Special - SingStar: Die Toten Hosen - Interview mit den Toten Hosen : SingStar: Die Toten Hosen - Interview mit den Toten Hosen

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GW: Könnt ihr euch ein Toten-Hosen-Spiel vorstellen, in dem beispielsweise ihr die Spielfiguren seid, oder sagt ihr, dass ihr euch lieber auf die Musik konzentrieren wollt.

DTH: Wir haben schon selber darüber nachgedacht, das ist schon ewig lange her. Aber das ist dann daran gescheitert, dass das zum einen, wenn du ein Spiel wirklich gut machen willst, ein irrsinniger Aufwand ist, und zum anderen, wie gesagt, ist außer einer von uns, Kuddel, keiner so richtig ein Spiele-Freak. Du musst schon selber Fan sein und dabei sein, um es dann auch gut machen zu können. Aber es gäbe schon lustige Sachen, zum Beispiel Straßenschlachten in Berlin mit der Polizei oder eine Hardrock-Band, wo du die richtigen Akkorde anwählen kannst – da muss man schon schmunzeln. Aber wenn du die richtige Idee hast, warum nicht – zurzeit ist aber nichts diesbezüglich geplant. Wir sind gerade dabei, einige neue Stücke zusammenzuschreiben, und werden sicherlich nächstes Jahr wieder auf Tour kommen. Das ist so das, womit wir uns gerade beschäftigen.

GW: Die Fans von euch sind ja relativ bekannt dafür, dass sie sehr singfreudig sind. Habt ihr das Gefühl, diese Leute sollten besser noch etwas mit ’SingStar’ üben gehen vor der nächsten Tour?

DTH: Nicht nur das Publikum, sondern auch einige von uns (lacht). Es ist echt so, dass wir mit dem Spiel gut die Möglichkeit haben, das Singen zu üben. Für die Leute ist es natürlich auch ein gutes Training, denn bis wir die nächsten Konzerte spielen, wird es noch bis nächstes Jahr dauern. So können die Fans die Zeit etwas überbrücken und so warm und im Training bleiben. Es ist schon beeindruckend, wenn man die Leute hört, wie sie unsere Lieder singen, das ist etwas ganz besonderes. Und das wissen wir auch zu schätzen.

Auch die Lautstärke ist beeindruckend – für ein gutes Konzert gehören das Publikum und deren Gesänge zu einem großen Prozentsatz einfach dazu.

GW: ’SingStar’ ist ja eigentlich eine spielerische Antwort auf diesen Trend rund um ’Deutschland sucht den Superstar’ & Co., wo jeder glaubt, er könne so gut wie ein Musikstar singen. Wie steht ihr zu dieser Entwicklung als langjährige Profi-Band?

DTH: ’SingStar’ sehe ich weniger in dem Zusammenhang, als dass es einfach jedem die Möglichkeit gibt, sich zum Deppen zu machen. Oder andersrum: Manchmal kennst du jemanden jahrelang als zurückhaltend und wenn du dann zum Karaoke mit ihm gehst, wird er zum totalen Selbstdarsteller, dem du fast das Mikrophon aus der Hand reißen musst, damit er endlich mal jemand anderen ranlässt. Diese ’Superstar’-Welle oder dieses "man muss nun unbedingt ins Fernsehen" sind ja eigentlich das genaue Gegenteil davon. Wir sehen das eher skeptisch, weil in vielen Leuten so der Wunsch hervorgerufen oder ihnen beigebracht wird, dass wenn du nicht im Fernsehen bist, dann hat es sowieso keinen Zweck. Dabei ist es eigentlich genau umgekehrt: Wenn du Lust hast, Musik zu machen, dann mach vor allem zuerst einfach Musik und hab deinen Spaß dabei. Das kannst du überall tun, wo eine Steckdose ist. So ergibt sich was oder vielleicht auch nicht, und man verkauft irgendwann vielleicht mal viele Platten. Aber auf jeden Fall sollte es etwas Richtiges sein, bevor du ins Fernsehen willst. Das kommt erst danach.

’SingStar’ dagegen ist einfach ein Spiel. Das ist so, wie es ist, es macht einfach Spaß. Du kannst es gut mit anderen zusammen spielen. Das hat nichts mit ’Superstar’-Castingshows zu tun, da geht es um etwas anderes. Wobei ich sagen muss: Beschissene Musik, eine beschissene Stimme und einen beschissenen Produzenten – das gab es wahrscheinlich schon immer. Neu ist nun aber, dass den Leuten suggeriert wird, dass man es so schaffen kann. Und das werden sie wahrscheinlich nicht.

Das, was mir daran nicht gefällt, ist, wie die Kandidaten vorgeführt werden vor der ganzen Nation. Vielleicht tun sie das freiwillig und niemand zwingt sie dazu, aber ich sehe mir so was nicht gerne an. Viele schauen sich das ja auch aus voyeuristischen Gründen an, weil sie sehen wollen, wie andere da fertig gemacht werden. Das muss ich nicht haben. Andererseits … wer nichts Besseres zu tun hat, der soll das halt tun. Ich schau mir aber lieber etwas anderes an.

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