Preview - Steel Rats : Motorrad-Kettensägen-Massaker

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Wenn Trials in einer Dark-Future-Version der 50er-Jahre auf Road Rash trifft, fehlen nur noch angriffslustige Roboter, um den wirren Genremix perfekt zu machen oder den Grad der Verwirrung auf die Spitze zu treiben – je nach Blickwinkel. Beim Anspielen einer frühen Alphaversion fanden wir heraus, was Steel Rats aus dem polnischen Hause Tate Multimedia auf dem Kasten hat.

Wojtek Bilinski, seines Zeichens Head of Studio bei Tate Multimedia, ist keineswegs um blumige Beschreibungen verlegen, doch wenn man ihn reden hört, meint man zuerst, er hätte Probleme, das Genre oder zumindest die Zielgruppe seines Werkes einzugrenzen. Man wolle Rennspielfans genauso abholen wie Freunde seitwärts scrollender Prügelspiele, verspricht er. Genauso würde man die Ansprüche der Speedrunner ebenso beachten wie die Wünsche akribisch fummelnder Stunt-Game-Enthusiasten. Da prallen einige Gegensätze hart aufeinander.

Ein Blick auf die frühe Alphaversion von Steel Rats offenbart, dass seine Zielsetzung nicht verfehlt wurde. So widersprüchlich die Eingrenzung auch klingen mag, das, was auf dem Bildschirm geschieht, deckt tatsächlich alle vier Extreme ab. Zweiradakrobatik ähnlich wie in Trials trifft auf Prügelspiellogik, schlicht, weil der fette Chopper, den man in horizontal scrollender Grafik durch einen Vorstadtparcours manövriert, auf dem Vorderreifen eine dicke Kettensäge trägt, an der etliche kleine Roboterschergen ihr Ende finden.

Wie Trials mit einem Panzer

Die anderen beiden Vorgaben wirken plötzlich ganz logisch. Rennspiele und Speedrun-Bedingungen? Kein großes Ding, wenn man versucht, den teils beklemmend düsteren Schauplätzen auf einem Motorrad zu entkommen. Der in 3-D gestaltete, aber nur begrenzt in die Tiefe ausgelegte Mix aus Steampunk-Vorstadt und rotzigem Industrieghetto mit all seinen Rohren, heruntergekommenen Gebäudefassaden und schlechten Lichtverhältnissen wirkt alles andere als einladend. Farbgebung und Beleuchtung erinnern mit ihren bräunlichen Grautönen stark an Weltkriegsästhetik und Nachkriegsfilme.

Schnell zu entkommen ist aber keine einfache Sache, wenn aggressive Blechdroiden unterschiedlicher Größe im Wege stehen. Die kleinen fährt man quasi platt, aber bei den größeren, die gut und gerne die doppelte oder dreifache Größe unseres Zweiradhelden erreichen, ist Strategie vonnöten, die die vier Hauptdarsteller der brachialen Steel-Rats-Motorradgang auf unterschiedliche Weise auslegen. Das gilt besonders für ihre Bewaffnung. Jeder der vier Fahrer hat ganz eigene Vorzüge.

So mag ein Raketenwerfer auf große Distanz viel Schaden anrichten, ist aber vergleichsweise ungenau und langsam, während das streuende Maschinengewehr viel Fläche mit genauen Treffern, aber geringem Schaden abdeckt. Shotgun und Granaten sind dagegen starke Verteidiger im Nahkampf. Glücklicherweise darf man zwischen diesen vier Fahrern samt Waffen jederzeit wechseln – zumindest zu jenen, die noch am Leben sind.

Nur ist Waffengewalt alleine selten eine kompetente Lösung. Hin und wieder müssen die Waffen mit der Umwelt interagieren, um Gegnern die Leviten zu lesen. So ballert man an einer Stelle die Sperre an der Schiene einer Hochbahn weg, um einen Waggon zu lösen, der einen der ganz großen Roboter unter sich begräbt. Klar, man hätte den bösen Invasor auch schlicht wegballern können, doch das hätte die verfügbare Munition schwer dezimiert und deutlich mehr Zeit beansprucht.

In vielen anderen Szenen verhält es sich ähnlich, denn Schusswaffen sollen nur eine sekundäre Rolle spielen. Hauptwaffe bleibt das Motorrad zwischen den Beinen, das nicht nur mithilfe der am Vorderrad montierten Säge austeilt. Rücklings entflammt es dank einer Feuerspur Öllachen zu einem flammenden Inferno. Hier darf man den umgangssprachlichen Begriff „Feuerstuhl“ durchaus wörtlich nehmen.

Hier fehlt noch Feinschliff

Obwohl das Spielsystem mit seinen Kill-Kombos und Kettenboni einen starken Arcade-Einfluss zeigt, ist es keinesfalls für Gelegenheitsspieler gedacht. Dafür sorgt schon die schwerfällige Physik des Choppers. Ultrarealismus ist keinesfalls das Ziel hinter der Gestaltung, sonst wäre die dicke Harley nicht zu Senkrechtfahrten an Gebäudefassaden imstande. Das Gefährt in der Luft auszurichten oder am Boden in die rechte Bahn zu manövrieren, ist dennoch eine Angelegenheit, die sowohl Geschick als auch Geduld erfordert. Manchmal sogar etwas zu viel. Beispielsweise scheint es kontraproduktiv für den Spielablauf, dass ein Wenden des Fahrzeugs an der Lebenskraft des aktuell verwendeten Fahrers nagt.

Das mag sich natürlich noch ändern, immerhin spielten wir eine frühe Alphafassung, doch ist Feinschliff hier dringend nötig. Insbesondere, weil es in jedem Level eine alternative Route geben soll, die die Gewichtung des Spielablaufs von der Action auf Geschicklichkeit verlagert. In der Anspielsitzung fanden wir mehrere Stellen auf der sekundären Route vor, an denen wir wenden mussten, um Treppen eines U-Bahnhofs hinunterzufahren. Warum wir gerade dort für das Einhalten unausweichlicher Gameplay-Vorgaben bestraft wurden, war nicht nachvollziehbar.

Steel Rats - Announcement Trailer
Tate Multimedia hat mit Steel Rats ein neues Adventure für PC, PS4 und Xbox One angekündigt.

Genauso beim Endgegner. Er war von einer Seite nicht zu bekämpfen, da einige seiner Schergen zum Angriff bliesen, während er in der Mitte einer abgegrenzten Arena herumtingelte. Stehen bleiben wäre tödlich gewesen, vorbeifahren und wenden durfte man aber auch nicht, ohne dafür bestraft zu werden. Das kann nicht so ganz stimmen.

Abseits davon fehlen nur noch Kleinigkeiten, um aus Steel Rats einen ansprechenden Arcade-Snack zu machen, etwa besser sichtbare Indikatoren für die Lebenskraft oder Fixpunkte, die die Kamera an besonders kritischen Stellen so ausrichten, dass der Spieler intuitiv erkennt, was er zu tun hat. Auch wären kleine Nebenaufgaben innerhalb einer Spielstufe gerne gesehen. Die müssen nicht zwingend ausformuliert werden. Beispielweise würden erkennbare Muster bei der Anordnung der kleinen Roboter zum Verfolgen einer Art Ideallinie motivieren, die der Action noch einen Hauch mehr von einem Geschicklichkeitstest einflößt.

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