Preview - Stranded Deep : Sandhaie klauen meine Kokosnüsse!

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Dass Survival-Spiele momentan unheimlich in sind, steht außer Frage. Fast täglich erscheinen neue Titel, die auf der Erfolgswelle von DayZ oder H1Z1 mitschwimmen wollen. Natürlich kommt es in so einer Situation zu einer Überflutung des Steam-Marktes, was es teilweise schwer macht, die guten von den schlechten Äpfeln zu trennen. Deswegen wollen wir jeden Monat ein Spiel aus diesem riesigen Early-Access-Haufen ziehen, um es euch genauer vorzustellen. Unser Tipp für diesen Monat besitzt viel Potenzial und schafft es bereits in seinem extrem frühen Stadium, frischen Wind in das Survival-Genre zu bringen. Der Name des Spiels: Stranded Deep.

Bevor wir aber richtig loslegen, sollte jedem klar sein: Dieser Artikel ist eine Momentaufnahme des Spiels. Es befindet sich am Anfang seiner Entwicklung und wird durch Updates hoffentlich noch ordentlich fertiggestellt. Die beiden Entwickler hinter dem Spiel konnten bis jetzt nur ein Update herausbringen und etwas Skepsis ist bei Early-Access-Spielen stets angebracht. Die Pläne des Beam Team Games Studios sind ambitioniert und können von allen Interessierten auf ihrem Blog eingesehen werden. Ende des Jahres 2015 soll Stranded Deep vollständig sein. Ob alles gutgeht, weiß natürlich im Moment niemand. Ihr könnt aber davon ausgehen, dass es zu Problemen kommen wird. Ein Spiel zu erschaffen ist ein kleines Abenteuer für die Entwickler - und im Early-Access-Programm auch für die Spieler.

Tag 198: Ich hasse Kokosnüsse!

Euer Abenteuer startet mit einem Flugzeugabsturz. Wer ihr seid oder wohin ihr fliegen wolltet, wird nicht erklärt. Fakt ist, ihr habt in eurem Rettungsboot überlebt und eine Insel gefunden. Hier beginnt der Spaß - oder auch der Horror, je nachdem wie groß eure Angst vor dem Ozean und dessen Tierwelt ist. Um in diesem extrem isolierten, aber wunderschönen Inselparadies zu überleben, müsst ihr mit dem arbeiten, was ihr findet. Auch etwas Kreativität und einfache Logik werden euch weiterhelfen, da das Spiel euch nichts erklärt. Beim Erkunden der sehr kleinen Insel, auf der ihr gestrandet seid, bemerkt ihr recht schnell andere Inseln am Horizont.

Früher oder später müsst ihr euch zu einer dieser Inseln wagen - spätestens wenn die Ressourcen auf der Startinsel erschöpft sind. Die Welt generiert sich selbst und erschafft immer wieder neue Inseln. Im Moment ist das Überleben auf einer Insel aber kein Problem. Es gibt Unmengen an Krabben, Kokosnüssen und Kartoffeln, was zu einem nie endenden Fluss an Nahrung führt. Echte Angst um euer Leben kommt so also nicht auf, es sei denn, einer der Haie gräbt sich unter die Insel, um eure Kokosnüsse zu klauen. Ja, das Spiel hat so einige Fehler, die euch der Immersion berauben können, die die eigentliche Stärke des Spiels ist.

Reif für die Insel

Vom Gameplay her bietet Stranded Deep im Moment nicht viel. Den Großteil eurer Zeit verbringt ihr mit dem Kleinhacken von Holz, Sammeln von Material und der Reise zu einer anderen Insel. Erst bei Letzterem kann es wirklich spannend werden. Wer wie wir großen Respekt vor dem offenen Meer hat, bekommt nach nur kurzer Zeit schweißnasse Hände. Nachts in einem Sturm mitten auf dem Ozean in einem kleinen Rettungsboot zu sitzen, während die Haie es umkreisen, war für uns eines der intensivsten Spielerlebnisse der letzten Monate. Die größte Herausforderung, die Stranded Deep zurzeit bietet, ist die Navigation zwischen den Inseln.

Nachdem wir uns auf der Startinsel eine kleine Hütte, ein Bett und eine nette Feuerstelle gebaut und die restlichen Baumaterialien schön ordentlich verstaut hatten, entschlossen wir uns, zu einer anderen Insel zu reisen. Kurz nachdem wir losgepaddelt waren, fielen uns seltsame Luftblasen auf dem Wasser auf. Ein versunkenes Schiff! Hier findet ihr sehr nützliche Gegenstände, die nirgendwo sonst zu bekommen sind. Teile für einen Motor, Taschenlampen, Taucherflossen oder Laternen, die sich durch die Sonneneinstrahlung aufladen. Die Suche nach diesen Gegenständen ist im Grunde das momentane Endgame von Stranded Deep.

Im Meer herumzutauchen kann unheimlich gefährlich werden, vor allem unbewaffnet. Die Haie haben nämlich nichts gegen einen kleinen Snack zwischendurch und versuchen euch sogar mit ihrer Flosse vom Boot zu schubsen. Wir trauten uns aber trotzdem ins Wasser. Die Neugier war einfach zu groß. In einer Kiste fanden wir ein neues Taschenmesser, das wir für das Zerhacken von Pflanzen verwenden können. Als wir wieder in unserem Boot sitzen, wird uns klar, was gerade passiert ist. Wir haben die Orientierung verloren. Von Weitem sehen sich die Inseln sehr ähnlich. Wo stand die Sonne? Aus welcher Richtung kamen wir? Das Gefühl der Isolation und der Einsamkeit ist in Stranded Deep erdrückend.

Wilson, es tut mir leid!

Die Präsentation hilft zum Großteil diese Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Grafisch sieht Stranded Deep wirklich gut aus, es gibt aber noch genug Luft nach oben. Die Toneffekte hingegen hören sich oft an wie Platzhalter. Vor allem der Regen klingt so, als hätten die Entwickler ihn aus einer Garage heraus aufgenommen. Die Animationen sehen noch sehr unfertig und abgehackt aus. Trotzdem zeigt Stranded Deep bereits in diesem sehr frühen Stadium viel Potenzial. Die Entwickler wollen bald ein Ende ins Spiel implementieren, um euch ein Ziel zu geben, abwechslungsreichere Inseln erschaffen und eine größere Tierwelt zum Leben erwecken. Für 15 Euro könnt ihr bereits jetzt zum Spiel greifen, wenn ihr möchtet. Der Preis ist okay, auch wenn ihr im Moment nach allerhöchstens zehn Stunden Spielzeit wirklich alles gesehen habt.

Fazit

Marek Orzechowski - Portraitvon Marek Orzechowski
Atmosphärischer Inseltrip all-exclusive

Wer in Survival-Spielen Action erwartet, wird mit Stranded Deep nicht glücklich. Das Gameplay ist langsam und teilweise sogar richtig entspannend, solange ihr euch nicht auf das offene Meer begebt. In diesem frühen Stadium lebt das Spiel größtenteils von seiner Atmosphäre. Eine Mischung aus Angst, Isolation, Einsamkeit und Romantik erwartet euch. Habt ihr eine lebhafte Vorstellungskraft, könnt ihr deutlich mehr aus dem Spiel herausholen als jemand, der lieber eine Geschichte erzählt bekommt oder Ziele benötigt. Die Spielmechaniken funktionieren zwar alle gut und auch das Leben auf den Inseln macht Lust auf mehr, bei uns schlich sich aber schon nach fünf Stunden eine leichte Langeweile ein.

In Gefahr geratet ihr auf einer Insel nicht, da es einen unendlichen Nachschub an Nahrung gibt. Ein Endgame besitzt das Spiel im Moment nicht, es sei denn, das Abtauchen zu versunkenen Schiffen, die neues Loot beinhalten, das ihr nicht wirklich benötigt, geht für euch als Endgame durch. Trotzdem bleibt mir Stranded Deep in Erinnerung. Ich kann einfach das Gefühl nicht verdrängen, das ich verspürte, als mich mitten in der Nacht auf der Reise zu einer neuen Insel ein Sturm erwischte und ich die Orientierung verlor. Diese Hilflosigkeit, diesen Horror, konnte bei mir kaum ein anderes Survival-Spiel hervorrufen.

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