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Test - Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind : Filmkritik: Anständige CGI-Wesen und warum man sie suchen sollte

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    Paradox: Ein Film aus dem Harry-Potter-Universum läuft in den Kinos an und zu keiner Sekunde wird der Name des Zauberlehrlings erwähnt. „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ spielt vor der Geburt des Jungen, der überlebt hat. Und vor dem Aufstieg des dunklen Magiers Voldemort, den wir alle hassen wie schätzen gelernt haben.

    Ein Universum muss nun auf eigenen Beinen stehen, das zuvor Vorteile aus einem wichtigen Faktor gezogen hat. Und zwar daraus, dass wir die zauberhafte Welt der J. K. Rowling durch die Augen eines Kindes entdeckten. Was er erlebt hat, durften wir erleben. Und was ihm erklärt wurde, wurde uns verständlich. Dieses Kapitel mag erzählt sein, Hollywood ist jedoch der Meinung, dass mehr Geschichten auf uns warten, die wir ebenfalls lieben werden.

    Verwirrend und scheu

    Doch wie spannend kann ein Film sein, wenn er lediglich von einem Autor handelt, der magische Wesen studiert und sein Wissen der Öffentlichkeit preisgeben will? Nicht sonderlich, schien die allgemeine Antwort der Produzenten darauf zu sein. So entschied man sich dagegen, eine ruhige Erzählung in bewegten Bildern umzusetzen, und hoffte eher auf die Möglichkeit, gleich fünf Filme über die Jahre auf den Markt bringen zu können. Die wollen natürlich entsprechend vorbereitet werden – und zwar mit diesem Film.

    Das schadet dem Streifen jedoch in mehreren Bereichen. Zum einen fällt es Neulingen mehr als schwer, sich in der Fantasie von Rowling zurechtzufinden. Die Macher werfen uns ins kalte Wasser und erwarten, dass man mit kindlichen Augen auf die Leinwand starrt und jedes Zeichen der Magie und jedes Wort aus den Büchern wie einen geliebten Freund begrüßt. Mit Erklärungen wird keine Zeit verschwendet. Wer nicht schon mit dem vernarbten Wunderjungen abgeholt wurde, hat schlichtweg das Nachsehen.

    Auf der anderen Seite haben wir zu Beginn überhaupt keine Identifikationsfigur. Protagonist Newt Scamander (Eddie Redmayne) wirkt fast verstörend: sozial inkompetent und mit der Angewohnheit, in den merkwürdigsten Momenten leicht dümmlich zu grinsen. Co-Star Katherine Waterston als Porpentina Goldstein spielt die ganze Zeit über äußerst hölzern und stolpert lediglich von Szene zu Szene. Und fast alle Nebendarsteller zeigen sich lustlos und ein wenig unmotiviert. Einzig Collin Farrell als Percival Graves sticht aus diesem Trauerspiel hervor und leistet erstklassige Arbeit. Seine Figur ist interessant und voller Leidenschaft gespielt – hat in der ersten halben Stunde aber quasi nichts zu tun.

    Zu guter Letzt leidet auch der Plot unter dem Aufbau, der sich lediglich auf die Fortsetzungen konzentriert. Ein roter Faden ist für eine Weile schlichtweg unauffindbar. Worauf „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ eigentlich hinauswill, ist zu diesem Zeitpunkt schwer zu sagen. Die einzige Stärke des Films liegt in seiner visuellen Ausdrucksform, die sowohl in Anbetracht der Leistung des Kameramanns als auch in Hinblick auf das CGI als überwältigend bezeichnet werden darf.

    Mit Anlaufschwierigkeiten

    Nach den ersten 30 bis 45 Minuten fängt sich das Werk zum Glück. Der Fokus liegt zwar nach wie vor auf dem, was noch erzählt werden möchte – nur nicht heute –, doch gleichzeitig kristallisiert sich eine Zielrichtung heraus. Die Handlung wird klarer und die Schauspieler tauen etwas auf. Vor allem die Figur des Scamander bekommt endlich Farbe und eine gewisse Vielfalt. Dadurch fällt es leichter, sich mit dem Protagonisten verbunden zu fühlen.

    Nichtsdestotrotz wird ihm die Schau in allen Belangen von Farrell gestohlen. Jetzt, wo er öfter zu sehen ist, reißt er sofort den gesamten Film an sich. Er ist der Einzige vor Ort, der sichtlich mit Leib und Seele bei der Sache ist. Um so erstaunlicher ist es, dass zwar amüsante, jedoch gleichzeitig recht uninteressante Figuren wie Jacob Kowalski (Dan Fogler) deutlich mehr Screentime bekommen, obwohl sie zu keiner Sekunde mehr als lauwarmen Unterhaltungswert bieten.

    Visuell bodenständig

    Wie bereits erwähnt liegt die große Stärke von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ in seiner visuellen Darstellungsform. Schnitt, Kameraeinstellungen und CGI sind teilweise Zucker für die Sinne. Hier und dort wirken die animierten Kreaturen zwar etwas fehl am Platz und der eine oder andere Hintergrund schreit schon arg „Greenscreen!“ in den Raum, aber das sind Ausnahmen, die mehr als verzeihlich scheinen.

    Die Musik ist tadellos. Die gewählten Stücke machen der originalen Reihe alle Ehre und harmonieren stets mit dem Aspekt des Gezeigten. Filmmusik par excellence. Die deutschen Synchronstimmen sind passend gewählt, daher gibt es hier ebenfalls keine negative Kritik.

    Fazit

    Heiner Gumprecht - Portraitvon Heiner Gumprecht
    Nette Abendunterhaltung, die jedoch weit hinter ihren Möglichkeiten bleibt

    Es fällt „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ erschreckend schwer, auf eigenen Beinen zu stehen. Verzweifelt versuchen die Produzenten auf Fortsetzungen hinzuarbeiten, die noch in weiter Ferne liegen. Dadurch dauert es lange, bis sich eine eigene Geschichte bemerkbar macht, die trotzdem nie mehr als durchschnittlich ist. Gleiches gilt für die Schauspieler, die fast ausnahmslos auf Sparflamme köcheln. Ausnahmen bilden hier lediglich Collin Farrell mit seiner fantastischen Leistung und Eddie Redmayne, der zum Ende hin endlich mit seiner Figur warm geworden zu sein scheint.

    Visuell war ich durchaus beeindruckt, doch inhaltlich wäre meiner Meinung nach viel mehr drin gewesen. Es ist ein unterhaltsamer Film und zweifelsohne ein ganz guter Vertreter des Fantasy-Genres. Doch er bleibt hinter meinen Erwartungen zurück und eignet sich im besten Fall für jene, die überhaupt nicht genug von J. K. Rowlings Welten bekommen können. Auf Einsteiger in die Materie nimmt „Phantastische Tierwesen“ jedenfalls zu keiner Sekunde Rücksicht.

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