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Test - Mafia III : Rassismus und Gangster

  • PS4
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In Nahaufnahmen sieht der Titel deutlich besser aus. Zwar wirken die Figuren allesamt etwas wächsern, die Zwischensequenzen sind trotzdem eine Augenweide. Schießereien in Fabrikgebäuden oder Bars wissen zu überzeugen. Die Bildrate stürzt nur selten unter 30 Frames pro Sekunde. Wenn jedoch mal mehrere Molotow-Cocktails gleichzeitig explodieren, kommt es zu Stotterern. Leider sind mehr fps auf der Konsole nicht drin. Der PC erhielt kurz nach Erscheinen einen Patch, der 60 Bilder pro Sekunde ermöglicht. Hier ist eine deutliche Leistungssteigerung bemerkbar. Schade, dass diese Funktion nicht von Anfang an beinhaltet war.

Der Weg zur Rache

Die Aufgaben in Mafia III lassen sich klassisch in Haupt- und Nebenmissionen aufteilen. Die Hauptmissionen glänzen durch tolle Zwischensequenzen, viele Überraschungen und die gewisse Portion Brutalität. Die Entwickler scheuen sich nicht davor, blutige Angelegenheiten in Nahaufnahme zu zeigen. Lincoln verfügt über viele kreative Möglichkeiten, gegnerische Bandenbosse möglichst auffällig um die Ecke zu bringen. Die Nebenmissionen hingegen fallen deutlich nüchterner aus. Fahre zu Punkt X, töte Person Y oder richte Schaden Z an. Hier würde mehr Abwechslung guttun. Die meisten Nebenmissionen wirken wie gestreckte Spielzeit. Das ist schade, da sie doch einen größeren Teil des Spielgeschehens ausmachen.

Hinzu kommt, dass die KI der Gegner zu wünschen übrig lässt. Auf dem Schwierigkeitsgrad „Einfach“ hat man das Gefühl, gegen Strohpuppen zu kämpfen, auf „Mittel“ kann man meist ohne Probleme durch Gruppen schwer bewaffneter Gauner rennen. Auf „Schwer“ ist die Herausforderung etwas größer, so richtig ausgefeilt wirken die Feinde dennoch nicht. Wenn dazu noch die Zielhilfe auf „hoch“ steht, ist in den ersten Spielstunden kaum Herausforderung vorhanden. Im Verlauf der Haupthandlung zieht der Schwierigkeitsgrad zum Glück noch etwas an.

Eine Reise in die Vergangenheit

Ein ganz besonderes Lob gebührt Hangar 13 für die Atmosphäre. Man hat sich sichtlich bemüht, ein authentisches 1968 umzusetzen, wobei man auch vor schwierigen Themen wie Rassismus nicht die Augen verschließt. In der Rolle von Lincoln Clay erfahrt ihr, wie allgegenwärtig dieses Problem zu dieser Zeit war. Immer wieder reagieren Bewohner der Stadt abwertend auf die Präsenz von Lincoln, verwehren ihm den Aufenthalt oder werfen ihm rassistische Beleidigungen an den Kopf. Außerdem kann es passieren, dass ihr aufgrund eurer Hautfarbe in Restaurants nicht bedient werdet.

Großartig ist der Soundtrack. Zwar stehen euch nur drei verschiedene Radiosender zur Verfügung, die euch mit Musik versorgen, dafür enthält die Song-Liste ausschließlich lizenzierte Lieder, die markanter für diese Zeit nicht sein könnten. The Rolling Stones, Elvis, Otis Redding oder Steppenwolf sind nur einige Künstler und Bands, die im Laufe der Spielzeit eure Spritztouren untermalen. Von Rock über Blues und Country findet sich ein bunter Strauß von allem wieder, das 1968 in den Radios und Clubs lief. Wer sich mit dieser Musik bisher noch nicht beschäftigt hat, wird sicherlich die ein oder andere Perle für sich entdecken.

Die Autophysik passt sich ebenfalls der Zeit an. Ihr könnt auswählen, ob die Wagen etwas „moderner“ in der Kurve liegen oder ob ihr das pure 60er-Jahre-Gefühl als „Simulation“ erlebt. Beide Modi spielen sich gut, selbst wenn der Simulationsmodus etwas Übung erfordert, um ihn zu meistern. Eine „Action-Cam“ lässt Kurven durch eine Kamerafahrt besonders eindrucksvoll aussehen. Wem diese Kamerafahrt auf Dauer auf die Nerven geht, kann sie abschalten.

Mafia III Event aus New Orleans - Kuro unterwegs in New Bordeaux
Kuro konnte in der Mafia-Stadt New Orleans zahlreiche Stunden mit Mafia III verbringen.

Keine neue Open-World-Referenz

Was Mafia III fehlt, ist die Möglichkeit, die offene Welt auszunutzen. Zwar finden sich Sammelobjekte wie Playboy-Magazine, die sogar authentische Artikel aus der Zeit beinhalten, Automagazine oder Fotos, die Freizeitaktivitäten lassen jedoch zu wünschen übrig. Stellenweise wirkt Mafia III wie ein Titel, der krampfhaft in das Genre der offenen Welt gezwungen wurde, dort aber gar nicht hinwollte. Als linearer Third-Person-Shooter ohne verkrampfte, repetitive Nebenmissionen hätte uns der Titel vermutlich sogar einen Tick besser gefallen. So kann Mafia III bei einem Vergleich mit Titeln wie Grand Theft Auto V oder Just Cause 3 nicht mithalten.

Greift zu, wenn...

…ihr auf innovative Mafiosi-Geschichten, Third-Person-Action und die Musik der späten Sechziger-Jahre steht.

Spart es euch, wenn...

… ihr einen Ersatz für Grand Theft Auto oder ähnliche Open-World-Spiele sucht.

Fazit

Robin Rottmann - Portraitvon Robin Rottmann
Solides Mafia-Abenteuer

Jeder, der sich von Mafia III ein neues Open-World-Spektakel verspricht, das möglicherweise sogar Grand Theft Auto V aussticht, wird enttäuscht sein. Wer jedoch ohne diese Erwartung an den Titel herangeht, wird mit einem mehr als soliden Mafiosi-Abenteuer belohnt. Der Soundtrack und die Darstellung der späten 60er-Jahre sind ein absolutes Highlight. Der Soundtrack ist für mich der bisher beste des Jahres 2016. Unbedingt erwähnenswert ist auch der Mut von Hangar 13, gesellschaftliche Probleme wie etwa Rassismus nicht auszuklammern.

New Bordeaux ist für mich jedoch Fluch und Segen zugleich. Die Hauptmissionen motivierten mich ungemein, der Handlung rund um Lincoln Clay zu folgen und mehr erleben zu wollen. Die Nebenmissionen hingegen brachten mich durch zu wenig Abwechslung immer wieder dazu, eine Pause einzulegen. Großen Spaß hatte ich mit Mafia III dennoch, selbst wenn ich nicht stundenlang durch die Stadt brettern will wie in anderen Open-Word-Titeln.

Überblick

Pro

  • dichte Atmosphäre
  • packende Handlung
  • umfangreicher Soundtrack
  • Hauptmissionen mit ausgeschmückten Zwischensequenzen ...

Contra

  • Nebenmissionen nicht sehr abwechslungsreich
  • Weitsicht und Reflexionen nicht zeitgemäß
  • offene Welt wirkt gezwungen
  • … die in Nebenmissionen hingegen fehlen.

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