Test - Mittelerde: Mordors Schatten – Der Helle Herrscher : Celebrimbor vs. Sauron

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Mittelerde: Mordors Schatten von Monolith war im Oktober eine der wenigen positiven Überraschungen des vergangenen Spielejahres. Sicher, hinsichtlich der Spielmechaniken hatten sich die Entwickler kräftig bei Assassin's Creed und Batman bedient, doch die wunderbaren Orks des Nemesis-Systems brachten frischen Wind nach Mordor. Auch an DLCs wurde nicht gespart. Neben zahlreichen Kleinigkeiten gab es mit Fürst der Jagd bereits eine kleine Zusatzkampagne. Im neuen DLC Der Helle Herrscher geht es nun erneut kräftig zur Sache – und Sauron wartet als Endboss.

Der Helle Herrscher (Originaltitel: The Bright Lord) schickt euch weit zurück in die Vergangenheit und in die Haut von Celebrimbor. Der ist euch in seiner toten Form bestens bekannt, immerhin ist er der geisterhafte Begleiter von Talion, dem er seine besonderen Kräfte verleiht. Den elbischen Schmied der Ringe erlebt ihr nun allerdings in seiner lebendigen Form, kurz nachdem er feststellen musste, dass er von Sauron kräftig übers Ohr gehauen wurde. Dem Dunklen Herrscher die Macht des Einen Ringes zu lassen – das geht natürlich gar nicht. Celebrimbor gelingt es, Sauron den Ring abzuluchsen, und will nun dessen Macht nutzen, um Udun zu erobern und den Dunklen Herrscher zu bezwingen.

Knackige Herausforderung

Die Uruks sind beinharte, bestens ausgerüstete Brocken auf Stufen bis zu Level 25 und mit neu ausbalancierten Fähigkeiten und Eigenheiten. Auffällig ist insbesondere, dass ihr nun nicht mehr die Möglichkeit habt, die Leibwächter der Uruk-Kriegsherren vorab auszuschalten. Stattdessen tauchen diese oft erst in Gesellschaft ihrer Bosse auf – eine harte Nummer, sich den Bossen samt ihrer Leibwache im direkten Kampf zu stellen. Das wieder enthaltene Nemesis-System bekommt dadurch leider wenig Raum, sich spürbar zu entwickeln und zu einem wichtigen Element wie im Hauptspiel zu werden.

Die Spielwelt sieht etwas anders aus. Zwar seid ihr wieder in bekannten Gebieten von Udun unterwegs, dieshaben jedoch mitunter ein wesentliche düstereres Aussehen aufgrund des Sprungs in die Vergangenheit. Auch geht es etwas chaotischer zu. In Mordor ist Hochbetrieb und es wimmelt nur so von Uruk-Horden, die jede Reise zum Risiko machen und die mit der Zeit ziemlich lästig werden, da sie selbst in bereits eroberten Gebieten immer wieder auftauchen. Die Türme, deren Ruinen im Hauptspiel der Schnellreise dienen, wollen hier erst erbaut und die einzelnen Zonen durch Besiegen der jeweiligen Uruk-Bosse erobert werden. Insgesamt erwarten euch zehn neue Missionen, garniert mit typischen Nebenaufgaben in der weiterhin offenen Spielwelt, was euch in etwa sechs Stunde beschäftigen dürfte – vielleicht auch etwas weniger.

Schneller, agiler und beringt

Euer neuer Held Celebrimbor verfügt über einige spezielle Fertigkeiten. Der Skilltree ist von Beginn an nahezu komplett freigeschaltet, es gibt leider nur wenige Unterschiede zu Talion. Damit fehlt bedauerlicherweise ein wenig die Entwicklung des Charakters. Celebrimbor hat keinen Geistmodus, er ist etwas agiler, seine Bogenschüsse sind tödlicher, dafür ist er insgesamt etwas anfälliger gegen Schaden. Einer der Schwerpunkte liegt darin, ganze Gruppen von Orks zu brandmarken. Dadurch kämpfen sie auf seiner Seite, können aber auch im Kampf verzehrt werden, um eure Gesundheit zu regenerieren. Des Weiteren könnt ihr immer wieder eine begrenzte Anzahl von Orks herbeirufen, die euch im Kampf unterstützen.

Mittelerde: Mordors Schatten - Der Helle Herrscher DLC Launch Trailer
Trailer zum DLC Der Helle Herrscher, in dem ihr als Celebrimbor gegen Sauron antretet.

Wichtiger noch ist der Eine Ring. Habt ihr ihn durch Brandmarken aufgeladen, könnt ihr ihn aktivieren, um dadurch den Schritt in die Geisterwelt zu wagen und für die Uruks quasi unsichtbar zu werden. Das gibt euch die Gelegenheit, zahlreiche Gegner mit mächtigen Attacken, speziell mit dem deutlich schneller und tödlicher feuernden Bogen, niederzustrecken. Wart ihr mit Talion meist allein gegen kleinere Gruppen von Uruks unterwegs, so kommt es nun zu Schlachten mit dutzenden von Gegnern, was ziemlich chaotisch werden kann und Celebrimbor häufig in den offenen Kampf zwingt, ohne ihm Möglichkeiten für alternative Lösungswege zu lassen. Das lässt das Gameplay um einiges geradliniger und – sorry – langweiliger werden.

Kampf in größerem Rahmen

Mitunter müsst ihr eure gebrandmarkten Uruks in den Kampf gegen Saurons Uruks schicken, beispielsweise um Bosse hervorzulocken. Überhaupt setzt Monolith dieses Mal mehr auf einen größeren Rahmen der Gefechte. Der Nachteil: Häufig stehen euch eure Genossen bei den Kämpfen mehr im Wege, als dass sie nützlich sind, da ihr sie nicht direkt befehligen könnt. Das ist schade, denn dadurch verschenkt Monolith ein interessantes strategisches Element, das die Geradlinigkeit durch den Zwang in den offenen Kampf etwas ausgeglichen hätte. So dienen die eigenen Uruks quasi nur als ersetzbares Kanonenfutter, um euch etwas Luft und Zeit zu verschaffen.

Wer Mittelerde: Mordors Schatten bereits einige Wochen nicht mehr in den Fingern hatte, muss sich zudem schnell wieder in die recht komplexe Steuerung und die Skills einarbeiten, große Anlaufzeit gibt es nicht. Schon im ersten Kampf, in dem euch die Möglichkeiten des Einen Ringes veranschaulicht werden, geht es kräftig zur Sache. Wer am Ende der Kampagne noch nicht genug hat, findet im DLC noch eine Erweiterung des Challenge-Modus.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Insgesamt zu geradlinig

Mordors Schatten war eines meiner Lieblingsspiele des vergangenen Jahres. Dementsprechend hatte ich mich sehr darauf gefreut, nochmals ein paar Stunden mit der zweiten Story-Erweiterung zu verbringen. Leider verschenkt Der Helle Herrscher das Potenzial zu einer richtig guten Erweiterung. Das Nemesis-System kommt kaum zum Tragen und die Kämpfe drängen mich zu sehr in die offene Konfrontation, ohne mir Alternativen zu erlauben. Hier wäre allein dadurch mehr drin gewesen, die gebrandmarkten Orks kontrollierbar zu machen, um sie gezielt im Kampf einsetzen zu können. So aber werden die Kämpfe oftmals zu chaotisch, die eigenen Horden stehen einem des Öfteren mehr im Weg, als dass sie nützlich wären. Auch die Story überzeugt mich nicht, insbesondere weil sie der Hauptfigur kaum Raum zur Entwicklung lässt. In Summe bietet Der Helle Herrscher nochmals einige Stunden guter Unterhaltung beim Erlegen der wieder einmal herrlichen Uruks. An die Qualität des Hauptspiels kann der DLC allerdings nicht anknüpfen, ich fühle mich in fast allen Bereichen zu sehr eingeengt.

Überblick

Pro

  • umfangreichere Kämpfe ...
  • ordentlicher Umfang für einen DLC
  • knackiger Schwierigkeitsgrad
  • neue Skills und Runen

Contra

  • … die jedoch auf offenen Kampf setzen und strategische Elemente vermissen lassen
  • dünne Story
  • Unterschiede zu Talion könnten noch größer sein
  • manchmal zu chaotisch in den Kämpfen
  • kaum Charakterentwicklung

Wertung

  • PC
    7.0
    /10
  • PS4
    7.0
    /10
  • One
    7.0
    /10

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