacht, wenn auch ohne technische Highlights. Letzteres stört aber nicht im geringsten, denn der Grafik-Stil macht eine Menge des Charmes des Spiels aus, zumindest für meinen unmassgeblichen Geschmack.

Flucht von Monkey Island
Wer kennt sie nicht, die berühmte SCUMM-Bar.

Die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig, speziell bei der Bewegung von Guybrush durch die Umgebung. Immerhin kann wahlweise eine Guybrush- oder eine kamerabezogene Steuerung gewählt werden. Zusammen mit den Cursor-Tasten reichen bei Tastatursteuerung einige wenige Tasten aus, um die Sache voll im Griff zu haben. Das Inventar entspricht ebenfalls nicht alten Gewohnheiten. Statt eines Rucksacks, in dem alle Gegenstände im Überblick erscheinen, gibt es ein rotierbares Inventar, in dem per Tastendruck ein Gegenstand nach den anderen ins Blickfeld gebracht wird. Ein Tastendruck reicht auch hier aus, um den Gegenstand zur Benutzung zu aktivieren.

Falls interessante Gegenstände oder Personen ins Blickfeld von Guybrush kommen, wird er seinen Blick dorthin wenden, und bei aktiviertem Text entsprechende Optionen anzeigen. Sollten mehrere Möglichkeiten bestehen, wird eine Liste angezeigt, in der per Tastendruck die gewünschte Aktion ausgewählt werden kann. Hier ist mitunter in Sachen Steuerung etwas Feinarbeit nötig, um den Anti-Helden in die richtige Position zu bringen und alle Optionen zu aktivieren.

Flucht von Monkey Island
Die Zwischensequenzen sind mit der Spiel-Engine erstellt.

Spielspass massig, Grafik ok, Steuerung Geschmackssache, was fehlt? Ach ja, der Sound. Hier hat Lucas Arts erstklassige Arbeit geleistet. Die Musikuntermalung ist passend wie nur irgendwas und die Sprachausgabe sucht ihresgleichen. Die Sprecher passen wie die Faust aufs Auge und bieten alles, was man sich nur wünschen kann, inklusive abstrusem Piraten-Slang. Hoffentlich kann die deutsche Synchronisation mit der Qualität der englischen Sprachausgabe mithalten. Alles in allem ist 'Escape from Monkey Island' ein Grafik-Adventure alter Schule mit allen Qualitäten, allerdings mit Abstrichen bei der Steuerung. Das kommt auch nicht von irgendwo, zwar ist der Schöpfer der Reihe, Ron Gilbert, schon seit geraumer Zeit nicht mehr bei Lucas Arts, aber mit Michael Stemmle und Sean Clark sind zwei Adventure-Profis der ersten Stunde am Werk. Programmierarbeiten an 'Indiana Jones and the Fate of Atlantis', sowie die Entwicklung von 'The Dig' und dem gnadenlos witzigen, wenn auch weniger stark verkauften 'Sam & Max' haben die beiden auf ihrer Liste.

 

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Danke, Lucas Arts. Nachdem das Adventure-Genre immer wieder totgesagt wird, scheint es mit 'Escape from Monkey Island' eine neue Chance auf Lebensberechtigung zu bekommen. Das Spiel bietet nahezu alle Qualitäten der ersten beiden Teile, inklusive des unvergleichlichen Humors, der für Lucas Arts Adventures so typisch ist. Einziges Manko ist die Steuerung, die bereits bei 'Grim Fandango' angewendet wurde, und schon dort nicht unbedingt auf Begeisterung gestossen ist. Dementsprechend wirkt auch die Grafik etwas angestaubt, bringt aber eine Menge Comic-Charme rüber, um die Mankos der Engine durch den Spielspass, der reichlich vorhanden ist, vergessen zu lassen. Mein Herbst auf Melee Island ist fest gebucht.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel