Test - MSI Aegis : Kleiner, schnittiger Gaming-PC

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Immer wieder versuchen Hersteller, die Komponenten für einen kräftigen Gaming-PC auf möglichst engem Raum unterzubringen. Kompakte PCs fürs Wohnzimmer sind schließlich ein interessantes Thema und ein Versuch, ein wenig gegen die Konsolenübermacht anzustinken. MSI hat sich hinsichtlich des Designs einige Gedanken gemacht und schickt den Aegis ins Rennen, einen vollwertigen Gaming-PC, der mit einem 19,6-Liter-Gehäuse auskommt. Günstig ist so ein Brummer nicht, aber ist er seinen Preis wert?

Schon nach dem Auspacken entpuppt sich der Aegis als echter Hingucker und überaus arbeitswillig. Der Rechner landet mit vorinstalliertem Windows 10 beim Kunden und ist quasi sofort anschlussbereit. Netzkabel einstöpseln, Peripherie anschließen, Rechner starten und schon steht dem munteren Zocken nichts im Wege. Entsprechend gibt es nicht viel Gedöns im Karton. Aegis, Netzkabel, Dokumentation und fertig. MSI spricht damit natürlich nicht die Bastler an, sondern Spieler, die sich um Hardware-Konfigurationen keine Gedanken machen wollen.

Drei-Wege-Kühlung

Das Gehäuse des Aegis ist ungewöhnlich und leicht futuristisch gestaltet – und es ist kompakt. Bei Abmessungen von 433 x 376 x 170 mm passt der Rechenknecht quasi überallhin und ist zudem mit schlappen acht Kilogramm auch noch recht leicht. Praktisch, wenn man mit der Kiste unterwegs ist: Das Gehäuse verfügt an der hinteren Kante über einen Tragegriff. Auffällig ist, dass der Rechner einen Sockel besitzt. Der sorgt nicht nur für Standsicherheit, sondern beinhaltet zudem das Netzteil. Eine clevere Idee, denn durch die Auslagerung in den Sockel wird eine Wärmequelle im nur 19,6 Liter umfassenden Innenraum des Gehäuses quasi eliminiert.

Gerade die Kühlung ist bei derart kompakten Rechnern mit hoher Leistung ein Problem. Die Auslagerung des Netzteils in den Sockel ist nur ein Bestandteil des Konzepts von MSI. Hinzu kommen getrennte Luftwege für die CPU- und die GPU-Kühlung. Diese Drei-Wege-Kühlung soll Hitzestau verhindern, und das funktioniert erfreulich gut. So zeigt der Aegis selbst unter Volllast keine bedenklichen Temperaturen bei GPU und CPU. Die verbaute GeForce GTX 970 kam bei unserem Test auf maximal 77 Grad. Das ist nur geringfügig heißer als in einem größeren Gehäuse und völlig vertretbar.

Trotz der geringen Größe des Aegis gibt es bei den Anschlüssen wenig zu bemängeln. An der Rückseite entdeckt ihr Audio-Ports, SPDIF, LAN, 2x USB 2.0, 4x USB 3.1 Gen1, HDMI und PS2. Die Grafikkarte bietet zudem 1x DisplayPort, 1x HDMI und 2x DVI. Für den Anschluss mehrerer Displays etwas suboptimal, andererseits ist die GTX 970 von der Leistung her nicht unbedingt für mehr als ein oder zwei Monitore geeignet. An der Vorderseite findet ihr Mikrofon in, Headset out, USB 3.1 Gen1 Type C sowie 2x USB 2.0, von denen einer als Super-Charger eingerichtet ist, sodass ihr auch bei ausgeschaltetem PC Peripherie aufladen könnt.

Viel Leistung auf kleinem Raum

Das Aegis bringt eine Menge Leistung. Unser Testexemplar hat mit dem Intel i7-6700 @3,4 GHz aus der Skylake-Generation einen kraftvollen Prozessor. 16 GB DDR4-2133 RAM (aufrüstbar auf 32 GB) sind fürs Gaming mittlerweile Standard. Als Grafikkarte wurde eine GeForce GTX 970 mit 4 GB verbaut, die für beinahe alle Spiele unter Full HD, teils auch 1440p, völlig ausreichend ist. Wer mehr Power möchte, kann den Aegis demnächst auch mit den neuen GeForce-10-Grafikkarten erwerben.

Als Festplatten sind eine 256 GB Kingston M.2 SATA SSD sowie eine 1 TB Western Digital HDD mit 7.200 RPM verbaut. Damit sind schnelles Booten und ausreichend Platz für Spiele gewährleistet. Selbst ein DVD-Brenner hat Platz im Gehäuse gefunden. Das Ganze wird angetrieben von einem 350-Watt-Netzteil, das wie erwähnt im Sockel sitzt. Dessen Power reicht sogar noch für eine konfigurierbare Mystic-Light-Beleuchtung, die der schwarzen Front des Gehäuses auf Wunsch hübsche Farbtupfer verleiht.

Die Seitenteile des Gehäuses sind mit Kreuzschlitzschrauben befestigt. Hier gibt es natürlich mittlerweile elegantere Lösungen, aber nun gut. Ein Blick aufs Innenleben verrät, dass MSI auf Ordnung geachtet hat. Die Anordnung der Komponenten wirkt sinnvoll und aufgeräumt, die Verkabelung ist sauber und ordentlich.

An der Spieleleistung der Maschine gibt es kaum etwas zu bemängeln, auch wenn die verbaute GTX 970 natürlich nicht das Maß der Dinge ist. Spiele unter 1080p können aber im Normalfall mit hohen oder maximalen Auflösungen bei um die 60 fps gezockt werden. Nicht ganz so hungrige Titel lassen sich auch in 1440p noch gut zum Laufen bringen. Wer mehr Leistung möchte, kann in Kürze auf die stärkeren GTX 1070 oder GTX 1080 zurückgreifen, was den Aegis allerdings ein wenig verteuert.

CPU und RAM sind auf jeden Fall zukunftssicher, was die Leistung angeht. Wer den Aegis später upgraden möchte, sollte allerdings auf die Passform neuer Komponenten achten. Die kompakte und platzsparende Bauweise lässt hinsichtlich der Einbaugrößen nur wenig Raum für Experimente. Alles in allem wirkt das komplette System gut aufeinander abgestimmt, ist schnell und bringt eine sehr ordentliche Spieleleistung.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Klein, aber fein

So ein Aegis ist nicht unbedingt der perfekte Rechner für den schmalen Geldbeutel, aber wer einen kompakten PC mit hochwertigem Innenleben sucht, kann mit ihm sehr glücklich werden. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass der Rechenknirps künftig auch mit den neuen GeForce-10-Grafikkarten erhältlich sein soll. An der Ausstattung hapert es ohnehin nicht, der Winzling bringt fast alles mit, was man von einem guten Gaming-Rechner erwartet. In der uns zur Verfügung gestellten Konfiguration ist flüssiges Spielen bei hohen oder maximalen Details bei Full-HD kein Problem. Bei vielen Titeln sind sogar Auflösungen von 1440p mit Abstrichen beim Detailgrad möglich.

Vor allem aber überzeugt das Gehäusekonzept. Das aufgeräumte Innenleben, die clevere Drei-Wege-Kühlung mit dem ausgelagerten Netzteil und die Aufrüstungsmöglichkeiten zeigen, dass sich MSI einige Gedanken über den Aegis gemacht und sie gut umgesetzt hat. Natürlich ist der Brummer mit 1.799 Euro UVP nicht gerade günstig und wer selbst baut, bekommt eine ähnlich starke Maschine für deutlich weniger Geld. Wer allerdings einen kompakten, durchdachten und sauber abgestimmten Komplettrechner haben möchte, ist mit dem Aegis sehr gut bedient.

Überblick

Pro

  • sehr leise selbst unter Volllast
  • hochwertige Komponenten
  • gute Gaming-Leistung
  • ordentliche Aufrüstmöglichkeiten
  • gute, moderne Ausstattung
  • cleveres Kühl- und Gehäusekonzept

Contra

  • relativ teuer
  • kein werkzeugfreies Öffnen des Gehäuses

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