Preview - Industriegigant 2 : Industriegigant 2

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Industriegigant 2
Im Sägewerk werden die Baumstämme zu Brettern zersägt.

Damit wären wir auch schon bei einer weiteren grundlegenden Neuerung im Vergleich zum Vorgänger. Im zweiten Teil des Industriegiganten spielt nämlich die Lagerhaltung eine entscheidende Rolle. Jede Fabrik, jedes Geschäft und jeder Güterterminal muss nämlich in der Nähe eines Lagerplatzes sein. Hier werden die lokal verfügbaren Rohstoffe so gelagert, dass anhand der Spielgrafik eindeutig ersichtlich ist, welche Dinge und in welcher Stückzahl sie vorhanden sind. Diese Lagerplätze, die in verschieden Größen verfügbar sind, erlauben außerdem ein exaktes Feintuning, bei dem ihr festlegen könnt, wie viel Platz beispielsweise für ein ganz bestimmtes Produkt freigehalten werden soll. Ganz besondere Bedeutung kommt den Lagerhäusern in Bezug auf die neu eingeführten Produktzyklen zu. So verkaufen sich nicht mehr alle Produkte über das gesamte Jahr hinweg gleich gut, sondern unterliegen saisonalen Schwankungen. So sind Spielwaren natürlich um die Weihnachtszeit weit mehr gefragt als im übrigen Jahr. Nur wer rechtzeitig Waren einlagert, kann auch solche Absatzspitzen erfolgreich abdecken.

Ganz besonders streichen die Macher von 'Der Industriegigant 2' die neue, besonders innovative Menüführung heraus. Und die ist in der Tat ein wenig ungewöhnlich. Anderes als bei Konkurrenzprodukten üblich gibt es außer einer kleine Leiste am unteren Bildschirmrand keine dauernd sichtbaren Menüs oder Buttons. Alle Aktionen werden durch Kontext-Menüs aufgerufen. Ein Klick mitten in die Landschaft genügt, um das Baumenü auf den Schirm zu bringen. Hier wählt ihr dann das gewünschte Gebäude aus und platziert es in der Landschaft. Das funktioniert ziemlich reibungslos, allerdings ärgert man sich häufig darüber, dass das Menü beim Platzieren des Objekts im Weg ist. Da heißt es dann entweder das Menü aus dem Weg schieben oder den Bildausschnitt ein wenig scrollen.

Konkurrenz belebt das Geschäft
Waren die Computergegner im ersten Teil noch eine nette Dreingabe, aber auf keinen Fall eine ernsthafte Konkurrenz, so soll dies nun deutlich anders werden. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, mit den Konkurrenten zu kooperieren. Das ist besonders am Anfang praktisch, weil ihr nicht sofort ganze Produktionsketten aufbauen müsst. Ihr könnt euch erst mal auf den Abbau von Rohstoffen beschränken und diese an eure Gegner verkaufen. Im Gegenzug könnt ihr in Notlagen auch Rohstoffe und Waren bei der Konkurrenz zukaufen und so Engpässe überbrücken. Auch wird diesmal die Möglichkeit bestehen, nicht nur gegen den Computer anzutreten, sondern auch über LAN oder Internet mit realen Mitspielern auf der selben Karte gegeneinander oder auch miteinander zu spielen.

Industriegigant 2
Zu jeder Wirtschaftssimulation gehören ordentliche Statistiken.

Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht hat schon verloren
Nun würde man vielleicht glauben, dass wenn man eine Produktionskette aufgebaut hat, dass man sich in Ruhe neuen Aufgaben zuwenden kann. Aber weit gefehlt. Ständig müsst ihr eure bestehenden Anlagen im Auge behalten. Mal gehen die Rohstoffe zur Neige und ihr müsst von anderswo Ersatz herankarren. Ein anderes Mal zeigt eine eurer Lokomotiven gröbere Abnützungserscheinung und muss schnellstens gewartet oder besser gleich gegen ein moderneres Modell ausgetauscht werden, bevor es noch zu größeren Unfällen kommt. Aber auch Einflüsse von außen halten euch auf Trab. So gilt es auf Ölkrisen oder schwache Wirtschaftslagen zu reagieren. Kopfzerbrechen bereiten darüber hinaus Umwelteinflüsse wie verregnete Sommer, welche zu gewaltigen Ernteeinbussen führen können und euch einen ordentlichen Strich durch eure Bilanzen machen. Selbst wenn sonst alles nach Plan läuft, werdet ihr nicht umhin kommen, immer wieder eure Produktionsketten abzuändern. Die Bevölkerung ändert im Lauf der Jahre ständig ihre Ansprüche, neue Produkte schaffen neue Bedürfnisse und neue Technologien eröffnen neue Möglichkeiten in der Produktion. Es ist neben dem Aufbau eine der großen Herausforderungen, sich auf all das einzustellen.

Technisch nichts Neues?
Technisch hat JoWooD einiges verändert - aber auch der aktuelle Industriegigant präsentiert sich nach wie vor in 2D-Iso-Grafik. Die Ansicht ist nun aber stufenlos zoombar, wobei bei höheren Zoomstufen keine groben Pixel erkennbar werden. Allerdings wird hier offenbar eine Art Interpolationstechnik verwendet, weswegen die Grafik ein wenig verwaschen aussieht. Zu hoffen bleibt, dass in der endgültigen Version auch das Rotieren der Karten möglich sein wird, was der allgemeinen Übersicht sehr zugute kommen würden. Wohl aus Gründen der Vereinfachung des Spielflusses wurde das verformbare Terrain aus dem ersten Teil ersatzlos gestrichen. Ihr seid nun nicht mehr in der Lage, störende Berge abzutragen oder Gewässer zuzuschütten. Für Einsteiger mag das zwar positiv sein, fortgeschrittenere Spieler wird das aber wohl weniger freuen. Als recht nützlich erweist sich die Zeitraffer-Funktion, mit der ihr den Spielablauf nach Belieben beschleunigen könnt. Zugelegt haben die Entwickler auch bei der Spielauflösung: In der Endversion sollen Auflösungen von 1024 x 768 bis zumindest 1600 x 1200 Pixel unterstützt werden.

Industriegigant 2
Mit Schiffen lassen sich auch weiter entfernte Städte mit Produkten versorgen.

Was gibt es für die Entwickler noch zu tun?
In der Tat haben die Designer, Musiker und Programmierer bis zum Sommer noch einiges an Arbeit vor sich. So wirken die zwar schön gestalteten Landschaften noch ein wenig leblos, viele der Transportmittel, insbesondere die Schiffe, bewegen sich aber noch recht eckig und unnatürlich. Auch die akustische Untermalung, die vermutlich noch einiges zur Atmosphäre beitragen wird, fehlt noch zur Gänze. Aber auch elementare Funktionen wie das Speichern und Laden sind noch nicht integriert. Auch sind totale Programmhänger mit fortschreitender Spieldauer noch an der Tagesordnung. Weiter ist noch jede Menge Feinschliff bei der Abstimmung des Handelssystems zu leisten. All diese kleinen und größeren Mängel sind aber für eine so frühe Version durchaus nicht unüblich, im Gegenteil - das Programm macht schon jetzt einen überwiegend positiven Gesamteindruck.
Gespannt sein darf man außerdem, ob es gelingen wird, die versprochenen 40 Karten mit den jeweils angepeilten 20 Stunden Spielzeit tatsächlich so abwechslungsreich zu gestalten, dass man auch nach der vierten Karte noch Lust auf mehr hat. Die eine Karte, die uns zum Test vorlag, zeigt, dass die Designer auf dem richtigen Weg sind. Viele dringend benötigte Ressourcen liegen weit ab von den größeren Städten, so dass einiges an Aufwand betrieben werden muss, um die Waren möglichst effizient, und damit günstig, zu den Kunden zu bringen.

 

Fazit

Gameswelt Redaktion - Portraitvon Gameswelt Redaktion
Was JoWooD im Begriff ist auf die Beine zu stellen, gibt Grund zur Hoffnung. Konsequent hat man die Stärken des Vorgängers weiter ausgebaut und mit einigen neuen Ideen angereichert. Besonders die enorme Vielfalt an Produkten und Rohstoffen und die breite Palette an Transportmitteln sorgen für lange anhaltenden Spielspass. Ständig hält man Ausschau nach neuen Produkten, die man gewinnbringend unters Volk bringen kann, oder versucht bestehende Produktionsketten zu optimieren und den letzten Cent herauszuquetschen. Besonders gut gelungen ist diesmal das optische Feedback - stets sieht man der Spielgrafik unmittelbar an, wie viele Waren und Rohstoffe zur Verfügung stehen oder wo irgendetwas schief geht. Als besonders hilfreich und einsteigerfreundlich erweist sich dabei das neue Lagerhaltungssystem. Das von den Machern als besonders innovativ bezeichnete Menüsystem kann derzeit aber noch nicht uneingeschränkt überzeugen. Warum außerdem das verformbare Gelände gestrichen wurde, bleibt unklar. Fans von Wirtschaftssimulationen und passionierte Modelleisenbahner sollten sich jedenfalls für den kommenden Sommer schon mal ordentlich Zeit frei halten. Mit 'Der Industriegigant 2' hat JoWooD ein sehr viel versprechendes Spiel in der Pipeline.  

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