Test - Styx: Shards of Darkness : Stealth-Action für Fantasy-Liebhaber

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Der zynische Haudegen, Wanderer im Schatten und Meisterdieb, Styx, ist zurück. Einige kennen ihn aus dem direkten Vorgänger Styx: Master of Shadows und andere vielleicht sogar noch aus dem ersten Spiel, welches in dieser Fantasywelt angesiedelt war: Of Orcs and Men. Der französische Entwickler Cyanide hat seinen Fans in den letzten Jahren zugehört und viele ihrer Forderungen und Anmerkungen im neuen Teil berücksichtigt. Zum wirklichen Hit fehlte aber abermals der letzte Schliff.

Styx: Shards of Darkness mag zwar der dritte Teil einer Reihe sein, Vorkenntnisse benötigt ihr aber dennoch keine. Wo in Of Orcs and Men noch ein müder Versuch unternommen wurde, eine halbwegs glaubhafte Geschichte auf die Beine zu stellen, wurde diesem Vorhaben bereits im zweiten Teil die kalte Schulter gezeigt und der gesamten Plan mit Teil 3 beerdigt. Eine, untertrieben ausgedrückt, locker zusammenhängende Geschichte, die euch durch verschiedene Level führt und mit unterschiedlichen Aufträgen konfrontiert. Mehr … gibt es darüber auch nicht zu wissen.

Spannender wird es, wenn wir uns auf das Wie konzentrieren. Der grummelige Goblin ist der einzige Vertreter seiner Art, der das Handwerk des Stealth-Genres in einem Fantasyspiel àbetreibt. Für Besitzer von Magic-Decks, Schaumstoffschwertern und Pen-&-Paper-Bögen sicher eine erfreuliche Nachricht. Die Welt in diesem Titel hat zwar so gut wie nichts eigenes zu bieten, eignet sich als hübscher Ersatz für bekanntere und ausgefallenere Welten aber ganz ordentlich.

Auf dem richtigen Weg

Unerfreulich ist hingegen, dass unser grüner Antiheld immer mal wieder der Meinung ist, er müsse die vierte Wand durchbrechen und unpassende Anspielung auf die moderne Popkultur vom Stapel lassen. Ich weiß, es gibt genügend Spieler da draußen, die solchen Humor doppelt unterstreichen. Leider wirkt der Kontrast zwischen der Ernsthaftigkeit der Fantasygeschichte und den Bourmonts, mit denen sie gespickt wurde, eher wie in Sacred 2 seinerzeit (Fans dieses Klassikers verlassen jetzt bitte den Raum). Was lustig, vielleicht sogar verspielt gemeint war, wich Fremdschämen und eine anständige Fantasywelt war für immer zerstört.

So schlimm ist es in Styx: Shards of Darkness zum Glück nicht. Dafür ist die Lernkurve in diesem Spiel ziemlich steil. Der Schwierigkeitsgrad jedoch, der uns zu Beginn förmlich ins Gesicht springt, gefällt trotz der vielen Tode erst einmal ziemlich gut. Die Wachen scheinen auf Zack, und wir sind – wie es sich für solch einen Titel gehört – nahezu darauf beschränkt, in den Schatten zu lauern und subtil vorzugehen. Eine Konfrontation mit einem bewaffneten Gegner führt zu zwei Möglichkeiten: Entweder schafft ihr es irgendwie zu kontern und zu entkommen (eine Option, die euch auf den höheren Schwierigkeitsstufen und im Koop-Modus flöten geht) oder ihr sterbt.

Ist nicht sonderlich schön, aber was haben wir auch erwartet? Wir sind ein wandelnder Barhocker, mit Ärmchen wie Streichhölzer. Und was macht der kleine Mann, der im Zweikampf stets nur den Kürzeren ziehen kann? Er ist klüger. In diesem Sinne könnt ihr in neun relativ großen Leveln die verschiedensten Gegebenheiten nutzen, um eure Mission erfolgreich zu einem Abschluss zu bringen. Hier wurde zwar offensichtlich von dem einen oder auch anderen Konkurrenztitel abgeschaut, aber hey – wer macht das nicht?

Und in Styx: Shards of Darkness wurde wenigstens clever geklaut. Jede Haupt- und Nebenmission lässt sich auf unterschiedliche Weisen enträtseln und die Bandbreite der Ideen, die hier in Form von Lösungen ihre Umsetzung erfahren haben, ist beeindruckend groß und von faszinierendem Einfallsreichtum geprägt. Ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern, doch vertraut mir gerne wenn ich behaupte, das selbst große AAA-Titel schlechtere Abschlussmöglichkeiten für Aufträge in einem Stealthgame hatten.

  • Styx: Shards of Darkness - Screenshots - Bild 1
  • Styx: Shards of Darkness - Screenshots - Bild 2
  • Styx: Shards of Darkness - Screenshots - Bild 3
  • Styx: Shards of Darkness - Screenshots - Bild 4

Die schreckliche Wahrheit

Habt ihr die ersten Areale hinter euch gebracht, besetzt jedoch zunehmend eine gewisse Routine die Stelle, die zuvor noch von einem Entdeckergeist bewohnt wurde. Zwar sind die Abschnitte schön anzusehen und haben ihren Reiz, doch verliert der Titel nach der ersten, äußerst harschen Begrüßung, eine Menge von dem, was wirklich Spaß gemacht hat: eine fordernde Schwierigkeit.

Versteht mich nicht falsch: Ihr seid auch in späteren Gebieten noch immer zwingend langsam undvorsichtig unterwegs und dürft nicht voreilig handeln. Ihr werdet trotz Levelbaum kein unbesiegbarer Krieger und schaltet auch keine legendären Waffen frei, die eure Gegner vor Furcht erzittern lassen. Doch ihr werdet begreifen, dass die anfänglichen Probleme nichts als Fassade waren. Kaum habt ihr diese durchschaut und einige Kräfte freigeschaltet, wird es einfach.

Ihr werdet erkennen, wie doof die KI in Wirklichkeit ist und wie leicht ihr diese übers Ohr hauen könnt – und damit meine ich nicht die vorgegebenen Möglichkeiten, sondern schlicht und einfach ausgedrückt das Ausnutzen von Programmierfehlern. Das Crafting-System wird sich ungefähr zu diesem Zeitpunkt als Seifenblase entpuppen, die, wenn ich mal so darüber nachdenke, euch null, aber auch wirklich gar keinen Mehrwert bietet.

Und dann wäre da noch die Sache mit der Steuerung. Im Vorgänger gab es ja massive Beschwerden und ich kann euch versichern: so schlimm ist es nicht. Bei weitem nicht, nein. Viel wurde verbessert und unterm Strich würde ich sie jetzt sogar als äußerst präzise bezeichnen. Nur in einigen Sprung- und Kletterpassagen gab es im Test noch Probleme, die meist mit einem verfrühten Ableben geendet haben. Unschön, frustrierend, aber noch im Toleranzrahmen.

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