Test - Solo – a Star Wars Story : Dieser Film funktioniert wirklich solo!

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    Diese Befürchtung bestätigte sich in den ersten Filmminuten, in denen er noch recht farblos wirkt und nur stur vor sich hin stiert. Doch mit jeder voranschreitenden Minute wird dieser Han immer mehr zum Solo, wie man ihn kennt. Entgegen meiner Erwartung macht Alden seine Sache gut, wenn auch nicht konsequent durch die knapp zwei Stunden hinweg. Legt der 28-Jährige seinen gleichgültigen Blick ab, zeigt er seine stärksten Momente. Die sind wichtig, denn er sieht sich einem prominenten Cast gegenüber. Allen voran Donald Glover als Lando Calrissian. Das Ausnahmetalent, das kürzlich als Childish Gambino mit dem Song „This is America“ den USA den Spiegel vorhielt, spielt den flamboyanten Lando herausragend – charmant, verlegen, witzig. Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, ihn mir als jungen Billy Dee Williams vorzustellen.

    Ihm an die Seite gestellt wird der Droide, pardon, die Droidin L3-37 gestellt. Der Comic-Relief des Films ist ein interessanter Charakter. Er bedient sich zwar dem Stereotyp afroamerikanischer Frauen, wirkt aber glücklicherweise nicht affektiert oder peinlich. Und zumindest ihre Intention gab es in dem Universum bislang nicht: gleiche Rechte für organische Lebewesen und Droiden.

    Dann hätten wir da noch die „Game-of-Thrones“-Darstellerin Emilia Clarke. Sie ist Hans erste Flamme und lange Zeit die einzige Motivation des Films, die Handlung voranzutreiben. Es geht natürlich um die Liebe, die Frau, die vor Leia das Herz des Schmugglers eroberte. Sie und Ehrenreich entwickeln eine dynamische, aber komplizierte Romanze, die sich glücklicherweise nicht unmittelbar vor dem Abgrund des Kitsches abspielt. Weitere Kerncharaktere sind Paul Bettany (Vision aus „The Avengers“) als mal charismatischer, dann schlagartig bedrohlicher Bösewicht und Woody Harrelson („Die Tribute von Panem“), die vielschichtige Vaterfigur, die Han an die Hand nimmt und ihn in die Welt der Kriminalität einführt.

    Was sie alle gemeinsam haben ist ihr Facettenreichtum. Jeder Charakter besitzt mehrere Seiten, zeigt mal mehr, mal weniger offensichtlich, dass es in „Solo“ kein Schwarz und Weiß, lediglich Grautöne gibt. Sie spielen bis auf wenige Ausfälle echte Menschen, die mich berühren. Das war eines der größten Probleme, die ich mit „Rogue One“ hatte: Keines der Schicksale der Protagonistentruppe kümmerte mich wirklich. Und das ist nicht das einzige Merkmal, durch das sich „Solo“ von „Rogue“ abhebt.

    Solo: A Star Wars Story - Official Teaser Trailer
    Nach dem ersten kurzen Teaser vom Super Bowl gibt es jetzt den etwas längeren Trailer zu "Solo: A Star Wars Story".

    Der bessere Solo-Film

    Als zweiter losgelöster Star-Wars-Film muss sich „Solo“ die Vergleiche mit „Rogue One“ gefallen lassen. Während der letzte Streifen ein Mini-Prequel ist, ist Hans großer Auftritt eine waschechte Origin-Story. Was mir an „Solo“ so viel besser gefällt, ist, dass der Film nicht so aufbläht. Es geht zur Abwechslung eben mal nicht um das Schicksal der gesamten Galaxis, und das ist äußerst angenehm.

    In Rogue One wirkte die im Kern doch recht kompakte Handlung meiner Meinung nach stellenweise sehr gestreckt. „Solo“ hat hingegen solche Längen nicht. Der Film nimmt sich Zeit zu erzählen. Es gibt sinnvolle Dialoge, die mehr sind als griffige Einzeiler, zu den Charakteren passen und, viel wichtiger, die Handlung voranbringen. Insgesamt funktioniert Disneys neues Werk als alleinstehender Film besser als Rogue One, da es sich nicht so stark an einen anderen Film klammert, sich nicht so sehr zwischen bekannten Ereignissen einsperrt.

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