Test - Tony Tough 2 : Tony Tough 2

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Die Fortsetzungsschwemme hat das Adventure-Genre wieder erreicht: Nachdem sich die gebeutelten Point’n’Click-Abenteuer innerhalb der letzten fünf Jahre langsam rehabilitierten, stehen nun die offiziellen Sequels der modernen Vertreter an. Auch ‘Tony Tough’ wird nicht verschont und bekommt storytechnisch ein Prequel spendiert, dessen Spielqualität leider wie ein Sägeblatt rauf und runter geht.

Tony Tough, übernehmen Sie

Wie wird man ein echter Privatdetektiv? Genau dies fragt sich der gute Tony, der im zarten Alter von dreizehn Jahren kurz vor seinem ersten Fall steht. Er lebt in einem nahezu verlassenen Dorf, welches gerade mal 21 Einwohner fasst. Zuletzt verschwand sogar der Bürgermeister höchstpersönlich, wobei Tony und dessen bester Freund Seymour an eine Entführung von Außerirdischen glauben.

‘Pulp Tough’

Die eigentliche Geschichte des Spieles zu erklären, ist recht schwierig: ‘Tony Tough 2’ ist in sieben mal zwei Kapitel eingeteilt, zwischen denen ihr immer wieder gerenderte Zwischensequenzen seht. Anfangs stiften diese enorm viel Verwirrung, weil sie scheinbar schlecht und viel zu flott geschnitten sind. Doch diese Schnipsel werden von Kapitel zu Kapitel immer wieder neu aufgegriffen und um neue Storyelemente erweitert. Die resultierende Erzählstruktur ist äußerst faszinierend und könnte rein aufgrund seiner experimentellen Darstellungsweise locker mit einem künstlerisch wertvollen Film mithalten.

Es sei nur soviel verraten: Nach zwei knappen Einführungskapiteln möchte Tony dem Rat eines Buches über Privatdetektive folgen und sich eine Perücke besorgen. Dies sei schließlich das wichtigste Element für solch einen Beruf, womit wir beim nächsten Pluspunkt des Spieles wären: Der Humor ist enorm abgedreht. Der gute Tony nimmt wahrlich kein Blatt vor den Mund und selbst sexuelle Anzüglichkeiten entweichen ihm. Auch die meisten anderen Einwohner sind größtenteils auf ihren eigenen Vorteil bedacht und reden, wie es ihnen gefällt, was dem Spieler wiederum viel Spaß bereiten dürfte.

Während der Suche nach der Perücke passieren immer mehr mysteriöse Ereignisse, welche Tony letztendlich auf den Grund gehen möchte. Dabei löst er ganz nebenbei seinen ersten Fall als Privatdetektiv, soviel sei verraten. Netterweise gehört der Abspann nicht zu der Genre-üblichen ‘dreißig Sekunden Rendervideo und fertig ist’-Sorte, sondern er ist erfreulich lang und aufschlussreich... auch wenn letztendlich nicht alle Fragen direkt aufgeklärt werden.

Clevere Puzzles contra Designschwächen

Wir machen weiter mit dem Lob: Die Rätsel sind fast durchgehend logisch und nachvollziehbar. Es gibt keine Sackgassen oder Sterbeszenen, weshalb ihr nach Gutdünken ausprobieren solltet, was euch in den Sinn kommt. Nebenbei werdet ihr mit vielen, extra geschriebenen Dialogen belohnt, wo andere Spiele gerade mal ein stereotypes ‘Das kann ich nicht benutzen. ‘ von sich geben würden. Auch ansonsten ist die Spielwelt für ein Adventure überraschend lebendig, weil einige Charaktere manchmal ihren Standort wechseln. In fast allen Fällen hat dies keine Auswirkungen auf die Rätsel, es soll einfach nur die Glaubwürdigkeit der Bewohner untermauern.

Leider haben sich ansonsten viele, kleine Detailmacken ins Design geschlichen, welche den Spielspaß wie mit kleinen Stichen traktieren. Allen voran ärgerten uns ein paar sehr nervige Begebenheiten der Marke ‘Führe erst Aktion A aus, bevor du Aktion B starten darfst’. Bestes Beispiel ist die Erlaubnis, Seymours Haus betreten zu dürfen: Diese Option ist erst dann verfügbar, wenn ihr zuvor bei der Kirche (!) abgewiesen wurdet. Ganz entfernt steckt hinter dieser Verbindung auch ein klein wenig Logik (welche wir euch nicht verraten möchten), trotzdem hätten die Entwickler sie besser weglassen sollen.

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