Test - Titan Quest : Ganz schön alt

  • PS4
  • One
Von Kommentieren

Ich war und bin absoluter Konsolenzocker. Ein PC stellte immer schon mehr Arbeitsgerät denn Spielemaschine dar. Anno 2006 lockte mich ein Titel jedoch mächtig: Titan Quest. Ich mochte den Mix aus griechischer Mythologie und Action-Rollenspiel-Ansatz à la Diablo. Gespielt habe ich es aber nie, weil mein PC die Hardware-Anforderungen einfach nicht packte. Spätestens nach dem Ende des damaligen Herstellers THQ gab ich dann die Hoffnung auf eine Konsolenvariante auf. Tja, das war offensichtlich zu früh!

Schlappe zwölf Jahre nach dem PC-Release erscheint Titan Quest für PS4, Xbox One und Nintendo Switch. Nun gut, dachte ich mir, hole ich das Spiel halt doch noch nach. Nach so langer Zeit dürfte sich technisch und spielerisch einiges getan haben, schließlich leben wir in einer Zeit der Neuauflagen und Remasters. Doch schon kurz nach dem Start dünkt mir, dass ich falsch liegen sollte…

Denn Titan Quest pfeift auf grafische Schmankerl und spielerische Neuerungen. Die höhere Auflösung sorgt vielmehr dafür, dass das Alter noch offensichtlicher wird. Dieses Spiel stammt aus dem Jahre 2006 – und scheint fast ein wenig stolz darauf zu sein: Ganze Baumreihen tauchen aus dem Nichts auf, Texturen laden spät nach, Gegner hängen in der Luft, Ruckeln bei fast jeder Bewegung – technisch gibt sich Titan Quest sehr antiquiert.

Spielerisch geht es ebenso altbacken zu: Ich schicke mit einer Heldin oder einem Helden scharenweise mythische Kreaturen zurück in den Hades, um die Welt vor der Vernichtung durch die bösen Titanen zu bewahren. Auf Wunsch halte ich die Angriffstaste gedrückt und attackiere automatisch alles, was sich in Reichweite befindet. Von Kurzschwertern über magische Speere bis hin zu diversen Bögen reicht das Arsenal, daneben lässt meine Figur je nach gewählter Sub-Klasse verschiedene Zaubersprüche vom Stapel, die sich verstärken lassen. Warum diese jedoch nur umständlich via Steuerkreuz ausgelöst werden können, wissen einzig die Götter.

Wenig Feind, wenig Ehr'

Meine Metzeltour führt durch Wälder, Sümpfe, Wüsten, Tempel und Höhlen, die sich von Griechenland über Ägypten und den fernen Osten bis – dank der Erweiterung Immortal Throne – in die Unterwelt erstrecken. Zwischen dem ganzen Gekloppe verteile ich Fähigkeitenpunkte, kaufe und verkaufe Gegenstände in den feindfreien Städten oder lagere einen Teil meines Krempels ein.

Nervig ist, dass ich zwar einiges an Loot finde, allerdings fast immer zu einem Zeitpunkt, an dem ich diese Waffen oder Rüstungsteile aufgrund meiner zu geringen Statuswerte nicht nutzen kann. Selbst Stunden später mangelt es meinem Krieger teilweise noch am dafür erforderlichen Level – das nervt mächtig. Insbesondere, weil ich in dieser Zeit einen Schwung neues Zeug gefunden habe, das ich aber ebenfalls nicht einsetzen darf…

Titan Quest - Consoles Release Trailer
Der Klassiker Titan Quest ist ab heute auch für die aktuellen Heimkonsolen Xbox One und PS4 zu haben.

In Sachen spielerischer Abwechslung hat Titan Quest ebenfalls wenig auf der Pfanne: Ich haue im gesamten Spielverlauf nur ein gefühltes Dutzend verschiedener Feinde weg, beispielsweise Skelette, böse Geister und angriffslustige Zentauren. Dicke Bossgegner stellen eine absolute Seltenheit dar und werden so schnell plattgemacht, wie sie gekommen sind. Während andere Spiele ständig mit brauchbarem Loot und vielfältigen Gegnertypen locken, markiert Titan Quest in beiderlei Hinsicht den Spießer.

Vor zwölf Jahren hat dieses Spiel bestimmt Laune gemacht. Aber in der Zeit nach Diablo III fehlt es klar an motivierender Spielgestaltung sowie sauberer technischer Aufmachung. Bereits nach wenigen Stunden schleicht sich eine Mischung aus Routine und Langeweile ein, die nicht mehr abnimmt. Zwar konnte ich den Online-Mehrspieler-Modus zum Testzeitpunkt noch nicht ausprobieren, bezweifle jedoch, dass dieser länger bei der Stange hält.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel