Test - Orphen : Orphen

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Orphen
Die meisten Zwischensequenzen werden in Spielgrafik dargestellt.

In 'Orphen - Scion of Sorcery' steuert ihr meistens den gleichnamigen jungen Zauberer durch die mittelalterlich wirkende Fantasy-Welt. Ab und zu kommt es aber vor, dass ihr kurzzeitig die Rolle einer seiner Weggefährten übernehmt. Das Spiel unterscheidet zwischen Story- und Kampfmodus, die jeweils auch mit einer anderen Tastenbelegung einhergehen. Im Storymodus lässt sich Orphen allein mit dem linken Analog-Stick in jede Richtung dirigieren, das Digitalkreuz wird nur für das Aufrufen von Optionen gebraucht. Mit Druck auf die X-Taste untersucht ihr auffallende Objekte, öffnet Schatztruhen, aktiviert Schalter und eingesammelte Items oder redet mit anderen Menschen. Mit Druck auf die Kreis-Taste schwingt der Magier sein Lichtschwert ('Star Wars' lässt grüssen), während durch das Betätigen von Dreieck verschiedene Zauberschüsse abgefeuert werden können. Man sollte sich also immer gut überlegen, ob man den Gegner lieber im Nahkampf mit dem Schwert angreifen oder ihn schon aus der Ferne mit Geschossen attackieren will. Mit der Viereck-Taste setzt die Spielfigur zu einem beherzten Sprung an. Durch das Betätigen von L1 und R1 könnt ihr den Blickwinkel im Kreis herumrotieren lassen. Soll dagegen die detaillierte Landschaft etwas genauer unter die Lupe genommen werden, könnt ihr mit R3, also mit dem Herunterdrücken des rechten Analog-Sticks, in eine Ego-Perspektive schalten, in der ihr euch allerdings nicht bewegen könnt. Neben dem Lösen von Rätseln und dem Finden des richtigen Wegs kommt im Storymodus die Geschicklichkeit nicht zu kurz. Ihr müsst beispielsweise hinterhältigen Fallen ausweichen, von Plattform zu Plattform über tiefe Abgründe springen, flinke Gegner besiegen oder dürft auf glattem Eisboden nicht mit spitzigen Kristallen zusammenstossen. Immer wieder kommt es vor, dass Zwischensequenzen in Spielgrafik ablaufen. Hier wird die Story weitererzählt, ein kleiner Hinweis auf ein Rätsel gegeben oder zur reinen Unterhaltung ein witziges Missgeschick im japanischen Slapstick-Stil gezeigt. Eher selten gibt es Sequenzen, die in Anime-Zeichentrick-Grafik gehalten sind.

Orphen
In den Dungeons erwarten euch fiese Fallen.

Ab und zu, vor allem beim Auftauchen von grösseren Monstern schaltet das Spiel automatisch in den Kampfmodus. Hier duelliert ihr euch mit den Gegnern in rollenspielartigen Echtzeitkämpfen. Ihr könnt euch, ähnlich wie in den 'Final Fantasy'- Spielen, nicht frei auf dem Platz herumbewegen. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Schüssen und Schwerthieben startet ihr durch das Drücken auf die Kreis-Taste eine Detonation um den anvisierten Gegner herum. Umso länger ihr durch das Halten des Buttons dies auflädt, umso grösser wird die betroffene Fläche. Ist dieser Angriff über das Maximum aufgeladen, taucht ein mächtiger Geist auf, der für euch die Feinde attackiert. Auch das Schwert lässt sich aufladen oder durch schnelles Triggern für Schlag-Combos benutzten. Aber Achtung, werdet ihr während so einer Aufladephase getroffen, bricht der Vorgang ab und ihr könnt wieder von vorne mit der Vorbereitung eurer Attacke beginnen. Falls ihr gemeinsam mit euren Gefährten in den Kampf zieht, habt ihr die Möglichkeit, zusammen gleichzeitig einen Feind verletzen, was diesem besonders viel Schadenspunkte zufügt. Damit ihr den gegnerischen Angriffen nicht hilflos ausgeliefert seid, könnt ihr mit der Vierreck-Taste kurzzeitig ein Schutzschild aus magischem Licht heraufbeschwören. Damit ihr bei der feindlichen Attacke nicht doch verletzt werdet, ist hier das exakte Timing besonders wichtig. Jederzeit könnt ihr im Titelmenü einen aus sieben kurzen Lektionen bestehenden Kampfkurs absolvieren, der euch die Grundtechniken näher erläutert. Diese Option hätte allerdings ruhig umfangreicher sein können.

Orphen
Der Kampf mit der riesigen Seeschlange ist eines der grafischen Highlights.

Leider birgt dieses System mit den beiden Modi auch Nachteile. So ist die Kollisionsabfrage im Storymodus viel zu sensibel und der Blickwinkel nicht geeignet für rasante Kämpfe. Auch knifflige Sprungpassagen nerven wegen des trägen Sprungverhaltens nach einiger Zeit nur noch - insbesondere, da man nach dem Verlust aller Energie wieder beim letzten Save-Punkt starten muss. Sind dazwischen schwierige Stellen und Zwischensequenzen, die man nicht abbrechen kann, wird 'Orphen' schon mal zu einer ziemlich frustrierenden Plackerei. Der Kampfmodus weiss ebenfalls nicht hundertprozentig zu überzeugen. Das Anvisieren eines bestimmten Gegners ist viel zu ungenau, was während den schnellen Kämpfen tödlich sein kann. Allgemein sind diese Kämpfe viel zu hektisch geraten. Bevor ihr euch überhaupt entschieden habt, ob ihr nun angreifen wollt oder das Schutzschild aufbaut, seid ihr meist schon längst getroffen. Statt taktischen Kämpfen führt wildes Tastengehämmer öfters zum Erfolg. Zudem ist es in der Kampfhektik sehr verwirrend, dass in den beiden Modi die gleichen Funktionen auf andere Tasten gelegt wurden. In Kämpfen, in denen zwischen den beiden Systemen hin- und hergeschaltet wird, fällt das sofortige Umdenken anfangs ziemlich schwer. Allgemein muss auch der unausgewogene Schwierigkeitsgrad bemängelt werden. Einfache und schwierige Abschnitte wechseln sich unregelmässig ab. Eine angenehm ansteigende Schwierigkeitskurve ist nicht zu erkennen.

Der Spielablauf von 'Orphen' selbst ist genre-atypisch sehr geradlinig. Ihr habt eigentlich zu keiner Zeit die Möglichkeit, euch frei auf der Insel bewegen und deren verborgene Winkel untersuchen. So folgt ihr brav dem vorgegebenen Weg. An einigen Stellen könnt ihr zwar beispielsweise durch die Wahl eines Teammitglieds oder einer Weggabelung etwas den Ablauf geringfügig beeinflussen, besonders Abwechslung bringt dies jedoch nicht, vor allem weil der Reiz, das Spiel nochmals im Hinblick auf andere Abzweigungen durchzuspielen, nicht sonderlich vorhanden sein dürfte.

Orphen
Ab und zu erhaltet ihr einen neuen Angriffszauber.

Grafisch wirkt 'Orphen - Scion of the Sorcery' meist ziemlich unspektakulär. Oft müsst ihr den Weg auf immer gleich aussehenden Plattformen suchen. Hübsche Licht-, Glanz-, Wasser- und Raucheffekte können die monotonen Texturen nicht verbergen. Immerhin trefft ihr ab und zu auf hübsch umgesetzte Bauten oder auf eine witzig gestaltete Zwischensequenz. Gerade die hochauflösenden Filmabschnitte in Zeichentrick-Grafik können absolut überzeugen. Hier spielt das DVD-Format seine Stärken konsequent aus. Auffallend ist die saubere Darstellung der Spielgrafik. Verzerrte Texturen, wegklappende Polygone oder unschöne Blitzer sucht ihr vergebens. Nur selten, wenn gerade viele Effekte und Bewegungen gleichzeitig zu sehen sind, kommt die Frame-Rate etwas ins Stottern. Auch die Kämpfe sehen ziemlich gut aus. Viele Lichteffekte, Explosionen und detaillierte Gegner wissen zu gefallen. Allerdings kann es schon mal vorkommen, dass man im sowieso schon hektischen Kampfgetümmel wegen der Effekte noch mehr die Übersicht verliert.

Überhaupt nicht überzeugen kann die Kameraführung im Storymodus. Ständig seid ihr damit beschäftigt, mittels den Schulterbuttons die imaginäre Kamera so zu drehen, dass ihr genügend Übersicht habt. Leider ist die Perspektive viel zu sensibel, der Blickwinkel dreht sich viel zu schnell, als dass man auf Anhieb die gewünschte Position einstellen könnte. Dazu kommt es des öfteren vor, dass irgendwelche Objekte die Sicht verdecken. Das Spiel stellt diese dann zwar transparent dar oder lässt sie einfach weg, bis dies aber geschieht, ist die Spielfigur bereits weiter in einer anderen Situation.

Orphen
Die spektakulären Kämpfe leiden teilweise an Unübersichtlichkeit.

Der Sound hält sich durchgehend im Mittelmass auf. Nette, aber harmlose Melodien säuseln im Hintergrund vor sich hin. Immerhin wurden die zahlreichen Melodien abwechslungsreich komponiert. Geräuschtechnisch ist bei 'Orphen' nicht viel los. Die vereinzelten Soundeffekte im Storymodus sind kaum der Rede wert, während der Lärm, der beim Kampf zu hören ist, schnell zu einem Einheitsbrei aus Explosionen, Signalen und Treffergeräuschen verkommt. Lobenswert ist dagegen die saubere englische Sprachausgabe. Wer nichts gegen anime-typische, kindliche Stimmen hat, dem werden die zahlreichen Dialoge sicher gefallen. Schade nur, dass der Titel keinerlei deutsche Texte bietet.

 

Fazit

von David Stöckli
'Orphen - Scion of Sorcery' ist allen PS2-Besitzern zu empfehlen, die unbedingt ein Rollenspiel für ihre neue Konsole haben wollen Das Spiel bietet mit der Mischung aus klassischen RPG-Elementen und Action einige interessante Ansätze, nur leider ist die Umsetzung nicht wirklich zufriedenstellend. Dasselbe gilt für die etwas verwirrende und träge Steuerung. Das hektische Echtzeit-Kampfgeschehen macht durchaus Spass, das genre-typische Herausfinden von Taktiken oder das Verbessern von Charakterwerten fällt aber praktisch gänzlich weg. Leider ist die Geschichte rund um den kessen Magier und seine Begleiter nicht sonderlich aufregend und birgt auch keine grossen Überraschungen in sich. Immerhin motivieren vereinzelte optische Leckerbissen, eine gute Sprachausgabe und witzige Zwischensequenzen zum Durchspielen des umfangreichen Abenteuers. Wer aber kein Englisch kann, wird mit der Story und dem Lösen einiger Rätsel ziemlich Mühe haben.  

Wertung

  • PS2
    69
    %

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