Special - Videospiele in der Therapie : Videospiele als Medizin?

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Videospiele sind ungesund? Immer mehr Institute nutzen Spiele im Kampf gegen Krankheiten. Gameswelt sprach mit Patienten und Experten.

Vom Krankmacher zum Heilmittel

Sie machen viereckige Augen oder zumindest kurzsichtig. Sie sorgen für nervöse, fahrige und ungeschickte Bewegungen. Sie verursachen Schlafstörungen und Übelkeit. Sie mindern die Konzentrationsfähigkeit und zerstören kreative Neigungen des Menschen. Sie evozieren Epilepsien. Sie fördern Untätigkeit sowie Isolation und damit den Bewegungsmangel mit all seinen ungesunden Nebenerscheinungen ... Videospiele haben es nicht leicht, denn neben der leidigen Killerspieldebatte stehen sie seit den frühen 80er-Jahren immer wieder wegen ihrer angeblich gesundheitsgefährdenden Wirkung am Pranger.


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Bestimmt sind diese Vorstellungen noch heute präsent. Wenn man sich nach einer durchgezockten Nacht die brennenden Augen mit seinen von Chips fettigen Händen reibt, den Schlafmangel mehr als deutlich spürt und wegen des verspannten Rückens kaum von der Couch hochkommt, mag man kaum daran zweifeln, dass es Gesünderes gibt als solch eine ausdauernde Spielsitzung. Allerdings zeichnet sich bei den Videospielen mehr und mehr ein Wechsel ab, was das Image als Krankmacher angeht. Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass Spiele eine Zukunft im Gesundheitswesen haben - als förderndes Mittel auf dem Weg zu einem gesunden Leben.

Nie zu alt, ein Gamer zu sein

Wurden in den 80er- und 90er-Jahren Videospiele nur sehr vereinzelt in der Medizin an Patienten ausprobiert, stehen mittlerweile in immer mehr Kliniken Konsolen herum. An erster Stelle natürlich Nintendos Wii. Die bewegungsorientierte Plattform macht sich immer stärker einen Namen als praktikables Mittel, um Menschen zu mehr Bewegung zu verhelfen. Und es sind keineswegs bloß Teenies im Visier, die ohnehin schon häufig am Fernseher spielen. Stattdessen werden neue Zielgruppen erschlossen, darunter auch Senioren.


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Was in Japan längst Alltag ist, erobert nun auch den Westen: In Altersheimen wird die Wii immer häufiger für ein paar gesellige Runden angeworfen. Omas und Opas, die einst höchstens Spielkarten auf den Tisch klopften, greifen nun zur Wiimote. Sie bowlen und schwingen den virtuellen Tennisschläger durch die Luft, dass man als Außenstehender aus dem Staunen nicht herauskommt.

Als Beispiel sei das Schweizer Altenheim La Résidence genannt. Dessen Heimleiter ließ sich laut der Zeitschrift Curaviva von Heimen in Frankreich inspirieren und schaffte für die Bewohner eine Wii an. Seitdem kann er ausschließlich Positives berichten: Die Wii stimuliert die Betagten zu mehr Bewegung, aber auch zum fröhlichen, gemeinschaftlichen Spielen sowie zum motivierenden Spielen um Punkte. Und sie fungiert auch als Brückenschlag zwischen den Generationen.

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