Preview - Dirt Rally 2.0 : Letzte Probefahrt

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Rechts 6, nicht schneiden. Links 4 über Hügel. Wenn das für euch nicht wie eine Geheimsprache klingt, dann ist Dirt Rally 2.0 genau das Richtige. Codemasters zielt mit der Rennsimulation nämlich eindeutig auf ausgebuffte Profis ab. In der letzten Probefahrt vor dem Erscheinen am 22. Februar 2019 schlägt sich der anspruchsvolle Raser ausgezeichnet, kostet aber auch einiges an Nerven.

Bereits im Oktober nahm sich Kollege Felix im rahmen einer Vorschau Dirt Rally 2.0 vor und arbeitete sich über die Schotterpisten dieser Welt. Sein erstes Fazit: Nichts für Weicheier und Nervenkitzel in jeder Kurve. Gut vier Wochen vor Release lud Codemasters nun zum finalen Anspieltermin und bestätigt diesen Eindruck. Dirt Rally 2.0 gewinnt sicherlich keinen Preis für Einsteigerfreundlichkeit, punktet aber dafür mit hohem Anspruch und vielfältigen Rennherausforderungen.

Schlicht, aber übersichtlich

Codemasters verzichtet auf Spielereien wie einen Story-Modus und sogar eine Fahrschule. Im Hauptmenü können wir eigene Events erstellen oder uns der Karriere widmen. Ziel ist hier der Aufbau des eigenen Rennstalls sowie der Aufstieg innerhalb des Spiels. Sehr schön: Trotz der e Komplexität gewährt Dirt Rally 2.0 doch viele Einstellungsmöglichkeiten und Hilfen. Im Optionsmenü findet ihr also Unterstützung bei Funktionen wie Lenkung, Gas oder Bremsen. Von der Traktionskontrolle bis hin zur Wahl zwischen automatischer oder manueller Schaltung ist alles dabei.

Den Komfort mancher Konkurrenten erreicht das Spiel allerdings nicht. Im Werkstattmenü beispielsweise fehlten uns die breitgefächerten und verständlichen Erklärungen der einzelnen Optionen. Ein virtueller Werkstattmeister, der uns etwa zu unserer bevorzugten Fahrweise befragt, fehlt. Gleiches gilt für eine dynamische Ideallinie und natürlich die Rückspulfunktion. Die Entwickler möchten das Gameplay dadurch möglichst herausfordernd gestalten. Wer kurz vor Schluss die Konzentration verliert und den Wagen noch gegen einen Baum setzt, hat dann eben Pech. Immerhin: Per Tastendruck setzen wir den Boliden auf Wunsch jederzeit neu, ernten aber im Gegenzug eine saftige Zeitstrafe.

Unterwegs in der Vergangenheit

Der Fuhrpark von Dirt Rally 2.0 besteht aus weit über 50 Autos und verbindet die Vergangenheit und Gegenwart des Rennsports. Nachdem wir bereits in der ersten Anspielrunde vor allem in hochmotorisierten Rallycross- und Rally-Boliden unterwegs waren, setzten wir uns in einem der Classics-Wettbewerbe in den zwischen 1963 und 1976 erbauten Lancia Fulvia. Die ersten Sekunden an Bord des Vorderradantrieblers fühlen sich fast wie eine Kaffeefahrt an. Auf dem tiefen Geläuf der an der in Neuseeland gelegenen Hawkes Bay ziehen wir uns förmlich durch den Dreck und schlittern mit gemütlichen 60 Sachen um die ersten Kurven. Keine Frage, jeder Wagen spielt sich anders und speziell die alten Karossen müssen wir ein wenig treten, ehe sie in Fahrt kommen.

So merken wir rasch, wie wir Bremspunkte setzen und wann wir ordentlich Gas geben müssen. Der Lancia Fulvia HF gibt sich vergleichsweise genügsam: Aufgrund des niedrigeren Tempos fangen wir sogar schwere Fahrfehler noch rechtzeitig ab. Allzu heftige Karambolagen quittiert das Spiel übrigens mit mechanischen Ausfällen: Als wir seitlich in einen Laternenmast hineinschlittern, bildet sich danach ein aus der Cockpit-Perspektive gut sichtbarer Spalt zwischen Chassis und Tür. In einem anderen Rennen platzte uns der Reifen und einmal begann sogar der Motor zu rauchen. Für Reparaturen steht zwischen den Rennen ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung.

Werkstatt, Rallycross und Technik

Als wir uns im Anschluss am Rallycross probieren, spüren wir den Unterschied überdeutlich: Allein bei den Übergängen zwischen Asphalt und Schotter verändert sich der Grip unserer Reifen merklich. Die Computer-Kontrahenten halten wie für Codemasters-Spiele üblich eisenhart ihre Linie und scheuen nicht vor gelegentlichem Lackaustausch zurück. Sehr schön: Vor sämtlichen Rennen landen wir zunächst in der Boxengasse und bestimmen dort die Einstellungen inklusive der Wahl der Reifen. Die Aufmachung ist zwar recht spröde, bietet aber viel Spielraum für Experimente.

Technisch hinterlässt Dirt Rally 2.0 abseits der tollen Fahrzeugmodelle und des gelungenen Schadenssystems einen gemischten Eindruck. Die Präsentation wirkt insgesamt recht bieder. Dazu wirkt die Umgebung gelegentlich arg steif. Fahren wir beispielsweise in den Rallycross-Events in eines der aufgestellten Reifen- bzw. Wasser-Hindernisse, federn diese den Aufprall kaum ab, sondern fühlen sich eher wie ein Betonklotz an. Auch Objekte wie Bäume oder Laternen widerstehen problemlos harten Einschlägen. Gut gefallen uns hingegen die Rauch- und Nebeleffekte. Als ein Kontrahent vor uns auf die Piste fährt, raubt uns eine Wolke aus Staub und Dreck beinahe die Sicht. Besonders aus der Cockpit-Perspektive beeindrucken diese Augenblicke.

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