Test - Wolfenstein 2: The New Colossus : Einer der geilsten Shooter der letzten Jahre jetzt für Switch

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Doom war nur die Trainingsmission. Die echte First-Person-Shootergranate aus dem Hause Bethesda heißt Wolfenstein 2: The New Colossus und Panic Button hatte alle Hände voll damit zu tun, den Koloss auf die vergleichsweise schwache Switch zu portieren. Natürlich musste das Spiel Federn lassen. Wie viel nach dem Rupfen noch davon übrig blieb, verrät unser Test.

Düster, makaber, grausam. In Wolfenstein 2: The New Colossus schaut der Hauptdarsteller der Fratze des Bösen buchstäblich ins Gesicht. Wir befinden uns in einem alternativen Universum, in dem die Nazis (in der deutschen Version „Das Regime“ genannt) den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die USA eingenommen haben. Kampfsau B. J. Blaskowizc vermochte im Vorgänger zwar den Kopf der Schlange abzutrennen, doch das Unglück hatte längst seinen Lauf genommen. Nun liegt er in Fesseln und muss wider Willen den grausamen Taten der SS-Führerin Irene Engel beiwohnen.

Rache kann ein starker Motivator sein. Weder sein geschundener Körper noch ein Rollstuhl hindern unseren Aushilfs-Rambo am Vollstrecken seiner bleigeschwängerten Vendetta. Mit ein wenig Glück, den Informationen einer Deserteurin und der Hilfe futuristischer Technologie an Bord eines Super-U-Boots kommt er buchstäblich wieder auf die Beine. Wer sich ihm jetzt entgegenstellt, hat ganz schlechte Karten. Aber wem erzähle ich das? Wolfenstein 2 ist ja schon eine ganze Weile zu haben. Der Inhalt dieses actiongeladenen Shooters, in dem unauffälliges Schleichen oft eine wichtige Alternative darstellt, dürfte den meisten längst bekannt sein.

Wo sind meine Kontaktlinsen?

Einen Ego-Shooter spielt man aus dem Blickwinkel des Helden, daher ja auch die Genrebezeichnung. Wenn ich das wörtlich interpretiere, dann komme ich zu der Erkenntnis, dass Hauptdarsteller B. J. Blaskowizc eigentlich eine Brille trägt, die er vor seinem Ausflug auf die Switch verlegt haben muss.

Denn wenn selbst das Fadenkreuz stellenweise so pixelig wird, dass man meint, die NES-Version von Wolfenstein 2 zu spielen, dann muss die Auflösung wirklich verdammt weit in den Keller fallen.

Doch Entwarnung: Falls das mal passiert, ist es zum Glück nur von kurzer Dauer. Die meiste Zeit ist das Erlebnis einigermaßen scharf. Nie so scharf natürlich wie auf Xbox One oder Playstation 4, vom PC ganz zu schweigen, aber im Docked-Modus noch immer einigermaßen ansehnlich in 720p bei annehmbaren, aber keinesfalls idealen 30 Bildern pro Sekunde. Viel besser, als man es von einer kleinen Nintendo Switch erwarten würde.

Abstriche müssen selbstverständlich vor allem bei der Optik auf einem großen Fernseher gemacht werden: Viele Texturen im Docked-Modus sehen aus, als wären sie noch fürs Nintendo 64 entworfen, der Schattenwurf bekommt kaum eine gerade Linie gezeichnet und die Lichteffekte haben sichtlich an Glanz verloren. Nichts spiegelt sich mehr im Wasser und das kühle Nass wirft nicht einmal mehr Wellen, wenn man darauf schießt.

Aber wen juckt das wirklich? Wer hat angesichts der Action in diesem Spiel überhaupt Geduld und Zeit, sich über fehlende Wasserspiegelungen aufzuregen? Denn wer Wolfenstein 2 in seiner vollen Pracht am Fernseher erleben möchte, sollte dafür ohnehin nicht auf Nintendos Switch zurückgreifen, sondern auf PC, Xbox One oder PS4, sofern eins davon zur Verfügung steht. Am Ende besteht die eigentliche Frage darin, ob es unterwegs etwas taugt.

Der mobile Shooter-Wahnsinn

Ich behaupte jetzt mal, dass selbst der langweiligste Interkontinentalflug in einem Wimpernschlag verpufft, wenn man unterwegs Wolfenstein 2 auf der Switch startet. Das komplette Spiel wurde von A bis Z auf 21 Gigabyte gequetscht mit jedem Story-Video, jedem Gespräch und jedem noch so kleinen Objekt. Tatsächlich wurde die Geometrie gewisser Szenen sogar um ein paar Objekte ergänzt, um die Sichtweite zu kappen. Eine Maßnahme, die leistungsschonende Wirkung hat.

Der Entwickler Panic Button hat hervorragende Arbeit abgeliefert. Auf dem kleinen Switch-Bildschirm sind zwar diverse Einsparungen erkennbar, gerade wenn es um die Qualität der Lichteffekte geht. Haut, Metalle und Wasser betrifft das ganz besonders. Aber alles andere ist so nah an der Qualität der anderen Plattformen, dass kein Zweifel aufkommt: Wolfenstein 2 auf Switch ist keine Adaption, keine Sparversion, wie man sie üblicherweise auf Handhelds vorfindet. Es geht um das Original mit Haut und Haaren, das fantastisch an die Möglichkeiten angepasst wurde. Und keine Sorge: Im mobilen Modus erkennt man das Herunterfahren der Auflösung weit seltener, obwohl es faktisch genauso oft auftritt. Niemand dürfte sich daran stören.

Ärgerlich sind ganz andere Dinge. Etwa die Unkenntlichkeit des kleinsten Fadenkreuzes in Form eines kleinen Punkts. Im Flugzeug ist er bestimmt zu sehen, nicht aber im wackeligen U-Bahn-Abteil. Auch die Schrift der Tooltipps hätte um ein bis zwei Punkte vergrößert werden dürfen. Nicht einmal in ruhiger, gut beleuchteter Umgebung sind sie entzifferbar. Zudem leidet die Switch-Fassung unter dem gleichen Manko wie alle anderen Versionen: Wird der Held von einem Projektil getroffen, so erkennt ihr nicht, von welcher Seite es angeflogen kam. Ärgerlich!

Somit steht eines Fest: Wolfenstein 2 ist der Wahnsinn für unterwegs, solange man sich vollends auf das Spiel konzentrieren kann. Orientierung bewahren, Waffen horten, Schalter umlegen, Handlung verfolgen – das ist alles nichts für eine zehnminütige U-Bahn-Fahrt, zumal die Speicherpunkte dafür zu weit auseinanderliegen. Manuelles Speichern ist jederzeit möglich, aber daran denkt man beim Umsteigen nicht immer. Wer ideale Shooter-Unterhaltung auf kurzen Strecken sucht, ist mit dem schellen und heftigen Doom viel besser beraten.

Geringfügige Kompromisse

In allen anderen Belangen könnte das Ergebnis nicht besser ausfallen. Na gut, angesichts der vorherrschenden Obergrenze von 30 Bildern pro Sekunde fällt das schnelle und genaue Zielen allgemein etwas schwerer als in allen anderen Versionen. Auch der etwas klein geratene Aktionsradius der Analogsticks auf den Joycons trägt Schuld daran.

Wolfenstein II: The New Colossus - Switch Launch Trailer
Zum Release der Switch-Version von Wolfenstein II: The New Colossus gibt es hier den Launch-Trailer für euch.

Um dem entgegenzuwirken wurden einige Szenen minimal entschärft. Etwa jene, bei denen viele der großen Laserroboter euch umstellen. Damit ihr nicht gleich beim ersten Fehltritt über den Jordan geht, wurde ihnen weniger Zielwasser eingeflößt. Angst vor einer Weichspülfassung ist aber ungerechtfertigt. Das Spiel bleibt weiterhin fesselnd und fordernd. Die KI macht wahrlich keine Gefangenen und nutzt jeden erdenklichen Vorteil, um euch das Lebenslicht auszupusten.

Kenner kommen ansonsten sofort zurecht, weil die Steuerung deckungsgleich mit den früheren Versionen ist und beim Schießen sogar etwas reaktionsfreudiger ausfällt. Schließlich fehlen der Switch analoge Schulterköpfe. Was bei Rennspielen höchst nachteilig ist, mutiert an dieser Stelle zum Vorteil.

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