Special - Pokémon Schwert / Schild : Kahlschlag im Pokédex - Ein Shitstorm tobt!

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Ein Beben erschüttert die Pokémon-Community. In Schwert und Schild werdet ihr unter Umständen nicht mit euren Lieblings-Pokémon spielen können. Ihr wolltet den Nationalen Pokédex zurück? Wie wär's damit, dass ihr einfach überhaupt nicht mehr alle Pokémon ins neue Spiel übertragen könnt? Zum Ende der gestrigen Treehouse-Präsentation kippte die Stimmung spürbar.

Ich war nicht der einzige, der gestern Dienstagabend beim Betrachten des Nintendo Treehouse gespannt Gameplay zu Pokémon Schwert und Schild betrachtete. Und ich war ganz sicher nicht der einzige, dem der Kiefer auf die Tischplatte knallte, als Game Freak in den letzten Minuten vor Schluss verkündete, dass nur jene Pokémon aus dem Cloud-Dienst Pokémon Home nach Schwert und Schild übertragen werden können, die die im Galar-Pokédex vorkommen. Was das konkret bedeutet: Zum ersten Mal streicht Game Freak Pokémon aus einem neuen Spiel und entreißt Spielern damit komplett die Möglichkeit, sie irgendwie nach Schwert und Schild zu übertragen.

Auf YouTube überwiegen die negativen Bewertungen, die Kommentarsektionen in den sozialen Medien beschäftigt kein anderes Thema mehr, Reddit kocht vor Wut, es ist ein Desaster.

Der vollständige Pokédex: Warum überhaupt die Aufregung?

Es war Junichi Masuda und seinen Kollegen von Game Freak sichtlich unangenehm, als sie nach durchaus ansehnlichem Gameplay ein "wichtiges Thema" ansprechen wollten oder besser gesagt, mussten. Schon in Pokémon Sonne und Mond waren Fans wenig erfreut, dass es keinen Nationalen Pokédex gab, also keinen Pokédex-Eintrag für jedes der inzwischen über 800 Pokémon, aber immerhin konnte man mit ihnen spielen.

Laut Masuda suchte man für den Hardware-Sprung auf die Switch lange nach dem richtigen Weg für den "Schritt vorwärts", um die Qualität der nun ausdrucksstärkeren Pokémon halten zu können und darüber hinaus Probleme mit dem Kampf-Balancing von weit über 800 Kreaturen mit all ihren Attacken und Fähigkeiten zu vermeiden. Folglich wird es nur eine Handvoll ausgewählter Pokémon geben. Im folgenden Video findet ihr die Unterhaltung etwa ab Minute 25:

Und das allein widerspricht schon im Grundsatz dem seit 23 Jahren bekannten Haupt-Slogan der Marke: "Schnapp' sie dir alle!" Daraus wird mit diesem "neuen Weg" ein "Schnapp sie dir, solange wir es erlauben!" Auch Bill Trinen, Senior Product Marketing Manager von Nintendo of America, der selbst gerne Pokémon spielt, äußerte sich zurückhaltend besorgt darüber, nicht alle Kreaturen, in die er sehr viel Zeit gesteckt hat, in die neuen Titel übertragen zu können.

Und hier kommt das erste Geschmäckle ins Spiel. Nach welchen Kriterien hat sich Game Freak "viel Zeit" für die richtige Auswahl genommen? Zum einen sollen sie, wie sich dem Interview entnehmen lässt, zum Setting der Galar-Region passen. Mainstream-Fanlieblinge wie Glurak, Lucario, Pikachu, Evoli und Co. sind sicher mit von der Partie. Aber was ist mit Pokémon, die auf der Beliebtheitsskala unterhalb der 50 Prozent der gefragtesten Taschenmonster stehen? Auch die haben ihre Anhänger. Allein Mysteriöse und Legendäre Pokémon machen fast 10 Prozent des Pokédex aus. Viele von ihnen werden sicher übertragbar sein, obwohl sie allgemein hin als overpowered gelten. So viel zum Balancing.

Ziemlich sicher werden auch Pokémon aus Kanto verhältnismäßig überrepräsentiert sein. Ja, auch ich liebe die ersten 151. Ich bin mit ihnen aufgewachsen, aber ich bin auch der Ansicht, dass sie inzwischen zu häufig ins Rampenlicht gerückt werden. Dann wären da noch 72 Starter-Pokémon. Das Problem ist, dass Spieler in ihre Lieblings-Pokémon sehr viel Zeit investiert haben, sei es, um die schillernde Variante zu fangen oder ein perfektes Strategie-Biest zu züchten. Dafür können Dutzende Stunden draufgehen. Nun bangen zu müssen, dass diese Investitionen möglicherweise an den Grenzen Galars abgewiesen werden, ist frustrierend.

  • Pokémon Schwert / Schild - Screenshots - Bild 1
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Zu wenig Zeit?

Beinahe jedes Jahr ein neues Pokémon-Spiel zu bekommen hat seine Vor- und Nachteile. Während die Vorteile nicht extra benannt werden müssen, sind wir nun an dem Punkt angelangt, an dem die Nachteile deutlich zum Vorschein kommen: Zeitmangel. Denn sowohl Masuda als auch Shigeru Ohmori von Game Freak haben wiederholt im Interview von "begrenzter Entwicklungszeit" und "Fans nicht zu lange warten lassen" gesprochen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es technisch natürlich möglich wäre, alle Pokémon nach Galar zu bringen, es fehlte ihnen schlicht an Zeit. Denn ein anderes Release-Fenster als das Weihnachtsgeschäft kommt für einen Systemseller wie Pokémon wohl nicht in Frage.

Pokémon ist eine der, wenn nicht die größte medienübergreifende Marke der Welt. Zumindest aus finanziellen Gründen kann und darf es einem solchen Unternehmen nicht an personellen Ressourcen mangeln, die die extra Arbeit stemmen, wenn schon enge Deadlines eingehalten werden müssen. Umso ärgerlicher ist es zu hören, wie deutlich impliziert wird, dass diese drastische Maßnahme hauptsächlich aus Zeitmangel ergriffen wurde.

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