Preview - Mortal Kombat 11 : Eine absurde Gewaltorgie

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Spielepräsentationen finden oft in abgeschotteten Räumen statt. Manchmal hat man das Gefühl, gleich der Bundeskanzlerin gegenüberzustehen, weil so viele Kontrollen stattfinden und Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Hauptsache, die Außenwelt bekommt vor Ablauf des Embargos nichts mit von all dem, was wir Journalisten vor allen andern zu sehen oder spielen bekommen. Doch Warner hatte für die große Enthüllung zu Mortal Kombat 11 ein anderes Konzept, nämlich eine fette Party!

Europäische Medien, Streamer, Influencer, Profispieler und glückliche Gewinner eines Tickets lud man in den Londoner Club Koko ein. Wir staunten nicht schlecht über das, was im Inneren geboten wurde: Es handelt sich um ein altehrwürdiges, ehemaliges Theater mit Emporen und halbrunden Gängen auf insgesamt drei Etagen.

Im Erdgeschoss befanden sich Tanzfläche und eine große Bühne, auf der den gesamten Abend über ein Programm stattfand. Neben einem Promiturnier, an dem unter anderem Fußballprofi Mesut Özil und UFC-Kämpfer Alexander Gustafsson teilnahmen, ballerten zwei DJs den Besuchern unfassbar laute Elektrobeats um die Ohren. Getanzt wurde jedoch weniger, dafür aber umso mehr gezockt.

Denn trotz der Partystimmung konnte man nicht übersehen, dass sich alles um Mortal Kombat 11 drehte. Die Vorstellung des neuen Serienteils, der am 23. April für Playstation 4, Xbox One, PC und sogar (im Mai) Nintendo Switch erscheint, hatte es in sich. Zuerst die gute Nachricht für Solisten: Die NetherRealm Studios bekennen sich erneut zum Storymodus, der ähnlich wie beim Vorgänger einige Stunden unterhalten soll.

Dessen Geschichte knüpft unmittelbar ans Ende von Mortal Kombat X an: Ihr erlebt ein Zeitreiseabenteuer, in dem ihr die Rollen vergangener und aktueller Figuren übernehmt, um gegen Kronika, die Hüterin der Zeit, anzutreten. Selbst zocken konnten wir das nicht, bekamen aber einen kleinen Eindruck in Form eines Trailers zum Prolog. Es ist auf jeden Fall schön zu sehen, dass sich ein Storymodus auch im neuen Teil der Reihe weit oben auf der Must-have-Liste findet.

Blick auf die Bühne des Koko

Der Hut steht ihm gut!

Doch dabei bleibt es natürlich nicht. Zum einen steht euch das klassische Eins gegen Eins offen, entweder gegen die CPU oder einen menschlichen Gegner. Bei den Türmen der Zeit prügelt man sich nacheinander mit einer bestimmten Anzahl Gegner, während gewisse Modifikatoren aktiv sind – die können die Fights leichter oder schwerer machen. Nur sicht- und nicht anwählbar waren in unserer Demo weitere Turmherausforderungen, Turnier- und Onlinemodus sowie ein mehrteiliges Training. Das sieht nach einer ordentlichen Portion Inhalt aus.

Als spielbare Charaktere standen in der Demo sieben Stück bereit: Raiden, Scorpion, Baraka, Sub-Zero und Sonya Blade dürften unverzichtbar sein. Letztgenannte wird im englischen Original von WWE-Superstar und Ex-UFC-Gigantin Ronda Rousey vertont. Eine Rückkehr feiert Skarlet, die mit blutigen Geschossen und Tentakeln attackiert.

Ganz neu ist dagegen Geras, ein Hüne mit der Kraft, den Sand der Zeit zu beeinflussen. Sein Stil setzt weniger auf Tempo und mehr auf harte Schläge und schmerzhafte Griffe. Zusammen mit den noch offenen Rosterplätzen zählen wir stattliche 25 Kombattanten. Um welche es sich dabei handelt, verraten Entwickler und Publisher in den kommenden Wochen. Bestellt ihr das Spiel vor, bekommt ihr auf jeden Fall Bösewicht Shao Kahn als spielbaren Recken.

Mortal Kombat 11 - Gameplay Reveal Trailer
Jede Menge harte Schläge und spritzendes Blut gibt es im neuen Gameplay Reveal Trailer zu Mortal Kombat 11.

Für jede Figur stehen eine Reihe neuer und klassischer Kostüme zur Wahl. Dabei müsst ihr es aber nicht belassen, sondern könnt die jeweiligen Outfits nach euren Wünschen verändern. Verpasst Scorpion eine andere Maske, zieht Sonya einen neuen Kampfhandschuh über, wechselt Raidens Hut und so weiter. Selbst Intros und Siegesgesten lassen sich anpassen.

Die entsprechenden Optionen müssen natürlich freigespielt oder gekauft werden. In diesem Zusammenhang stellten wir die Frage, ob die aus dem Vorgänger bekannte Krypta wieder mit dabei ist. Dazu wollten die Entwickler aber noch nichts sagen. Die im Kampf verdienten Koins deuten jedoch darauf hin, dass es ein Freischaltsystem geben wird.

Tatsächliche Auswirkungen auf das Spiel hat dagegen die Möglichkeit, auch die Moves und sogar Fatalitys eurer Figur zu verändern. Für jedes Kostüm könnt ihr unterschiedliche Aktionen festlegen. Auf diese Weise habt ihr deutlich mehr Freiheiten, euch einen persönlichen Kampfstil zurechtzulegen. Allerdings belegt jede Fähigkeit eine gewisse Anzahl Punkte, sodass ihr abwägen müsst, was ins Repertoire soll und was draußen bleibt. Darüber hinaus gibt es Verstärkungen für jeden Charakter, die bestimmte positive Effekte hervorrufen. Dieses System konnten wir jedoch nicht im Detail ausprobieren.

Erst knacken …

Bevor wir zum eigentlichen Kampf kommen, ruft euch noch mal Mortal Kombat X ins Gedächtnis. Das war übertrieben brutal, richtig? Der Spezialangriff X-Ray ließ euch beinahe jeden Knochen im Körper des Gegenüber brechen, bevor ihr mit unfassbar heftigen Fatalitys Gesichter zerschnitten und Wirbelsäulen herausgerissen habt. Dazu flossen natürlich Hektoliter Blut. „Das geht nicht brutaler und bekloppter“, waren vermutlich eure Gedanken. Unsere auf jeden Fall. Echt, die Grenze ist definitiv erreicht. Tja, weit gefehlt …

Fangen wir mit den „sanfteren“ Aktionen an, den Fatal Blows. Diese ersetzen die X-Ray-Angriffe aus X. Hat euer Charakter nur noch ein Drittel seiner Lebensenergie, kann durch gleichzeitigen Druck auf die hinteren Schultertasten der Move eingesetzt werden. Wird die Attacke nicht geblockt, folgt ein irres Stakkato aus durchbohrten Körperteilen und gebrochenen Knochen. Einige davon hätten absolut das Zeug, als Finisher durchzugehen.

Der Fatal Blow ist mächtig und effektreich inszeniert. Jedoch scheint er primär ein Comeback-Manöver zu sein, mit dem sich ein verloren geglaubtes Match noch einmal rumreißen lässt. Ein wenig trauern wir darum dem X-Ray nach, lassen uns vom fertigen Spiel aber gerne umstimmen.

Direkt überzeugend wirkt hingegen die jeweils zweistufige Leiste für offensive oder defensive Spezialmanöver. Im Angriff verstärkt ihr bestimmte Angriffe, was in einem Krushing Blow endet, der ähnlich „knackig“ gerät wie die Fatal-Variante. In der Verteidigung hingegen kann mit einem perfekten Block die Kombo eures Gegners abgebrochen und danach zum Gegenangriff übergangen werden.

… und dann zerhacken!

Okay, nun geht es ans Eingemachte – oder besser die Eingeweide: Vorhang auf für die Fatalitys. Spätestens hier verstehen wir auch, warum Warner rund um Mortal Kombat 11 eine Party veranstaltet. Denn die Finisher kann man irgendwie auch als eine Feier sehen, nämlich des Morbiden, Absurden und Verrückten.

Beispiele gefällig? Sonya zeigt, was mit den Rotorblättern eines Hubschraubers außer Fliegen noch möglich ist. Sub-Zero gibt den frostigen Scharfrichter. Raiden und Barakas Leibspeise steckt ganz offensichtlich im Schädel seiner Gegner. Was hier aufgefahren wird, spottet jeder Beschreibung. Früher wäre jetzt der Satz gefolgt: In dieser Form kommt das Spiel NIEMALS nach Deutschland. Doch nachdem bereits Mortal Kombat X ohne Schnitte eine Freigabe erhielt, können wir schreiben: In GENAU dieser Form kommt das Spiel nach Deutschland.

Mortal Kombat 11 - Fatalities Reveal Trailer
Dieser weitere Gameplay-Clip zeigt euch diverse Fatalities aus dem kommenden Mortal Kombat 11.

Trotzdem ist Gewalt nicht alles. Einst lebte die Serie vorwiegend vom blutigen Schauwert, doch spätestens mit Mortal Kombat X stieg das Niveau des allgemeinen Spielablaufs merklich an. Teil 11 macht genau da weiter: Er zockt sich etwas griffiger und vielleicht auch etwas flotter als der direkte Vorgänger. Weil die grundsätzliche Tastenbelegung übernommen wurde, benötigen Kenner keine große Umstellung. Trotz neuer Elemente bleibt der bekannte spielerische Rhythmus erhalten – wo Mortal Kombat draufsteht, ist nach wie vor auch Mortal Kombat drin.

Einen Sprung nach vorn machen ebenfalls die Animationen und Bewegungen der Figuren, die eine Spur geschmeidiger wirken. Gleiches gilt für die Aufmachung der Kostüme und Stages, die mit Wurfgegenständen und mehr erneut schmerzhafte Interaktionen erlauben. Die drei spielbaren Stages boten einige Hingucker, denn an Details in den Hintergründen wird nicht gespart. Ultra-HD-Auflösung und High Dynamic Range sorgten beim Probezock auf der Xbox One X für eine sehr scharfe und farbkräftige Keilerei. Aus den Kopfhörern drang, wie zu erwarten, ein wilder Mix aus saftigen Schlaggeräuschen, berstenden Knochen und reichlich Geschrei.

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