Test - Deadly Premonition: Origins : Das beste schlechte Spiel aller Zeiten

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Greift zu, wenn...

… ihr eine einzigartige Open-World-Mystery-Erfahrung machen wollt und bereit seid, dafür sämtliche Maßstäbe aufzugeben.

Spart es euch, wenn...

… ihr nicht willens seid, über eine grässliche Grafik, fürchterliche Steuerung, nervtötende Actionszenen und zahllose Macken hinwegzusehen.

Fazit

Matthias Grimm - Portraitvon Matthias Grimm
Das beste Spiel aller Zeiten, das schlechteste Spiel aller Zeiten

Deadly Premonition ist das schlechteste Spiel, das ich je gespielt habe: Für seine Grafik würde sich jede PS2 in Grund und Boden schämen, seine Actionszenen und die Steuerung sind eine Qual, die Nebenaufgaben kaum auffindbar und viele Kleinigkeiten so stümperhaft umgesetzt, dass man die Entwickler am liebsten ohne Essen ins Bett schicken möchte.

Deadly Premonition ist aber auch das beste Spiel, das ich je gespielt habe: Es ist die visionäre Ahnung eines Open-World-Spiels, dessen Welt mehr ist als Spielbrett und Rummelplatz für Fahrgeschäfte und Schießbuden, Sammelobjekte und Fragezeichen, es ist eine verwunschene Welt der Geheimnisse und Einsamkeit, in der keine Klontouristen ihre Routen abmarschieren, sondern echte Menschen leben, die Namen haben und auch dann existieren, wenn ich gerade nicht anwesend bin. Es erzählt eine faszinierend mysteriöse Geschichte zwischen Twin Peaks und Silent Hill, die zwar ein bis zwei Stunden braucht, um Luft zu holen, dann aber den Atem raubt und ihn bis zum Ende nicht mehr hergibt.

Aus gutem Grund gilt Deadly Premonition im Guinness-Buch der Rekorde als das „polarisierendste Spiel aller Zeiten“. Entweder man liebt es, oder man hasst es. In der Regel beides gleichzeitig. Ob sich (und euch) die Entwickler aber mit diesem Switch-Port einen Gefallen tun, wage ich zu bezweifeln. Um Deadly Premonition heute noch mit Freude zu spielen, muss man deutlich leidensfähiger sein als seinerzeit ohnehin schon. Wer diesen rauschenden Pixelmatsch, der sich Grafik nennt, ertragen will, muss die Augen schon so weit zudrücken, dass sie fast schon geschlossen sind. Wer diese Steuerung, die nichts weniger als eine Zumutung ist, zu ertragen gewillt ist, muss dem Spiel auf einer Strecke entgegenkommen, die einer Weltreise gleichkommt. Selbst ich, der damals irgendwann seine spröde Faszination zu schätzen lernte, über viele Unzulänglichkeiten hinwegzusehen bereit war und zum begeisterten Fan wurde, kann dieses Spiel heute trotz aller Liebe im besten Falle leidenswilligen Freunden außergewöhnlicher Spielideen ans Herz legen. Guten Gewissens empfehlen kann ich es niemandem.

Deadly Premonition ist das Paradebeispiel einer strahlenden spielerischen Vision, die an ihrer Umsetzung kolossal scheiterte. Also eigentlich die ideale Voraussetzung für eine Fortsetzung, die alles besser und vor allem alles richtig machen kann, was im ersten Versuch schieflief. Für 2020 wurde kürzlich und völlig überraschend Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise angekündigt, Switch-exklusiv. Ich hoffe inständig, dass es Swery damit im zweiten Versuch gelingt, seine ursprüngliche Idee dieses Spiels umzusetzen. Denn dann erwartet uns nichts weniger als ein Meisterwerk.

>> Böse Welt: Die 10 schlechtesten Open-World-Spiele

Überblick

Pro

  • eine Open World, die lebt und atmet
  • atemlos spannende Mystery-Story zwischen Twin Peaks und Silent Hill
  • fantastischer Soundtrack, den ihr auf ewig als Ohrwurm mitnehmen werdet
  • geniale, aber gescheiterte Vision eines einzigartigen Spiels

Contra

  • Grafik, für die sich jede PS2 in Grund und Boden schämen würde
  • nervtötende Actionsequenzen
  • fürchterliche "Panzersteuerung"
  • Nebenmissionen kaum auffindbar
  • in jeder Pore altbacken wie versteinertes Brot
  • zahllose kleine Macken

Awards

  • Sound
    • NSw
  • Story
    • NSw

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