Test - Anthem : Testtagebuch, Teil 3: Endgame und Fazit

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Nachdem ich bereits mit Javelin-Level 19 die Story beendet hatte, stand einige Stunden Grinden auf dem Plan. Denn erst ab Stufe 30 öffnet sich bei Anthem das Endgame. Gehen damit auch endlich neue Missionen, fette Bosse und geiler Loot einher?

>> Unser Testtagebuch zu Anthem, Teil 1 - hier entlang!

>> Unser Testtagebuch zu Anthem, Teil 2 - hier entlang!

Nach dem Ende der drögen Geschichte saß ich leicht perplex vor dem Bildschirm. Von The Division und Destiny war ich gewohnt, dass mit dem Abschluss der Kampagne das Endgame anfängt. Doch bei Anthem ist das anders – wie so vieles. Die nächsten Stunden geht es also nur darum, auf Stufe 30 aufzusteigen.

Meine Hoffnung, nun zumindest neue und anders aufgebaute Missionen zocken zu dürfen, musste ich schnell begraben. Verschiedene Personen in Fort Tarsis halten regelmäßig Aufgaben für mich bereit, die nach dem bekannten Muster ablaufen. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich die immer gleichen Einheiten von Skar und Dominion inzwischen über den Haufen geschossen habe. Wollte oder konnte Bioware nur eine Handvoll Feindtypen in Anthem unterbringen? Muss ich für neue Gegner auf einen DLC warten? Oder will mir das Spiel mit dieser Monotonie irgendetwas sagen?

Ich habe Zeit, mir diese und weitere Fragen zu stellen. Schließlich spule ich praktisch nur noch Automatismen ab. Ja, im Prinzip machen die Ballereien nach wie vor Spaß. Weil ich praktisch immer im Squad zocke, kracht und knallt es wunderbar, wenn vier Freelancer loslegen. Löblich ist auch der Zusammenhalt, denn wenn ich am Boden liege, kommt eigentlich immer ein Teammitglied herbei und hilft mir auf.

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Kurzes Vergnügen

Inzwischen zocke ich nur noch auf Stufe "Schwer", denn das erhöht die Chance auf den lilafarbenen, epischen Loot. Damit wird glücklicherweise nicht gegeizt, sodass ich meinen Javelin nach fast jeder Mission verbessern kann. Nach wie vor setze ich primär auf den Ranger, einfach weil ich mich an diese Klasse gewöhnt habe. Dennoch bleibt sein Potenzial beschränkt. Denn auch mit zunehmender Spielzeit nebst höherem Level kommen keine neue Fähigkeiten hinzu.

Ich muss weiterhin mit zwei Schusswaffen, Granate und Abschussvorrichtung in den Kampf ziehen. Ehrlich gesagt reicht das bisher aber auch, da keine der verfügbaren Missionen taktische Meisterleistungen erfordert. Auf Schwachstellen ballern, ausweichen und zwischendurch Munition einsammeln genügt nach wie vor, um jeden Einsatz ohne Probleme abzuschließen. Ganz klar machen dabei Storm und Colossus die meiste Arbeit, denn beide Klassen haben richtig Power.

Ich reihe also Mission an Mission und nähere mich schrittweise dem ersehnten Level 30. Mitten in diese Tristesse mischt sich eine Überraschung. Ungefähr bei Javelin-Level 26 erhalte ich auf einmal meine erste Waffe der höchsten Stufe "Meisterhaft". Die Pistole mit Stärke 58 übertrifft alle anderen Knarren um ein Vielfaches. Auch bringt sie eine besondere Eigenschaft mit: Wenn ich während des Schwebens schieße, erhöht sich der Schaden um 200 Prozent. Auch die übrigen vier Perks können sich sehen lassen. Meine Freude ist vor allem deshalb groß, weil nach zig Stunden Spielzeit erstmals etwas Unerwartetes passiert ist.

Ich bin Großmeister!

Anschließend geht es in bekannter Manier weiter. Nach jeder Mission führt der Weg in die Schmiede. Dort tausche ich mein leichtes Maschinengewehr der Stufe 34 gegen das leichte Maschinengewehr der Stufe 35, setze das bei der Granate fort und verfahre genauso bei den Komponenten zur Verbesserung von Angriffskraft oder Schild.

Die Dialoge im Vorfeld eines Auftrags breche ich gleich ab, weil die Figuren ohnehin nur heiße Luft absondern. Es geht um geheimnisvolle Relikte, böse Monster und große Helden, doch mittlerweile weiß ich, dass hinter dem ganzen Blabla nichts steckt. Sobald ich mit meinem Javelin loslege, erwartet mich der übliche Trott. Von epischen Momenten wird in Anthem leider nur gesprochen, spielen kann ich sie nicht.

Dabei wäre so viel mehr möglich, denn allein die Größe und Gestaltung der Spielwelt Bastion bietet massig Raum für Abwechslung. Auf dem Weg zum nächsten Gefecht sehe ich ständig Schauplätze, an denen etwas passieren könnte, doch die bleiben eine hübsche Kulisse. Genauso sind Gebiete unter Wasser lediglich schmückendes Beiwerk: Ich kann abtauchen, doch mehr als ein paar sammelbare Ressourcen erwarten mich dabei nicht. Statt Kämpfe an interessanten Orten auszutragen, rase ich zumeist nur an Letzteren vorbei.

Nachdem ich endlich Stufe 30 erreicht habe, werden drei neue Schwierigkeitsgrade freigeschaltet: Großmeister 1 bis 3. Jeder davon geht mit einer Empfehlung für meine Javelin-Stufe einher. Vorerst ist nur Großmeister 1 realistisch und bereits hier geht es ordentlich zur Sache: Die Feinde sind zäher und verursachen mehr Schaden, dafür purzeln allerdings bald schon die nächsten beiden Meisterwerkgegenstände heraus. Weitere zu erhalten und damit den Anzug fortlaufend stärker zu machen, ist aktuell der Inhalt des Endgames. Also wird bis auf Weiteres wiederholt, bis der Anzug glüht.

Abseits der regelmäßig respawnenden Nebenaufgaben und der drei Festungen ist bei mir nur noch die Herausforderung der Tapferkeit offen – und das seit dem Ende der Story. Dabei wird es aber auch bleiben: Ich habe weder Lust, 25 Festungen zu absolvieren, noch 100 Ereignisse in der offenen Welt mitzumachen. In ein paar Wochen schaue ich erneut rein, um zu sehen, was sich getan hat. Bioware hat noch Pläne für die kommenden Wochen, darunter neue Aufgaben und Belohnungen, ein erweitertes Fortschrittssystem sowie besondere öffentliche Events. Doch vorerst lege ich eine Pause ein, denn derzeit hat mir Anthem nichts mehr zu bieten.

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