Special - Orks auf der Schulbank : Ein Schwert für ein Referat

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    Der österreichische Lehrer Christian Haschek sorgte vor etwa anderthalb Jahren für Aufsehen, als er mit seinem eigens konzipierten Benotungssystem nach „WoW-Prinzip“ an die Öffentlichkeit ging. Seine Schüler erhalten statt Noten Erfahrungspunkte für Fortschritte im Unterricht und bei den Hausaufgaben. Nun möchte der Wiener noch einen Schritt weitergehen und mit Entwicklern von Spielen und Apps zusammenarbeiten, um die Schulbankdrücker für ihre Leistungen im Unterricht mit Belohnungen aus Azeroth und Co. zu motivieren. Ein interessanter Ansatz, für und gegen den einiges spricht.

    Ziel des auf Erfahrungspunkten (XP) basierten Systems ist es, die Benotung von Schülern transparenter und motivierender zu gestalten. Haschek zufolge haben die Kinder abseits von Tests kaum Anhaltspunkte, wo sie stehen und was sie für eine bessere Beurteilung tun müssen. Das sorge für Frust und Ungewissheit. Zudem hält sich nach wie vor die Meinung, Lehrer könnten ihre Schützlinge zu subjektiv bewerten. Bei Hascheks System steigt die Note nach und nach. Die Schüler sehen jederzeit, wie es um ihre Note steht und für welche Leistung sie Erfahrungspunkte gesammelt haben. Für Unterrichtsbeteiligung winken etwa 5 XP. Ein Referat oder eine besonders gute Hausaufgabe können bis zu 35 XP einbringen.

    In den inzwischen fast fünf Jahren, in denen der Wiener Lehrer das vom Unterrichtsministerium abgesegnete System anwendet, hat er bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Die Schüler erkennen genau, wie viele Punkte ihnen bis zur nächstbesseren oder nächstschlechteren Note fehlen. Die Daten können Lehrer, Schüler und Eltern in der eigens dafür entwickelten Plattform Socialcube einsehen. Mehr als 340 Schulen aus Österreich, den USA und Irland sind dort inzwischen registriert. So weit zur Erläuterung.

    Learn to win

    Christian Haschek plant nun, das Motivationsprinzip auszubauen und den Köder weiter in die Lebenswelt der Jugendlichen auszuwerfen. Entwickler von Apps, Web-Anwendungen und Videospielen sollen mit der GradeLink-API auf die gesammelten XP im Socialcube zugreifen können. Als Anerkennung für erreichte Ziele könnten In-Game-Belohnungen wie neue Ausrüstungsgegenstände oder Waffen winken. Ein Learn-to-win-System, wenn man so will.

    (Bildquelle: blog.haschek.at)

    "Der Schüler macht beispielsweise eine gute Hausübung und der Lehrer gibt ihm dafür 30 XP auf der XP-Benotungsplattform Socialcube. Der Schüler loggt sich dann auf einem Minecraft-Server ein, auf dem ein Plug-in läuft, das auf GradeLink zugreift. Das Plug-in erkennt, dass der Schüler seit seinem letzten Login 30 XP bekommen hat, und gibt ihm zur Belohnung ein Diamantschwert", erklärt Haschek. Der gesunde Datenschützerverstand sollte hier Alarm schlagen. Angeblich liest die API aber nur die Zahl der XP aus, die mit einer bestimmten E-Mail-Adresse verknüpft wurden. Eine Verbindung mit Namen und genauen Leistungen wäre andernfalls mehr als bedenklich.

    Das Für und Wider

    Das System polarisiert sicherlich. Zum einen kann es als zeitgenössische Herangehensweise an ein heftig kritisiertes Leistungssystem betrachtet werden. Videospiele sind populärer denn je. Jeder Jugendliche, egal ob männlich oder weiblich, verfügt mindestens über ein Mobile Device, wenn nicht sogar über eine Konsole oder einen Spiele-PC. Warum also nicht positive Anreize in der Freizeitbeschäftigung generieren?

    Natürlich müsste es sich um Belohnungen handeln, die den Mehraufwand in der Schule attraktiver gestalten. Was geschieht dann allerdings mit Spielern, die nicht mehr die Schulbank drücken? Die dürfen ja nicht durch die Belohnungen für die Schüler, die den anderen vorenthalten werden, benachteiligt werden Es ist also ein Mittelweg zwischen Exklusivität und Fairness zu finden.

    Andererseits ist die Verknüpfung mit Videospielen vielleicht nicht gerade die beste Weg. Zum einen drängt sich der Gedanke auf, dass die Motivation zum Lernen aus den falschen Gründen gezündet wird. Die Diskussion, sich nur zum Zwecke einer Belohnung und nicht aus Eigeninitiative zu bemühen, fiele psychologisch sicher nicht einseitig aus. Zum anderen handelt es sich trotz der weiten Verbreitung von Smart-Devices um eine Nischenlösung. Nicht jeder ist von Spielen derart begeistert, dass eine Belohnung darin ihn genug motivieren würde, sich schulisch zu engagieren. Wir wollen das Ganze aber nicht zu schwarzmalerisch sehen. Schließlich sollte jede Möglichkeit begrüßt werden, die Kinder zum Lernen zu bewegen – auch wenn das durch eine Ork-Axt geschieht.

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