Test - Kingdom Come: Deliverance : Das Mittelalter-Rollenspiel stellt sich dem Test

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Was in grauer Vorzeit als Kickstarter-Projekt von Mafia-Schöpfer Daniel Vávra und seinen Warhorse Studios ins Leben gerufen wurde, ist nach einer gefühlten Ewigkeit nun endlich ein (mehr oder minder) fertiges Rollenspiel. Frei von Drachen und Magie, Zwergen und Orks widmet sich das Rollenspiel einem möglichst authentischen Mittelalter in Böhmen. Bleibt die Frage, ob Kingdom Come: Deliverance schlussendlich auch Spaß macht oder sich das Entwicklerstudio mit diesem Monsterprojekt hoffnungslos übernommen hat.

Eigentlich hätte es ein schöner Tag werden können, den Heinrich, der Sohn eines Schmiedes mit reichlich Flausen im Kopf, mit Besorgungen für seinen Vater im kleinen Dorf Skalice beginnt. Die Sonne scheint, Freundin Bianca ist gut drauf und die Arbeit an einem Schwert für den Adligen Radzig wird erfolgreich vollendet. Als plötzlich die Flaggen eines Heeres am Horizont erscheinen, ist es vorbei mit der sonnigen Idylle. Ein wahres Gemetzel beginnt, Heinrichs Eltern werden niedergemeuchelt und nur mit Mühe gelingt ihm die Flucht in die nahe gelegene Festung Talmberg.

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Als Heinrich kurze Zeit später von Trauer getrieben nach Skalice zurückkehrt, um den Überresten seiner Eltern wenigstens ein ordentliches Grab zu spendieren, geht sein Leben noch mehr den Bach runter. Er wird von Banditen überfallen und verliert nun auch noch das letzte Andenken an seinen Vater, nämlich das Schwert, das die beiden gemeinsam für Herrn Radzig geschmiedet hatten. Schwer verwundet wird Heinrich von der Müllerstochter Teresa nach Rattay gebracht und dort gesundgepflegt.

Rache! Aber wie?

Als Anerkennung für seine Berichte über den Angriff wird er dort von den Adligen in den Dienst genommen, zunächst im Wachdienst, später als Knappe. Dabei muss Heinrich feststellen, dass in der Region einiges im Argen liegt. Banditen und fremdländische Soldaten sorgen für eine Menge Ärger und Blutvergießen, Flüchtlinge tummeln sich in den Dörfern und verbreiten Unruhe und Verdruss bei der Bevölkerung. Schnell mausert sich Heinrich vom jungen Tunichtgut zum Mädchen für alles in der Region, weiterhin angetrieben von seinem Wunsch nach Rache für den Tod seiner Familie.

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Zugegeben, das ist nicht das originellste Motiv der Videospielgeschichte, aber es ist zumindest glaubwürdig. Viel interessanter ist, dass Heinrich nicht der typische Rollenspielheld ist, der ohne großen Aufwand ganzen Scharen von Gegnern wegschnetzelt, sondern ein völliger Durchschnittstyp, der im Verlauf des Spiels immens viel zu lernen hat, ebenso wie der Spieler. Entsprechend sperrig und langatmig sind dann auch viele Aspekte des Spiels in den ersten Stunden. Heinrichs Können ist in allen Belangen erst mal rudimentär, Übungen und Tutorials sind anfangs an der Tagesordnung. Das ändert sich aber mit der Zeit und dann blüht das Gameplay erst so richtig auf, aber dazu gleich mehr.

Lebendiges, unverbrauchtes Mittelalter

Zunächst fällt auf, dass Warhorse Studios ein ungemein stimmiges Mittelalterszenario auf die Beine gestellt hat, das ohne epische Größe auskommt. Die eher ländliche Region des mittelalterlichen Böhmens wird wunderbar gestaltet und stimmungsvoll an den Mann gebracht. Es gibt keine riesigen Städte oder monströse Festungen, sondern kleinere Siedlungen und Burgen in wunderschöner Kulisse, wobei uns vor allem die herrlichen Wälder sehr beeindruckt haben. Vieles wurde realen Örtlichkeiten nachempfunden, davon konnten wir uns vor einiger Zeit schon bei einem Besuch der Originalschauplätze überzeugen. Ebenso wirkt alles historisch sehr akkurat.

Kingdom Come: Deliverance - Von Verstand, Klingen und Schnapps Gameplay Demo (dt.)
Die aktuelle Gameplay-Demo zum nahenden Mittelalter-RPG Kingdom Come: Deliverance könnt ihr euch nun auch deutsch synchronisiert ansehen.

In den Siedlungen blüht, je nach Tages- oder Nachtzeit, das Leben. Die Bewohner haben meist sinnvolle Tagesabläufe. Da wird tagsüber auf den Feldern gearbeitet, die Handwerker gehen ihren Berufen nach. Abends trifft man sich in der Schenke auf ein Feierabendbier. Nachts sind die Straßen leer und die Häuser verschlossen, nur einige Wachen drehen ihre Runden. Alles in allem überzeugen Stimmung und Atmosphäre der Spielwelt ohne große Probleme mit großer Detailverliebtheit. Die Wege sind mitunter lang, die Schnellreisefunktion ist zwar nicht schnell, aber durchaus willkommen. Ab und zu gibt es dabei Zufallsbegegnungen mit Wanderern oder Überfälle, die ihr mit etwas Glück (oder Pech) aber per Knopfdruck umgehen könnt.

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