Test - Metro Exodus : Artjom entdeckt die weite Welt

  • PC
  • PS4
  • One
Von Kommentieren

Es ist schon etwas schade, dass Metro Exodus kurz vor Release mehr durch die etwas fragwürdige Entscheidung in die Schlagzeilen geraten ist, das Spiel für PC exklusiv im neuen Epic Store statt auf Steam anzubieten. Was und welche Deals dahinterstecken – wir können es nur mutmaßen, aber das soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Wir widmen uns voll und ganz dem aktuellen Exemplar einer aussterbenden Gattung, nämlich dem waschechten, storybasierten Singleplayer-First-Person-Shooter. Vorhang auf für den dritten Ausflug von 4A Games, dieses Mal nicht in die Moskauer U-Bahn, sondern aus ebenjener hinaus.

Seit Artjom bei einem Ausflug an die Oberfläche ein Funksignal erkannt haben will, grenzt seine Neugier an Besessenheit. Immer wieder zieht es ihn zurück an die gefährliche Oberfläche, um dessen Quelle ausfindig zu machen. Immer wieder findet er nur Tod und Verderben und gerät selbst in Lebensgefahr. Das postapokalyptische Moskau ist schließlich kein Kindergeburtstag, die Tunnel der U-Bahn sind trotz all ihrer Gefahren hingegen ein relativ sicherer Ort im Vergleich zur Oberfläche. Erst recht, seit Artjom bei den Spartanern ist und über bessere Ausrüstung verfügt als noch zu früheren Zeiten.

Während seine Kameraden jeden seiner Ausflüge bejubeln, ist sein Oberst weniger begeistert. Nicht zuletzt, da Artjom mit dessen Tochter Anna verheiratet ist. Das hindert unseren störrischen und schweigsamen Helden aber nicht daran, immer wieder ans Licht zu krabbeln. Als er bei einem dieser Ausflüge von Anna begleitet wird, geschieht das Unfassbare: Ein waschechter Zug fährt durch die eisige Nacht der russischen Metropole. Eine Entdeckung, die für einiges Aufsehen sorgt - im positiven wie negativen Sinne. Wir wollen nicht zu viel verraten, nur so viel sei gesagt: Schlussendlich sitzen Artjom und Anna, begleitet von einem kleinen Trupp Spartaner, in ebenjenem Zug und beginnen eine abenteuerliche Odyssee durch das postnukleare Russland.

Keine offene Welt, aber viele Freiheiten

Den Schritt von 4A Games, die klaustrophobischen Tunnel zu verlassen, die in den Vorgängern für so viel Stimmung gesorgt haben, und stattdessen an die Oberfläche zu gehen, kann man nur als mutig bezeichnen. Doch der waghalsige Schritt gelingt erstaunlich gut. Statt linearen Gameplays gibt es nun neben geradlinigen Storyabschnitten einige Open-World-Blasen in verschiedenen Gebieten, wo neben den Storymissionen optionale Aufgaben - oder besser gesagt Schauplätze - und jede Menge Erkundung auf euch warten. Echte Nebenmissionen in dem Sinne gibt es nicht, aber an einigen Orten sind spannende Dinge zu entdecken. Lasst euch einfach überraschen.

Interessant ist, dass es 4A Games gelingt, trotz oft linearer Levelverläufe ein gutes Gefühl von spielerischer Freiheit zu erzeugen. Ihr werdet niemals direkt an der Hand genommen, es fühlt sich niemals gewollt schlauchig an. Stattdessen ist es eure Aufgabe, den Weg durch die Umgebungen zu finden. In einigen Abschnitten habt ihr aber deutlich mehr Bewegungsfreiheit, speziell wenn ihr euch nicht in Gebäuden befindet. Es lohnt sich übrigens, die Augen offen zu halten, denn mitunter entdeckt ihr versteckte Wege, um Kämpfen aus dem Weg zu gehen.

Nach der Abfahrt aus Moskau mit einigen Querelen geht es mitten in die russische Landschaft, darunter das verschneite Ufer der Wolga oder eine Wüstenlandschaft am ehemaligen Kaspischen Meer. Alles natürlich mit einer dicken Prise Endzeit gewürzt. Dörfer und Städte liegen in Trümmern, mutierte Lebewesen sind eine ständige Gefahr, der Fallout ist zwar nicht mehr so stark, verseuchte Gebiete gibt es aber immer noch zuhauf. Doch keine Sorge, trotz der offenen Umgebungen kommt auch die Enge nicht zu kurz. Bunkeranlagen, Tunnelsysteme oder vergammelte Fabrikhallen sorgen auch weiterhin für Dunkelheit und wohlige Klaustrophobie.

Die postapokalyptischen Szenarien und ihre mehr oder minder menschlichen Bewohner lassen einen nicht kalt. Schon in früheren Teilen war es immer wieder ein Thema, dass die Menschheit selbst in finsteren Zeiten nicht davon ablässt, ihre dunklen Seiten zu zeigen. Die Wanderungen durch die totale Zerstörung, der Irrsinn nicht weniger Überlebender, die Grausamkeit der Menschen in einer grausamen Welt regen einen zusätzlich zur beklemmenden Atmosphäre immer wieder zum Nachdenken an.

Dass eure Kameraden zuweilen persönliche Erlebnisse schildern oder ihr immer wieder mal Aufzeichnungen früherer Ereignisse findet, verstärkt das noch und schafft zudem eine gute Bindung zu der kleinen Reisegruppe. Mitunter scheut man aber auch davor zurück, einen Gegner zu töten, der neben seinem Bett noch Andenken an seine verstorbene Familie hortet, und schickt ihn stattdessen mit einem Faustschlag ins Land der Träume und das ist gut so.

Spannende und abwechslungsreiche Geschichte

Das Niveau des Spiels ist allerdings nicht immer gleichbleibend. Während der Auftakt mit einigen Überraschungen punktet, schwächelt das Spiel ein wenig in zwei späteren Abschnitten, trotz zuweilen unterhaltsamen Mad-Max-Feelings am Kaspischen Meer. In der zweiten Hälfte der rund 20 Stunden Spielzeit zieht Metro Exodus aber wieder kräftig an, um in einem furiosen Finalabschnitt nochmals alle Register zu ziehen, welche die Reihe auszeichnen. Dank der unterschiedlichen offenen Regionen bietet das Spiel deutlich mehr Abwechslung als die Vorgänger.

Endlich Tageslicht! - Video-Review zu Metro Exodus
Metro Exodus verändert das bekannte Metro-Erlebnis. Ihr seid nun nicht mehr nur in der Moskauer-U-Bahn unterwegs, sondern verstärkt an der Oberfläche. Tut das d

Die Story ist alles in allem gut erzählt und die Charaktere sind durchaus einprägsam, zumal man sich mit ihnen im Zug etwas beschäftigen kann. Dass Anna als Artjoms Frau nebst ihrem Vater dabei ist, gibt der Sache zudem einen persönlichen Touch. Die Abschnitte sind nicht immer episch, die Aufgaben entsprechen zum Teil eher der Notwendigkeit der Umstände, beispielsweise um den Aurora genannten Zug am Fahren zu halten. Andere Abschnitte wiederum sind rein von den Zielen des kleinen Trupps getrieben. Das passt jedenfalls alles gut zusammen und klingt nachvollziehbar.

Die Dialoge sind ebenfalls recht gut geschrieben, aber in der deutschen Version leider oft etwas aufgesetzt und bemüht vertont. Wer kann, sollte auf die vorhandene, deutlich bessere englische Sprachausgabe zurückgreifen. Schade: Die Abmischung der Dialoge ist mitunter etwas verbesserungswürdig. Gelegentlich werden die Worte von den Umgebungsgeräuschen übertönt, speziell bei der Nutzung von virtuellem 7.1 Surround Sound. Dolby Atmos und dessen Option im Spiel ist die bessere Wahl. Artjom bleibt übrigens still und ist nur in den Ladesequenzen zwischen den Kapiteln zu hören. So murmeln wir das, was Artjom eigentlich sagen sollte, selbst dem Monitor entgegen.

Fokus auf die wichtigen Dinge

Abgesehen davon versucht 4A Games stetig, den Spieler in der richtigen Stimmung zu halten. Sei es durch beunruhigende Hintergrundgeräusche, flitzende Mutanten oder auch einfach persönliche Momente im Zug, der quasi als Basis für die Unternehmungen dient. Die beklemmende Atmosphäre so mancher Umgebung ist beeindruckend. Metro Exodus verzichtet überdies weitgehend auf ein HUD und blendet wichtige Dinge nur dann ein, wenn es erforderlich ist. Stattdessen wird viel auf visuelles Feedback gesetzt. Husten verkündet beispielsweise, dass der Filter der Maske gewechselt werden muss. Atemloses Röcheln bedeutet, dass die Maske geflickt werden muss.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel