Test - Medal of Honor: Allied Assault : Medal of Honor: Allied Assault

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Medal of Honor: Allied Assault
Wo der hinschießt, wächst kein Gras mehr.

Nachschub an Munition wird von getöteten Gegnern fallen gelassen, ebenso wie die unentbehrlichen Medipacks, die euch aber hier und da auch von anwesenden Sanitätern (Omaha Beach-Mission) ausgehändigt werden. Gelegentlich dürft ihr fest montierte MGs benutzen, auf einem Jeep mitfahren oder selber einen Panzer lenken. Besonders letzteres macht viel Spaß, da die Explosionen der Geschosse zum einen sehenswert sind, zum anderen Schäden in der Umgebung gut dargestellt werden. Häuser können mittels des Panzers wunderbar in ihre Einzelteile zerlegt werden, wobei dann Mauerstücke durch die Gegend fliegen, allerdings nicht liegen bleiben.

Die zahlreichen Gegner entpuppen sich im Großen und Ganzen als recht clever. Unter Beschuss wird Deckung gesucht und sehr akkurat ausgenutzt. Werft ihr eine Granate in Richtung Gegner, erklingen Alarmschreie und die Mannen versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Auch werden Granaten zielsicher geworfen, Verstärkung wird gerufen, Befehle gebrüllt und wenn ein Alarm ausgelöst wird, kommt ihr in echte Bedrängnis. Hier und da gibt es allerdings auch den einen oder anderen Totalausfall bei der KI, denn es kommt schon mal vor, dass die Gegner euch eine Weile nicht bemerken, obwohl ihr direkt an ihnen vorbeilauft. Auch eure Teamkameraden glänzen nicht in jeder Sekunde mit geistiger Klarheit. Im Großen und Ganzen gehört die stark gescriptete KI aber immer noch zu den besten des Genres und entlockt hier und da dann doch auch mal ein Staunen. Gegner auf Fahrzeugen gehören ebenso zu den Kalamitäten wie Wachtürme mit Suchscheinwerfern und MGs oder Panzer und natürlich Infanterie in rauen Mengen, jedoch nie nach dem Prinzip Masse statt Klasse. Auch getarnte Gegner oder im Schrank versteckte Soldaten sind keine Seltenheit.

Mager: Der Multiplayer-Modus
So stark der Singleplayer-Modus auch umgesetzt ist, das große Manko des Spieles ist der Multiplayer-Modus. Gerechterweise muss man sagen, dass selbiger bei der Entwicklung nur als Ergänzung des Spieles betrachtet wurde. Geboten werden insgesamt vier Modi, darunter 'Deathmatch'- und 'Team Deathmatch'-Varianten, sowie ein missionsbasierter 'Teamplay'-Modus, in dem jeweils eine Aufgabe zu erfüllen ist. In Sachen Maps sieht es ebenfalls mager aus, sieben 'Deathmatch'-Maps und vier Missions-Maps sind nicht gerade viel. Ein Klassensystem für die Multiplayer-Charaktere gibt es nicht. Immerhin spielen sich alle Modi sehr solide und können durchaus für eine Menge Spaß sorgen.

Medal of Honor: Allied Assault
Soldaten beim Zeitvertreib.

Störend ist, dass die Serversuche nur über GameSpy Arcade möglich und kein Ingame-Serverbrowser vorhanden ist. Was den Multiplayer-Modus angeht, werden wir wohl erst im vierten Quartal verwöhnt werden, wenn das auf Multiplayer ausgerichtete Add-on 'Medal of Honor: Team Assault' (Arbeitstitel) erscheint. Zudem wurde bereits über das eine oder andere Problem im Multiplayer-Modus berichtet, so dass hier wohl in Bälde mit einem Patch gerechnet werden darf.

Ein Fest für die Sinne
Grafisch kann 'Medal of Honor: Allied Assault' mit einer kräftig überarbeiteten 'Quake III'-Engine aufwarten. Diese glänzt mit exzellenten Animationen und vielen Details sowie sehr akkurat umgesetzten Umgebungen. Allerdings reicht die Grafik allgemein über weite Strecken nicht ganz an die Qualität des großen Konkurrenten 'Return to Castle Wolfenstein' heran, zumal einige der Level etwas sehr farblos wirken, was aber bedingt durch die Kriegs-Kulisse durchaus noch vertretbar ist. Die Effekte und Explosionen sind sehenswert, so spritzt auch zentnerweise Dreck auf, wenn Geschosse in den Boden einschlagen. Weitere Details umfassen Bomber, die sporadisch am Himmel entlang ziehen, und anderes, so dass eine sehr intensive Kriegskulisse generiert wird. Auf Blut wurde übrigens in allen Versionen des Spieles verzichtet. Das macht auch nichts, denn das Gameplay an sich ist ohnehin schon intensiv genug. In der deutschen Version wurden alle Nazi-Symbole entfernt.

Medal of Honor: Allied Assault
Dieses U-Boot gilt es zu sprengen.

Sehr gelungen ist die Soundkulisse des Spieles. Neben martialisch-militärischer Musik können vor allem die Waffen- und Umgebungsgeräusche überzeugen. Überzeugen kann auch die gelungene deutsche Sprachausgabe, die qualitativ dem englischen Original kaum nachsteht und für viel Atmosphäre sorgt, denn permanent brüllen sich die Gegner Befehle oder Warnungen zu und auch die eigenen Kameraden sorgen für reichlich passende 'Unterhaltung' in Form von Befehlen, Flüchen und Schreien. Der gute Sound zusammen mit der gelungenen Grafik und dem ungemein intensiven Gameplay sorgen insgesamt für eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Das Ziel der Entwickler, das Kriegsgeschehen möglichst authentisch auf dem PC darzustellen, kann wohl mit Fug und Recht als gelungen bezeichnet werden. So authentisch, dass das Spiel nur eine Freigabe ab 18 Jahre bekommen hat, wohl auch nicht zu unrecht, denn zartbesaitete Spieler könnten durchaus ein Problem mit der Intensität des Spieles bekommen, welches an einigen Stellen fast schon beunruhigend realistisch ist.

 

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Dass 'Medal of Honor: Allied Assault' an der 90er Hürde scheitert, hat eigentlich nur einen Grund: den mageren Multiplayer-Modus, der mit vier Standard-Spielmodi und elf Maps nicht recht überzeugen kann. Im Singleplayer-Modus bietet das Spiel dafür eine der wohl intensivsten Spielerfahrungen der letzten Jahre. Die authentische Umsetzung der Schauplätze und die bestens gelungene Atmosphäre des Spieles können dabei mühelos darüber hinwegtäuschen, dass die Spieldauer wieder einmal zu kurz ist und die Grafik qualitativ nicht ganz den großen Konkurrenten 'Return to Castle Wolfenstein' erreichen kann. Die Landung an der Omaha Beach und der gefährliche Weg durch eine Stadt voller Heckenschützen gehören wohl zu den besten Levels, die jemals für das Shooter-Genre entwickelt wurden. Für alle Shooter-Fans eine absolute Kaufempfehlung.  

Wertung

  • PC
    88
    %

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