Test - Jurassic World Evolution : Darauf haben Jurassic-Fans gewartet!

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Wenn aus dem Traum vom Dinopark schnell ein Albtraum wird. Und dann wieder ein Traum. Jurassic World Evolution blockiert mein ästhetisches Empfinden. Schöpfung ist in der Aufbausimulation der PlanetCoaster-Macher von Frontier eben nicht nur ein reiner Akt des Willens. Vor allem am Scheitern lerne ich, dem prähistorischen biologischen Reservat ganz nach dem Vorbild der Jurassic-Park-Filme zur Blüte zu verhelfen. Deshalb schlägt das Hobbypaläontologenherz in meiner Brust bei Jurassic World Evolution höher.

„Ich besitze eine Insel vor der Küste von Costa Rica.“ Mit diesen Worten hat mich John Hammond damals in den 90ern auf eine Reise mitgenommen. Seither ist die Jurassic-Park-Reihe gar nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Dank Jurassic World Evolution finde nun ich mich in der Rolle des dinobegeisterten Milliardärs wieder und besitze nicht nur eine, sondern gleich sechs Inseln vor Costa Ricas sonnigen Sandstränden: Isla Nublar, das aus Jurassic Park und Jurassic World bekannte Eiland, und die berüchtigten La Cinco Muertes aus Vergessene Welt und Jurassic Park 3. 2015 hatte ich meinen Spaß mit Lego Jurassic World, aber was mir seit Jurassic Park: Operation Genesis gefehlt hat, war ein richtiges Spektakel, das die Atmosphäre der Filme einfängt.

Willkommen in Jurassic World!

Im Gegensatz zur Filmvorlage habe ich nicht das Glück, auf das Kapital unzähliger Investoren zurückgreifen zu können. Einfach mal ein Gehege in die Landschaft zu setzen und einen Dinosaurier darin unterzubringen, ist also vorerst nicht drin. Jurassic World Evolution lehrt mich gleich von Anfang an Folgendes: mit meinen Finanzen hauszuhalten und die Ausgaben wohl zu kalkulieren. Gleich zu Beginn einen T-Rex zu erschaffen und darauf zu hoffen, dass die Welt vor den Toren meines Parks ungeduldig wartet, geht nicht. Zuerst wollen eine Handvoll Gebäude errichtet werden, die dieses Wunder erst möglich machen.

Von der DNS bis zur Urzeitechse sind viele Schritte mit vielen Cool-downs notwendig: Expeditionen zu Ausgrabungsstätten in der ganzen Welt, eine Fossilienextraktion und ein Hammond-Entwicklungszentrum, in dem die Saurier schließlich entwickelt werden. All das kostet Geld, das ich nicht aus dem Fenster werfen darf. Mäßigung ist angesagt. Sobald die ersten Saurier in ihren Gehegen futtern, stellen sich aber schnell Erfolgserlebnisse ein. Der minütliche Gewinn steigt und damit mein Mut, mich mit den sich neu eröffnenden Möglichkeiten zu befassen. Anfangs steht nur die Basisausstattung zur Verfügung. Viel mehr als ein Stahlzaun und eine Futterquelle sind noch nicht notwendig, um die Dinos vom Randalieren abzuhalten.

Bei den Sauriern, die meinen Park zu Beginn bewohnen, handelt es sich ohnehin um eher friedfertige Pflanzenfresser. Aber darin zeigt sich schon, dass jedes Tier seine eigenen Bedürfnisse hat: Futter, soziale Kontakte zu Artgenossen, Befüllung des Areals, Bewaldung des Terrains, Gesundheit und so weiter. Stimmt in diesen Punkten etwas nicht, passiert, was passieren muss: Tod und Verwüstung innerhalb oder außerhalb des Zauns und anschließend schreien alle Zeter und Mordio.

Erschießt ihn!

Oberste Priorität hat es, für die Zufriedenheit der Tiere zu sorgen, da nur ein Bestand an glücklichen Sauriern auch Geld in die Kassen spült, mit dem der Park ausgebaut werden kann. Sollte doch mal etwas schiefgehen, rasselt der hart erarbeitete Ruf des Parks trotz Schutzbunker in Sekundenschnelle in den Keller. Also sorge ich liebevoll für jedes Individuum, indem ich mit einem Ranger-Jeep direkt in die Gehege fahre und mich um die Gesundheit von Dracorex und Co. kümmere. Hautnah durch die Tierherden zu fahren, kranke Dinos mit einem Betäubungsschuss aufs Korn zu nehmen oder sie zu fotografieren, weckt schöne Erinnerungen an die geliebten Filme.

Für solche magischen Momente bleibt mit zunehmender Größe des Parks kaum noch Zeit. Zusehends zwingt mich Jurassic World Evolution dazu, nur schnell einen Fütterungsauftrag zu erteilen, statt dass ich mich manuell darum kümmere. Nehme ich mir dennoch die Zeit dafür, werde ich an anderer Stelle bestraft. beispielsweise mit einem verwüstenden Tropensturm. Größere Schäden lassen sich nur durch Sturmschutzanlagen und Bunker vermeiden. All das will natürlich mit Strom versorgt werden, genau wie die Beobachtungstribünen und die Gyrosphärenrampe. Nur reicht die Kapazität eines einzelnen Kraftwerks nicht mehr aus, um das alles zu stemmen.

Schon bald sehe ich mich in der Situation, jedes noch so kleine Fleckchen Grün zubauen zu müssen, um alles am Laufen zu halten. Das Ergebnis sind funktionale, aber keineswegs optisch ansprechende Anlagen. Dass es abgesehen von zweckdienlichen Gebäuden keinerlei Dekorationsgegenstände gibt, hilft sicher nicht. Dass es keine Möglichkeit gibt, die Zeit anzuhalten, zu beschleunigen oder zu verlangsamen, damit ich ohne Konsequenzen besser organisieren kann, ist schade, aber derlei Funktionen würden das ständig drohende Damoklesschwert des Saurierausbruchs wohl abstumpfen.

Ach, Sie sind es, Mr. DNS!

Die bereits erwähnte Parkwertung setzt sich sowohl aus den klassischen Zufriedenheitsindikatoren als auch aus der Beurteilung der Saurier durch die Gäste zusammen. Und weil die Kids von heute einen Stegosaurier betrachten wie einen Elefanten im städtischen Zoo, muss gelegentlich etwas her, das den „Wow-Faktor“ erhöht. Nachdem ich mit der Forschungsabteilung nach neuen Tier-DNS-Fragmenten gesucht habe, die ich in meine Dinos mixen kann, kann ich Einfluss auf ihr Verhalten, aber auch auf ihr Äußeres nehmen. Will ich einen Struthiomimus, der gegen einen bestimmten Hakenwurm immun ist, so lässt sich das einrichten. Es mindert jedoch die Erfolgschancen auf eine erfolgreiche Zucht.

Was Jurassic World Evolution in Sachen Mikromanagement bei den Dinosauriern richtig macht, wird im Hinblick auf die Gebäude etwas vernachlässigt. Ich kann zwar einige Upgrades entwickeln, die die Kosteneffizienz oder diverse Erfolgschancen verbessern, abgesehen davon gibt es hier aber nicht viel zu tun. Gerade Fressbuden und Souvenirläden fallen diesbezüglich auf, da hier lediglich je ein Produkt angeboten wird. Die Preisgestaltung und Personalbesetzung fallen spartanisch aus. Aber sie sind nun mal notwendig, um das Shopping- und Spaßbedürfnis der Gäste zu befriedigen.

Die Gäste sind übrigens nicht die einzigen, die Beachtung verlangen. Auf jeder der sechs Inseln bieten die Leiter der Abteilungen für Unterhaltung, Forschung und Sicherheit auf Wunsch immer wieder Aufgaben an, die durchaus abwechslungsreich ausfallen, aber nicht immer unbedingt ihrem Themengebiet entsprechen. Mal will die Forschungsabteilung, dass für eine gewisse Zeit keine Besucher durch Fleischfresser sterben, mal verlangt die Sicherheitsabteilung, dass ich neue Saurier erforsche. Verkehrte Welt. Für erfüllte Aufträge winkt nicht nur ein hübscher Obolus, sondern auch ein Rufanstieg.

Dadurch wirken derlei Aufträge fast schon wie richtige Story-Missionen: Beispielsweise werden von einer anderen Insel kranke Dinosaurier geliefert, die isoliert werden müssen, bevor ein Heilmittel erforscht und angewandt werden kann. Natürlich unter Zeitdruck und immer mit dem drohenden Ausbruch der Hauptattraktionen im Nacken. So schaltet ihr neue Bauoptionen frei, die zum Thema der Abteilung passen. Dumm nur, dass Forschung, Sicherheit und Unterhaltung immer in Konkurrenz zueinander stehen. Widme ich mich einem Ressort zu sehr, sinkt mein Ruf in den anderen. Hierbei ein gutes Gleichgewicht zu finden und gleichzeitig den Park am Laufen zu halten, ist nicht ganz einfach.

Jurassic World Evolution - Launch Trailer
Jurassic World Evolution ist ab dem heutigen 12.06.2018 für PC, PS4 und Xbox One erhältlich.

Inselurlaub

Euch erwarten wie erwähnt sechs Inseln, die sich durch ihre Platz- und Wetterverhältnisse sowie Farbgebung voneinander unterscheiden: Isla Matanceros, Isla Muerta, Isla Pena, Isla Tacaño, Isla Sorna und schließlich Isla Nublar. Um hier einen Park eröffnen zu können, müssen die bisherigen Anlagen erst eine entsprechende Wertung erhalten haben.

Und erst wer sich überall als Meister entpuppt, kann endlich seinem ästhetischen Empfinden frönen und sich ganz wie John Hammond fühlen. Dann kann endlich der Park gebaut werden, den man schon immer haben wollte.

Immerhin muss ich nicht auf jeder Insel ganz von vorne anfangen. Zwar kann ich nicht auf das Kapital anderer Parks zurückgreifen, dafür müssen zum Beispiel Genome nicht noch einmal aufwendig vervollständigt werden.

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