Test - The Chronicles of Spellborn : Angriff auf den Thron-Besatzer?

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Es muss nicht immer World of Warcraft sein. Nach gut vier Jahren Entwicklungszeit veröffentlichen die Spellborn Studios mit The Chronicles of Spellborn ihr eigenes MMORPG und hoffen, sich mit frischen Ideen gegen die Konkurrenz aus dem Hause Blizzard zu behaupten.

Wie es sich für ein Online-Rollenspiel gehört, trumpft auch Spellborn mit einer umfangreichen Hintergrundgeschichte auf, die euch erklärt, wieso ihr für die nächsten Wochen oder gar Jahre durch die Reste der Ahnenwelt wandert und kämpft. Der Spieler schlüpft wahlweise in die Rasse der Menschen oder die Haut der amphibischen Daevi. Die beiden Rassen haben vor Urzeiten gegen ihre Dämonenmeister rebelliert, was zur Folge hatte, dass ihre Welt zerbarst und nun nur noch vereinzelte Scherben existieren. Als Spieler startet man auf einer solchen Scherbe und muss sich zunächst als Rekrut der Miliz von Hawksmouth beweisen.

Die nette Fantasy-Geschichte muss man sich mühsam aus dem Handbuch oder Fanseiten zusammenklauben - die Präsentation von The Chronicles of Spellborn fällt erschreckend lahm aus. Hier und da gibt es ein paar Informationshäppchen in den Questtexten. Ansonsten wisst ihr gerade zu Beginn weder, wo ihr seid, wieso ihr hier seid oder warum ihr eigentlich gerade irgendwelche Befehle ausführt. Ein guter Einstieg in die Spielwelt sieht da anders aus.

Welcome zu den Chroniken of Spellborn!

Der schwierige Einstieg wird zudem dadurch verstärkt, dass auch das Tutorial auf das Nötigste beschränkt ist. Hier und da werden euch die Grundzüge der Steuerung erklärt, danach seid ihr auf euch allein gestellt. Dies ist vor allem dann schwierig, wenn sowohl Spielmechanik, als auch Spielsteuerung deutlich von den Genre-Normen abweichen und die Erklärung im munteren Wechsel einmal in einem recht gutem Deutsch daherkommen, nur um dann wieder abschnittsweise in Englisch zu sein. Eine solch unvollkommene Übersetzung gab es das letzte Mal bei Everquest II zu bestaunen.

Wer nun auf die Idee kommt, einfach via Chat seine Mitspieler um Rat zu fragen, wird zumindest wochentags zunächst noch seine Probleme haben. Während am Wochenende die Spielerzahlen auf den Servern auf ein erträgliches Maß ansteigen, herrschte zumindest in den Anfangswochen nach Veröffentlichung des Spiels während der Woche gähnende Leere auf den Scherbeninseln, sodass man bei der Erkundung der Spielwelt auf sich allein gestellt war. Und das fällt schließlich nicht nur wegen des verbesserungswürdigen Tutorials schwer. Gehen immer mehr Online-Rollenspiele wie kürzlich erst Age of Conan den Weg, Spieler mit genauen Markierungen auf der Karte nervtötende Sucharbeiten zu ersparen, muss man sich bei Spellborn in den einzelnen Quests auf grobe Erklärungen verlassen. Wer einen bestimmten NPC suchen muss, darf so Ewigkeiten suchen.

The Chronicles of Spellborn - A Fine Day in the Midlands
Zahlreiche Kampfszenen und Eindrücke aus der Umgebung von 'Spellborn'. Das Video steht in hoher Auflösung und besserer Qualität auch als Downloa

Vom Pinsel zum Polygon

Immerhin überzeugt während euren Erkundungstouren das Art Design, sodass etwas für euer Auge geboten wird. Die Scherbenwelt von Spellborn erinnert vom Design her an eine Mischung aus einer mittelalterlichen Fantasy-Welt und der majestätisch wirkenden Scherbenwelt aus dem ersten World-of-Warcraft-Addon. Riesige Gesteinsschollen schweben über eurem Kopf, während ihr dichte Wälder erkundet. Wunderschöne Lichteffekte beleuchten die teils weitläufigen Flächen.

So hübsch das Art Design jedoch sein mag, technisch gibt es auch hier einiges auszusetzen. Der Polygon-Count der einzelnen Objekte fällt bei genauerem Hinsehen recht niedrig aus und die modifizierte Unreal 2.5-Engine geht selbst auf leistungsstarken Rechnern gerne einmal in die Knie. Zudem wirken viele Animationen unfertig. Gerade die recht natürlich agierende Tierwelt bewegt sich häufig hölzern durchs Gebüsch. Im Gegenzug überzeugen die recht detaillierten Texturen und die deutlich unterschiedlichen Szenarien, die euch auf den Scherben erwarten.

Während die Grafik somit ein zweischneidiges Schwert ist, gibt es von der akustischen Seite aus fast nur Positives zu berichten. Zwar verzichtet das Spiel komplett auf Sprachausgabe, dafür sind die Soundeffekte recht gelungenen und der Soundtrack schlicht eine Wucht. Letzterer stammt dabei aus der Feder von Jesper Kyd, der schon die musikalische Begleitung zur Hitman-Serie und Assassin's Creed besteuerte. Erneut baut Kyd dabei auf eher unterschwellige Ambiente-Musik, die sich nahezu perfekt für Online-Rollenspiele eignet, da sie nicht so schnell ermüdet.

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