Special - Playstation 5 : Die nächste Generation rollt an

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Da hat Sony ja mal ganz überraschend ein Häschen aus dem Zylinder gezaubert. In einem Exklusivbericht von Wired ließ Mark Cerny von Sony einen ganzen Batzen Informationen zur kommenden Konsole heraus, die durchaus aufhorchen lassen. Mit dabei waren auch einige Andeutungen zur Hardware der Konsole, die derzeit noch recht schwer einzuschätzen sind, da es sich um brandneue Komponenten handelt, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Wir wagen aber trotzdem mal einen Blick in die Glaskugel.

Fest steht auf jeden Fall, dass die nächste Playstation nicht einfach nur ein Update der jetzigen PS4-Konsolen werden soll. Zwar basiert offenbar noch vieles auf der PS4-Architektur, ansonsten gäbe es massive Probleme mit der angekündigten Rückwärtskompatibilität für PS4-Spiele und der Kompatibilität zu PSVR, doch setzt Sony dieses Mal nicht auf bereits zum Launch veraltete Hardware wie seinerzeit die Jaguar-Lösung von AMD, sondern auf das ganz neue Paket.

AMD bleibt auf jeden Fall weiter das Herzstück des Innenlebens, mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder in Form eines SOC, also einer Kombilösung aus GPU und CPU. Schon länger ist bekannt, dass AMD an einer neuen Embedded-Lösung unter dem Codenamen Gonzalo bastelt, die in den neuen Konsolen beider Hersteller zum Einsatz kommen könnte. Und die klingt vielversprechend.

Als CPU wird ein AMD-Ryzen-Prozessor der dritten Generation genannt, basierend auf der Zen-2-Architektur im 7-nm-Verfahren. Das klingt logisch, sollen doch – Gerüchten zufolge – noch in diesem Sommer die ersten Desktop-Varianten der neuen Generation auf den Markt kommen. Da von einem Achtkerner die Rede ist, dürfte die CPU einiges an Power haben. Auch an der Effizienz dürfte es nicht mangeln. Mit den Ryzen-Prozessoren hat AMD einen ziemlichen Geniestreich gelandet, der Intel ordentlich ins Schwitzen gebracht hat und von AMD immer weiter perfektioniert wird.

Der Grafikpart soll bereits von einer speziellen Navi-Variante, ebenfalls aus der kommenden 7-nm-Generation, übernommen werden. Hier ist noch ziemlich offen, was uns erwartet, da auch diese Chips mutmaßlich erst im Sommer auf ersten Grafikkarten erscheinen sollen. Ersten Meldungen zufolge könnten die Navi-GPUs in direkter Konkurrenz zu den bereits erschienenen RTX-Karten von Nvidia stehen. Das Spitzenmodell soll sich angeblich leistungstechnisch knapp unter einer RTX 2080 bewegen.

Es ist allerdings mehr als fraglich, ob die Navi-GPU der neuen Playstation tatsächlich in diese Dimensionen vordringt, immerhin reden wir hier von einer Leistungsstufe, die in Form einer Grafikkarte deutlich über 600 Euro liegt und somit aus Kostengründen in einer Konsole gar keinen Sinn ergibt. Wahrscheinlicher ist ein Niveau etwa wie das einer RTX 2060. Offen ist zudem noch, wie viel und welche Art von Arbeitsspeicher genutzt wird. Die Konsole soll zwar über mehr und schnelleren Speicher als ihre Vorgängerin verfügen, genaue Aussagen dazu gibt es aber derzeit noch nicht.

Der Traum von flüssigen 4K mit 60 fps dürfte auf dem Niveau aber kaum erfüllt werden können, zumindest nicht bei aufwendigen AAA-Titeln, zumal die neue Grafiklösung auch noch Raytracing unterstützen soll. Das dürfte, ebenfalls aus Kostengründen, wohl nur treiberseitig sinnvoll machbar sein, denn separate RT-Kerne würden den Preis des SOC weiter nach oben schießen lassen.

Eine Softwarelösung würde allerdings wieder zulasten der Leistung gehen. Möglicherweise bekommen wir künftig also Spiele mit einem schnelleren Performancemodus, der auf RT und andere Aspekte verzichtet, und einem langsameren Qualitätsmodus mit voller Grafikpracht, aber geringerer Framerate und gegebenenfalls Upscaling.

Zwar sprach Cerny auch davon, dass die neue Playstation 8K unterstützen wird, aber das gehört zumindest für Spiele genauso ins Reich der Fantasie wie seinerzeit native 4K bei der PS4, auch wenn vollmundig mit dem 4K-Schlagwort geworben wurde. Letztendlich besagt die Aussage nur, dass es theoretisch möglich sein wird, 8K-Inhalte von der Konsole oder vom physischen Laufwerk auf den Fernseher zu bringen, sprich wenigstens HDMI 2.1 verbaut sein wird.

Fest steht auf jeden Fall aber, dass mit einer neuen 3D-Audio-Lösung gearbeitet werden soll - ein hochwillkommener Sprung, von dem vor allem Headsetspieler profitieren sollen. Das tut auch not, denn derzeit hat die Xbox One (X) mit Dolby Atmos der PS4 einiges voraus. Sony hatte den Akustikbereich bisher recht sträflich vernachlässigt und beim Schritt von der PS3 zur PS4 kaum nennenswerte Verbesserungen implementiert.

Deutlich interessanter ist aber die Nutzung einer SSD als Massenspeicher, was Ladezeiten deutlich verkürzen wird. Aber auch hier bleiben Fragen offen. Cerny erwähnt, dass die geplante Lösung schneller sein soll als aktuelle PC-SSDs. Das würde allerdings nur funktionieren, wenn SSDs nach kommendem PCIe-4.0-Standard oder Intel-Optane-Lösungen implementiert würden, was jedoch ebenfalls wieder ein Kostenfaktor ist. Schnelle M.2-SSDs sind zwar mittlerweile preiswert, wie teuer die genannten Alternativen sind, ist aber derzeit noch nicht absehbar. Eine proprietäre Onboard-Lösung ist dagegen durchaus denkbar.

Vieles ist noch mit Fragezeichen versehen und lässt sich aktuell nur schwer einschätzen. Die Performance dürfte einen deutlichen Sprung nach vorn machen und lässt zumindest stabile und native 4K mit 30 fps machbar erscheinen. Es hängt aber auch noch viel von bisher nicht bekannten Faktoren wie Taktraten, Speicher und Architektur ab. Da werden wir erst mehr wissen, wenn wir anhand von ersten Zen-2- und Navi-Mustern die generelle Leistungsfähigkeit der kommenden AMD-Komponenten einschätzen können.

Schlussendlich bleibt noch die Preisfrage. Sony muss schließlich auch bei der nächsten Generation darauf achten, dass die Playstation erschwinglich bleibt, und das geht nur über Zugeständnisse bei der Hardware. Ausgehend von dem, was Cerny bisher an mageren Daten herausgelassen hat, erscheint uns zumindest zum aktuellen Zeitpunkt ein Launch-Preis von 599 Euro ziemlich realistisch. Wir lassen uns aber gern überraschen und eines Besseren belehren.

Fest steht auch, dass die Konsole nicht mehr in diesem Jahr erscheinen wird, und das nicht nur, weil Cerny es erwähnte. Ausgehend davon, dass AMD vermutlich erst im Sommer die neuen Navi-GPUs und Zen-2-CPUs selbst auf den Markt bringen wird und die SOCs normalerweise einige Monate danach folgen, dürfte sich kaum etwas vor dem zweiten Quartal 2020 rühren – schließlich muss AMD ja auch einige Stückzahlen produzieren. Ob Sony wirklich noch bis Anfang 2021 wartet, wie aus einigen Aussagen im vergangenen Jahr herausgelesen wurde … man weiß es nicht. Es würde uns wundern, wenn der Hersteller sich das Weihnachtsgeschäft 2020 durch die Lappen gehen lässt.

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