Test - Astral Chain : Platinum für die Massen

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Astral Chain ist das neue Action-RPG von PlatinumGames, dem Kultstudio, das unter anderem auch für Bayonetta und Nier: Automata verantwortlich zeichnet. Das futuristische Setting und die komplexe Story laden zum Erkunden ein, doch können auch die neuen Kampfmechaniken fesseln? Denn dieses Mal seid ihr nicht alleine unterwegs, sondern mit mächtigen Partnern, die euch im Kampf beistehen. Gegen ihren Willen.

In einer nahen Zukunft öffnen sich überall auf der Welt als Portale bezeichnete Wurmlöcher in eine andere Dimension, der sogenannten Astralebene. Dieser unendlich erscheinende Ort wird von verstörenden Lebewesen bewohnt, die von der Menschheit Chimären getauft werden. Die teils humanoiden Kreaturen dringen immer wieder in unsere Welt ein und entführen Menschen, während ihre bloße Existenz den Planeten zu vergiften scheint.

Alle, die den Spuren der Chimären, dem Rotstaub, zu lange ausgesetzt sind, werden schwer krank und verwandeln sich schließlich selbst in missgestaltete Kreaturen, die alles und jeden attackieren. Ist das Kontaminationsniveau überschritten, lässt sich der Vorgang nicht mehr rückgängig machen. Die Folge wird in letzter Konsequenz die nahezu komplette Auslöschung der Menschheit sein.

Um dem zu entgehen, hat eine kleine Gruppe von Menschen die Arche geschaffen, eine künstliche Insel, irgendwo im Meer. Hier gründen die Überlebenden eine neue Gesellschaft und bereiten sich auf den Gegenangriff vor. Doch es dauert nicht lange, da wird auch dieser Ort von den Chimären heimgesucht.

In Astral Chain übernehmt ihr die Kontrolle über einen der Howard-Zwillinge, entweder einen jungen Mann oder seine Schwester. Die beiden wurden als Kleinkinder von dem Polizisten Maximilian Howard adoptiert und nun, erwachsen und selbst Polizisten, werden sie mitten in die Auseinandersetzung zwischen Menschheit und Chimären gezogen. Nicht wissend, dass sie den Schlüssel dazu besitzen, diesen Kampf für immer zu beenden.

Zur Story

Die Handlung von Astral Chain wird nach und nach in elf Kapiteln erzählt und in jedem enthüllt sich ein wenig mehr über die Geheimnisse der Astralebene und ihrer Bewohner, den Chimären. Während ihr der Hauptmission folgt, könnt ihr zusätzlich diverse Nebenmissionen annehmen und so mehr über die Überlebenden auf der Arche erfahren.

Hin und wieder bestehen diese Nebenmissionen daraus, eine entführte Person aus der Astralebene zu retten und gegen einen optionalen Boss anzutreten. Meist sucht ihr einfach nur einen Fußball für Straßenkinder, rettet Katzen, schenkt einem Kind ein Eis aus zwölf Kugeln, die ihr sicher vom Verkaufsstand zum Empfänger balancieren müsst, oder helft einem Kollegen, eine Diebesbande ausfindig zu machen.

Die Hauptaufgaben sind da schon deutlich spannender und man merkt in den knapp 20 Stunden, die ihr zum einmaligen Durchspielen durchaus braucht, dass die Entwickler eine interessante Vision hatten, die sie mit euch teilen möchten. Doch beim Erzählstil hapert es.

PlatinumGames schafft es über weite Strecke nicht, die Geschichte schlüssig darzustellen. Viele Details fehlen selbst dann, wenn ihr alle Aufgaben absolviert und jeden Hinweis gefunden habt. Ganz zu schweigen von den abrupten Richtungswechseln. Solcherlei Lücken im Plot sorgen letztendlich sogar dafür, dass sich der finale Sieg nicht halbwegs so großartig anfühlt, wie er es sollte. Es bleiben zu viele Fragen unbeantwortet. Etliche Ereignisse müsst ihr einfach hinnehmen und hoffen, dass das alles schon irgendwie seine Richtigkeit haben wird.

Das Spielprinzip

In Astral Chain erkundet ihr recht übersichtliche Maps, in denen ihr auf verschiedene NPCs trefft. So erhaltet ihr besagte Nebenmissionen und erfahrt mehr über eure Umgebung und den Feind. Sobald ihr der Hauptmission weiter folgt, führt euch das Spiel durch recht schlauchige Level, in denen sich euch regelmäßig kleine Gruppen von Gegnern entgegenstellen.

Diese bekämpft ihr mit einer von fünf Legionen, künstlich erschaffenen Chimären, die mit einer astralen Kette an den Charakter gebunden sind. Aufgrund dieser Kette ist der Wirkungsbereich eures Verbündeten zwar beschränkt, dafür könnt ihr sie nutzen, um Feinde zu umwickeln und damit kurzzeitig zu betäuben oder einen anstürmenden Gegner aufzuhalten und wegzuschleudern.

Jede Legion verfügt über andere Stärken wie Schwächen und kann im Verlauf der Geschichte gelevelt werden. So erhält sie neue Angriffstechniken, etwa die Möglichkeit, mit euch zusammen Komboangriffe auszuführen, verbesserte Werte für Angriff und Verteidigung und so weiter und so fort. Außerdem lassen sich verschiedene Fähigkeitencodes finden, die die Werte eurer Begleiter drastisch verändern. Je stärker der besiegte Feind, umso besser der Code.

Gleichzeitig seid ihr selbst dazu in der Lage, den Chimären ordentlich Paroli zu bieten. Eure Waffe, der X-Schlagstock, versetzt dem Feind schnelle Hiebe, kann sich aber je nach Bedarf auch in eine Pistole verwandeln, um weit entfernte sowie fliegende Gegner zu erwischen. Später steht ebenfalls der Legatus zur Verfügung, eine Art Großschwert, das langsam zuschlägt, dafür jedoch verheerenden Schaden anrichtet.

Der Trick in den Kämpfen besteht darin, eure Legion im richtigen Augenblick angreifen zu lassen, bei Gefahr zurückzurufen und darauf zu achten, dass sie nicht zu lange im Gefecht ist, damit sie nicht überhitzt. In dem Fall zieht sich das Wesen nämlich zurück und steht für einen längeren Moment nicht zur Verfügung. Dies ist vor allem dann ein Problem, wenn ihr eine Chimäre ohne Hilfe der Legion nicht besiegen könnt, weil ihr deren spezifische Fähigkeiten benötigt.

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Zu Beginn sind die Kämpfe mit der Legion schwierig, da ihr auf eine Menge gleichzeitig achten müsst, doch Astral Chain versteht es gut, neue Möglichkeiten im Kampf behutsam einzuführen und euch dadurch die Chance zu geben, das Spiel ohne das Gefühl gehetzt zu werden zu erlernen. Sobald man den Dreh raus hat, sind die Kämpfe ziemlich spaßig und abwechslungsreich.

Von den beeindruckenden Animationen, den tollen Lichteffekten und den flüssigen Kombos seht ihr als Spieler selbst leider recht wenig. Meist ist man vollauf damit beschäftigt, auf die Bewegungen der Feinde zu achten und sich diesen anzupassen, etwa auf einen Lichtblitz zu warten, der anzeigt, dass ihr einen Komboangriff ausführen könnt, oder beständig Schwärmen aus kleineren Chimären auszuweichen.

Aufgrund der Kamera, die sich schwer kontrollieren lässt, enden Kämpfe gegen mehrere Feinde zudem oft in Unübersichtlichkeit. Noch schlimmer wird es, wenn ihr Charakter und Legion gleichzeitig steuert. Der Winkel macht es oft schwer, den Abstand zur eigenen Chimäre richtig einzuschätzen und Gegner wie gefordert einzuwickeln.

Außerdem ist das Spiel durchgehend zu leicht. Erst im freischaltbaren Schwierigkeitsgrad Pt ultimativ werden die Auseinandersetzungen herausfordernd. Davor schlachtet ihr euch recht mühelos durch die Gegnermassen. Die einzige Ausnahme bildet der Endkampf, der deutlich anspruchsvoller ist als der Rest des Spiels und selbst auf Einfach zu einem wahren Kampf auf Leben und Tod werden kann, wenn man nicht auf einen solchen Wechsel im Grad der Herausforderung vorbereitet ist.

Davon abgesehen fallen die Bosse bis zum Finale nicht sonderlich anspruchsvoll aus, was allein schon daran ersichtlich ist, dass sie direkt im Anschluss als normale Gegnertypen wieder auftreten. Allesamt verlangen sie eine bestimmte Vorgehensweise, die meist schon dadurch erfüllt wird, dass ihr einfach tut, was ihr zuvor im Tutorial erlernt habt.

Der Umfang

Astral Chain verfügt über drei Schwierigkeitsgrade und verlangt für einmaliges Durchspielen knapp 20 Stunden eurer Zeit. Es gibt mehr als 160 Feindarten, die sich teilweise stark ähneln und meist nur in ihren Werten voneinander unterscheiden. Trotzdem fühlen sich die Kämpfe sehr abwechslungsreich an, da die Gegnertypen variationsreich miteinander vermischt werden. Dadurch ist es unabdingbar, sich jederzeit den Gegebenheiten anzupassen, statt immer auf die gleiche Vorgehensweise zu setzen.

Ihr könnt das Spiel entweder als Mann oder Frau bestreiten, wobei die Wahl eures Geschlechts keinen Einfluss auf den Fortlauf der Geschichte hat. Um eure Figur zu individualisieren, gibt es viele verschiedene Kleidungsstücke wie Brillen, Hüte, Westen und Ähnliches. Leider unterscheiden sich diese kaum voneinander und sind oftmals nur zur Belustigung gedacht.

Die NPCs im Spiel sind psychologisch gesehen fast durchgehend wandelnde Klischees, verfügen aber trotzdem über einen gewissen Charme. Aufgrund ihrer eindimensionalen Ausarbeitung fällt es aber schwer, sich ihnen verbunden zu fühlen. Wenn also einmal einer von ihnen in Lebensgefahr schwebt, hält sich der Wunsch, ihn zu retten, arg in Grenzen.

Das gilt ebenfalls für die beiden Hauptcharaktere, von denen einer - nämlich derjenige, den ihr nicht selbst spielt - unsympathisch hoch drei wirkt, wohingegen die Figur, die ihr steuert, kein Wort über die Lippen bringt. Gerade in tragischen Momenten führt das eher zu unfreiwilliger Komik.

Der Wiederspielwert ist eine Frage der eigenen Ansprüche. Ihr könnt durch einen zweiten Durchlauf und die Erhöhung des Schwierigkeitsgrads nichts Neues entdecken (eine Ausnahme bestätigt hier wie immer die Regel) und auch kein alternatives Ende freischalten.Der Zweck dient einzig und allein der Übung, Nebenmissionen abzuschließen, die ihr zuvor übersehen habt oder durch das Fehlen einer bestimmten Legion noch nicht erreichen konntet.

Astral Chain - Gameplay Demo
Diese Gameplay-Demo zeigt euch knapp 10 Minuten aus dem kommenden Switch-Exklusivspiel Astral Chain.

Außerdem könnt ihr nach dem ersten Durchlauf direkt in das gewünschte Kapitel springen, um zum Beispiel Aufträge abzuschließen, deren Erfüllung euch verschiedene Belohnungen einbringen. Die zu erledigenden Aufgaben sind ähnlich gehalten wie das Trophäensystem auf der Playstation 4 oder die Erfolge auf der Xbox.

Schließt ihr einen Level ab, bekommt ihr Materialcodes zum Verbessern eurer Waffen, findet ihr die versteckte Katze im entsprechenden Kapitel, erhaltet ihr eine neue Farbpalette für das Kostüm. Erledigt alle Nebenaufgaben mit einem Ranking von S+ und ihr dürft euch über einen neuen Stimmcode für euer IRIS freuen, einer Art Scanner für die Umgebung, der sich beim Ein- und Ausschalten zu Wort meldet. Sonderlich spannend sind die Belohnungen nicht, wer aber gerne 100% erreichen möchte, dürfte mit diesen Aufgaben locker noch einmal 20 bis 30 Stunden beschäftigt sein.

Und dann wäre da noch der Koop-Modus. Hier steuert ein Spieler den Charakter und der andere die Legion. Jedoch müssen beide dabei einen Joycon benutzen und sich dauerhaft einig sein, wie sie denn zusammen vorgehen. Denn wer sich im Koop nicht abspricht, lässt Kämpfe dadurch in einem unübersichtlichen Gewusel enden.

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