Test - The Walking Dead: Season 3 : Teenage Female Zombiekiller

  • PC
  • PS4
  • One
Von Kommentieren

Badass Clementine kehrt zurück und erwehrt sich in der Welt der Zombieapokalypse von The Walking Dead erneut allerhand Gefahren. Jetzt ist das Mädchen von einst erwachsen und hat neue Freunde gefunden. Mit ihnen geht es in die nunmehr dritte Staffel der dramatischen Erzählung. Ob es spannend bleibt und ob der Staffeltitel „A new Frontier“ hält, was er verspricht, finden wir in unserem Test heraus.

The Walking Dead Season 3: A New Frontier - Ties That Bind Teil 1 und 2 Test

Welche Story darf es sein?

Zu Beginn der ersten Episode mit dem Namen "Ties That Bind" zeigt sich dasselbe Bild wie gewohnt. Schön, dass ihr euch auch in dieser Staffel aussuchen dürft, ob ihr Clementines Geschichte aus den vorherigen beiden Staffeln weiterspielt oder ob ihr eine völlig neue Erfahrung erlebt. Habt ihr die beiden Staffeln davor nicht gespielt, dann ist das auch diesmal kein Beinbruch. Ihr dürft die Entscheidungen aus den Episoden davor nämlich kurzerhand nachholen und euch noch einmal entscheiden.

Für neue Spieler ist das ein verwirrender Schnelldurchlauf durch zwei Staffeln, für Veteranen eine kurze Retrospektive der Geschehnisse und eine Auffrischung von Vergangenem. Dann geht es auch schon los mit gleich zwei Episoden: „Ties That Bind“ Teil eins und Teil zwei. Beide sind circa eine Stunde lang und damit recht kurz geraten.

Es wirkt beinahe so, als hätte Telltale eine Episode in zwei Teile aufgeteilt, um einfach eine größere Zahl an Episoden vorzuweisen. Hoffentlich werden zukünftige Teile etwas länger, sonst ist diese Staffel relativ schnell vorüber. Insgesamt soll die dritte Staffel fünf Episoden umfassen, die wir zu einem späteren Zeitpunkt testen.

Family first

Der Einstieg ist gelungen. Auch nach all den Jahren schaffen es die Autoren, den Erzählstil von The Walking Dead zu reproduzieren. Die Formel The Walking Dead verliert sich nicht zu sehr in großen, weltumspannenden Vorgängen, denn keiner in der Serie will die Menschheit retten.

Wir schlüpfen öfter in die Rolle von Javi, einem jungen Mann, der zu Beginn der Staffel seinen Platz in der Welt finden muss. Er wird plötzlich so etwas wie der Ersatzvater für die Kinder seines verloren gegangenen Bruders und dessen frustrierter Frau. Schnell schafft es Telltale wieder, dass ihr eine Bindung zu dem Charakter aufbaut und mit ihm mitfiebert, wenn er versucht, seine Familie zusammenzuhalten. Der famos geschriebene Charakter von Clementine wechselt sich dabei in regelmäßigen Abständen mit Javi ab. Wenn beide gleichzeitig im Fokus stehen, merkt man, dass gerade zwei bedeutende Charaktere miteinander interagieren.

Das Spiel konzentriert sich auf das, was die Serie seit jeher ausmacht: die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Dialoge, die wie aus dem Leben eines jeden von uns genommen sein könnten. Mal wird über Sex gesprochen, dann über die Liebe und dann rauchen die Charaktere einfach mal einen Joint und philosophieren über Gott und die Welt.

Dann wird eine trügerische Idylle hergestellt, nur um sie wieder mit äußerster Gewalt brutal zu zerstören. Das ist Drama und das ist das, was The Walking Dead auszeichnet. Dennoch wirken der Stil und die Erzählung nach all den Jahren, Episoden und Staffeln doch etwas angestaubt.

Trotz der guten Einfälle und der Höhen und Tiefen der Erzählung (von denen wir euch bewusst nichts erzählen) will mich als Veteran nichts mehr richtig schockieren wie noch in den ersten Teilen. Klar, die Geschichte um die titelgebende Gruppe „The New Frontier“ ist unterhaltsam und wendungsreich, doch irgendwie hat man das Gefühl, nichts Neues präsentiert zu bekommen.

Flashbacks eurer Vergangenheit

Das mag auch dem Verschleiß durch die vielen Erzählungen der Serie, der Comics und der Spiele geschuldet sein, doch könnte sich Telltale ruhig einmal auf etwas andere Pfade begeben. Die Fokussierung auf Co-Hauptdarsteller Javi und dessen Gruppe ist mit Sicherheit interessant, aber es fehlen große Neuerungen und Aha-Momente.

Ich bin ein großer The-Walking-Dead-Fan, bin aber zu Beginn der fünften TV-Staffel ausgestiegen, da sich die Serie meiner Meinung nach im Kreis dreht. Dasselbe sehe ich mittlerweile leider auch in der Videospieladaption. Für Neulinge muss das aber nichts Schlechtes sein. Sie bekommen das, was man von der Serie erwartet.

Doch was Neues?

Eine Neuerung sind mit Sicherheit die Rückblenden von Clementine. Immer wieder wird die stark aufspielende Clementine mitten im Spielablauf von Erinnerungen ihrer bewegten Vergangenheit heimgesucht. Diese Rückblenden sind gelungen und wunderbar auf eure Entscheidungen abgestimmt.

Seid ihr in den vorherigen Episoden bei bestimmten Charakteren geblieben, so seht ihr nun deren tragische Geschichte und von manchen sogar deren Ende. Ein wunderbarer Abschied von so mancher lieb gewonnenen Person. Leider war es das auch schon, ansonsten werdet ihr als The-Walking-Dead-Veteran keine Neuerungen entdecken.

Es fällt zudem auf, dass die Passagen, in denen ihr frei herumlaufen und erkunden dürft, sehr stark abgenommen haben. Oftmals entscheidet ihr nur noch bei den Dialogen oder in den Quick-Time-Events. Es ist fraglich, ob sich dieser Umstand in den verbliebenen drei Episoden groß ändern wird. Wir sind aber gespannt, was sich die Autoren für die kommenden Teile einfallen lassen. Das Ende jedenfalls wirft einige spannende Fragen auf, die es zu klären gilt.

Nicht ganz sauberes Deutsch

Telltale hat grafisch noch etwas geschmeidigere Charaktermodelle gezaubert. Auch die Animationen wirken nun nicht mehr so stocksteif wie in den Anfangstagen. Die Technik ist, wie Clementine, erwachsener geworden. Was stört, sind die sehr schwachen Übersetzungen.

Zum Teil sind die Texte nahezu unverständlich. Unser Tipp: Hört euch das englische Original an – damit werdet ihr den meisten Spaß haben. Die originalen Synchronsprecher sind wieder einmal top und die Musik untermalt alles passend.

Greift zu, wenn...

... ihr vom The-Walking-Dead-Kosmos nicht genug bekommen könnt und die Geschichte von Clementine weiter verfolgen möchtet.

Spart es euch, wenn...

... ihr Innovationen erwartet und schon etwas angeödet vom immer gleichen Szenario seid.

Fazit

Sascha Sharma - Portraitvon Sascha Sharma
Altbewährtes und kaum Neues

Was ihr mit der dritten Staffel von The Walking Dead bekommt, ist das, was ihr schon in den vorherigen beiden Staffeln gesehen habt. Clementines Geschichte wird konsequent weitererzählt. Der neue Charakter Javi reiht sich gut ein. Wer also The Walking Dead erwartet, der erhält, was er sich verspricht.

Wer allerdings etwas Neues sehen möchte, wird enttäuscht. Es ist fast alles beim Alten geblieben. Für mich als Serien-Fan muss Telltale schon etwas mehr auffahren, um mich wieder vollends zu überzeugen, denn das Konzept verliert langsam seinen Reiz. Ich bin gespannt, ob die Entwickler in den verbleibenden drei Episoden etwas mehr wagen.

Überblick

Pro

  • starke Erzählung
  • gute Synchronisation
  • neuer Hauptcharakter
  • interessante Flashbacks
  • dramatische Geschichte
  • viele neue Charaktere

Contra

  • kaum neue Einfälle
  • schwache Übersetzung
  • beim Alten belassene Spielmechanik
  • etwas kurze Episoden
  • wenig Bewegungs- und Handlungsfreiheit

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel