Test - Need for Speed: Carbon : Need for Speed: Carbon

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Stattdessen setzt man wieder auf extreme Monster-Bodykits, bunte Vinyls und gigantische Spoiler, die als Frittentheke herhalten können. Neu ist hingegen das Autosculpt-Feature. Einen Karosseriebauer in der Crew vorausgesetzt, könnt ihr nämlich eure eigenen Bodykits formen. Stopp! Allzu viel Freiheit bietet das Feature leider nicht. Pro Fahrzeug steht je ein gutes halbes Dutzend Heck- und Frontschürzen plus zahlreicher Spoiler, Schweller, Hauben und Felgen zur Verfügung, die sich mittels Schiebereglern im Aussehen ändern lassen. Damit verbreitert ihr etwa Heckflügel, vergrößert Lüftungsschlitze in Schürzen und Hauben, sorgt für breitere Reifen oder setzt mal ein großes Felgenbett um, in dem sogar ein Obdachloser übernachten könnte. Ansonsten lassen sich erneut zahlreiche Vinyls platzieren, wobei man diese endlich übereinander kleben, positionieren und selbst skalieren kann. Ansonsten hinterlässt der Tuningpart denselben Eindruck wie schon bei den Vorgängern. Viele neue Ideen sind nicht ins Spiel eingeflossen. Stattdessen ging man dazu über, kleine Änderungen und Features einzuführen, die man genauso sicherlich auch beim nächsten Teil übernehmen wird.

Blasser Flipflop-Lack

Das glitzernde Aushängeschild der ’NFS’-Reihe war schon immer eine schicke und besonders schnelle Grafik, die momentan im Vergleich zu aktuellen Next-Gen-Racern sehr stark zurückstehen muss und in Sachen Optik nur bedingt an der Spitze mitfährt. Man sieht dem Titel die Verwandtschaft zur alten ’Underground’-Reihe an und, ehrlich gesagt, schaut das Ganze nur stellenweise besser aus als ’NFS: U 2’. Zudem erwischt man bei der PC-Variante nicht gerade die grafisch beste Version. Diese besitzt gegenüber der Xbox-360-Fassung etwas unschärfere Texturen und bietet auch noch niedrigere Auflösungen als die flotten 1920x1080 der aktuellen Microsoft-Konsole. Zudem konnten wir trotz einer aktuellen Grafikkarte nicht die gewünschte Bewegungsunschärfe aktivieren und auch bei der höchsten Detaileinstellung bekommt man hier und da noch matschige Texturtapeten an den Häuserwänden zu sehen.

Trotz der Kritik wirken die Fahrzeuge nun noch etwas detaillierter als bisher und besonders die Reflexionen auf dem Edellack schauen einfach grandios aus. Ebenso bieten die Canyon-Duelle exzellente Aussichten und stellen einen guten Kontrast zu den ansonsten so öden Nachtrennen auf städtischem Asphalt dar. Dennoch reicht das nicht, um heutzutage noch jemanden wirklich vom Hocker zu reißen. Klar sieht das Spiel nicht schlecht aus, aber aktuelle Racer haben in den letzten Monaten gezeigt, dass grafisch noch deutlich mehr drin ist und man nicht nur in der Nacht herumkurven muss. Während übrigens bei einem ’Import Tuner Challenge’ gemeckert wird, dass nur drei Nachtzeiten zur Auswahl stehen, bietet ’Need for Speed: Carbon’ nicht einmal das.

Auf akustischer Seite röhren einmal mehr starke V8-Motoren und aufgeblasene Reiskocher zischen mit ihren großen Turbos um die Wette. Negativ fallen nur der Recycling-Wahn und damit auch der anscheinend vom Vorgänger komplett übernommene Polizeifunk auf. Ansonsten rundet ein wie immer lizenzstarker Soundtrack die Klangkulisse ab und bietet die gewohnt ordentliche Soundqualität der ’NFS’-Spiele. Leider reicht das alleine nicht aus, um den polierten Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Multiplayer-Herausforderung?

Zu guter Letzt fanden immerhin einige neue Online-Modi ihren Weg ins Spiel. Endlich lassen sich wieder die beliebten Verfolgungsjagden spielen, bei denen ein notorischer Raser der Polizei entkommen muss und es mit mehreren Online-Rasern gleichzeitig aufnimmt. Hier kommt richtiges Räuber-und-Gendarm-Feeling auf und der Spielspaß ist deutlich höher als bei der Solo-Karriere. Zusätzliche Modi, in denen die bekannten Rennen gefahren werden, sorgen ebenfalls für Spaß und das Posen mit der eigenen aufgemotzten Karre gehört ohnehin dazu.

Fazit

von R Kwiecin
’Need for Speed: Carbon’ richtig einzuschätzen, ist nicht leicht – die Serie hinterlässt immer wieder ein gemischtes Gefühl. Einerseits macht es Spaß, durch die Stadt zu rasen und ständig seinen Fuhrpark aufzumotzen. Andererseits sind die extrem kurze Spielzeit, das Recycling von Spielelementen sowie das ständige Aufkochen der Serie kaum ein Grund, erneut einen Batzen Geld auf den Tisch zu legen. Hier hat man es mittlerweile mit derselben Routine zu tun, die man schon von anderen EA-Serien kennt. Während die Konkurrenz längst deutlich umfangreicheres Technik-Tuning bietet und die Fahrphysik viele Fortschritte gemacht hat, bewegt sich das Gameplay bei ’NFS: Carbon’ nach wie vor auf dem Niveau, wo es bereits mit ’NFS: Underground’ war. Das Autosculpt-Feature sowie die Crew-Kämpfe sind sehr interessant, jedoch wurde Letzteres bei ’Juiced’ schon vor langer Zeit mit einer deutlich besseren KI umgesetzt. Ohnehin kränkelt der Titel an der nur stellenweise verbesserten Grafik, auffälliger Gummiband-KI und kaum vorhandenen wirklichen Neuerungen unter der Haube. Will man in Zukunft noch an der Spitze dieses Genres mitfahren, muss sich EA beim nächsten ’Need for Speed’ deutlich mehr einfallen lassen.

Überblick

Pro

  • innovatives Autosculpt-Feature
  • spannende Canyon-Duelle
  • weitläufige, frei befahrbare Stadt
  • gute Fahrzeugauswahl mit vielen Tuningteilen
  • Crew-Mitglieder

Contra

  • dumme Gummiband-KI
  • völlig unglaubwürdige Fahrphysik
  • Beschränkung auf Nachtrennen
  • grafisch nicht viel besser als die Vorgänger
  • bis auf die unterschiedlichen Rennmodi kaum Abwechslung
  • viel zu kurze Spielzeit im Karrieremodus
  • komplett recycelte Soundsamples und Vinyls

Wertung

  • PC
    75
    %

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