Preview - Man of Medan : Der neue Horror der Until-Dawn-Macher

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Im neuen Horror-Spiel der Until-Dawn-Macher Supermassive Games gerät eine Gruppe junger Bootsurlauber auf ein Geisterschiff und sieht sich dort einer zombiehaften Bedrohung aus dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt. Und die solltet ihr auf keinen Fall alleine im Dunkeln, sondern besser mit einem Freund an eurer Seite spielen. Warum? Nicht (nur) um den Grusel besser aushalten zu können, sondern vor allem: weil es geht!

Denn Man of Medan verfügt als erstes Spiel seiner Art über einen Koop-Online-Modus! Und der fügt dem Genre ganz erstaunliche neue Facetten hinzu, wovon wir uns beim Anspielen der ersten drei Stunden des Spiels persönlich überzeugen konnten.

Until Dawn auf hoher See

Mit Until Dawn lieferte Supermassive Games vor gut vier Jahren eine zwar bisweilen ziemlich trashige, aber hochwertig produzierte und durchaus gewitzte Hommage an das Horror-Genre ab – in der übrigens auch der damals noch weitgehend unbekannte, spätere „Mr. Robot“ und frischgebackene Oscar-Preisträger Rami „Freddie Mercury“ Malek mitwirkte.

Mit der kommenden „The Dark Pictures“-Trilogie setzt Supermassive Games diese Linie konsequent fort. Jede einzelne Episode wird gewissermaßen eine interaktive Grusel-Kurzgeschichte in der Tradition klassischer Schauermärchen, wie man sie sich früher am Lagerfeuer erzählte – worauf eine kleine Szene im ersten Kapitel sogar auf hübsch subtile Weise anspielt. Wie schon bei Until Dawn, das die Genres Backwoods-Horror, Torture-Porn und Monster-Invasion in einer zwar wirren, aber lust- und liebevoll versponnenen Weise im Mixer verquirlte, wird sich auch The Dark Pictures genüsslich an den Konventionen einschlägiger Gruselgeschichten bedienen, um sie nach und nach zu biegen und zu beugen.

Man of Medan macht am 30. August den Auftakt zu dieser Trilogie des Grauens mit der Geschichte über ein Geisterschiff, wie sie in ähnlicher Weise am prominentesten vermutlich aus dem Film Ghost Ship aus dem Jahre 2002 in Erinnerung ist. Eine Gruppe junger Menschen bricht auf zu einem Bootstörn und macht dabei Sachen, die junge Menschen in solcherlei Geschichten in solcherlei Situationen eben machen: viel Bier trinken, viele dumme Sprüche klopfen – und verbotenerweise zu mysteriösen Flugzeugwracks auf dem Meeresgrund tauchen, was unheilvolle Ereignisse in Gang setzt.

Supermassive Games ist sich voll und ganz bewusst, wie solcherlei Geschichten funktionieren und dass sich auch der Spieler darüber voll und ganz im Klaren ist. Insofern bedienen sie mit voller Absicht sämtliche Klischees, die Genrekundige vom ersten Moment an erwarten. Die Clique besteht folglich aus einem schüchternen, natürlich bebrillten Nerd, der auf hoher See sofort seekrank wird, dem größmäuligen Rabauken, der auch in den unpassendsten Momenten einen überheblichen Spruch ablässt. Die mürrische Bootskapitänin, die nebenher Expertin für lokale Geisterfolklore ist, die blonde Schönheit, die sich als toughe Powerfrau beweisen darf, und ihr Freund, der beherzte Draufgänger, der dennoch das Herz am rechten Fleck trägt.

Doch nach den ersten leeren Bierflaschen und heiter-aufregenden Tauchgängen, wandelt sich der Traumurlaub zum Albtraum. Denn auf einmal wird das Schiff von rücksichtslosen Schatzjägern gekapert, die die Freunde als Geiseln nehmen und auf ein Geisterschiff verschleppen, auf denen untote US-Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg ihr Unwesen treiben …

Wie schon in Until Dawn speist sich die Faszination des interaktiven Films weniger aus der Raffiniertheit seiner Geschichte oder der Spannbreite der Handlungsverzweigungen, sondern eher in dem nuancierten, aber mannigfaltigen Flackern im Verlauf einzelner Situationen: So könnt ihr euch etwa beim Eintreffen der Kidnapper sofort eurem Schicksal ergeben – oder Widerstand leisten und einen Fluchtversuch wagen. Je nachdem wie ihr dabei vorgeht, kann es passieren, dass einer der Charaktere angeschossen wird oder ein anderer eine Schramme am Ohr verpasst bekommt, was dann den Rest des Spiels über nicht nur sein Aussehen, sondern auch seine Persönlichkeit prägen wird.

Auch das Verhältnis der Charaktere untereinander verändert sich mit jeder Entscheidung, die ihr trefft, in eine entsprechende Richtung: Bringt der Sonnyboy auf der Flucht etwa lediglich seine eigene Haut in Sicherheit, ohne der Freundin nach einem Sturz wieder aufzuhelfen, so wird sich diese die Sache mit dem Heiratsantrag später eventuell noch einmal überlegen …

Filmabend zu zweit

Dieser große Variantenreichtum innerhalb des Handlungsverlaufs, der auch schon Until Dawn auszeichnete, inspirierte Entwickler Supermassive Games offenbar zu einem im Genre einzigartigen Modus: 2-Spieler-Online-Koop! Und der fügt dem Spiel wahrlich eine völlig neue Komponente hinzu, die wohl am ehesten mit einem Spiel wie A Way Out zu vergleichen ist.

So arbeitet ihr in Szenen, in denen zwei Charaktere gemeinsam ihr Abenteuer bestreiten, in vielerlei Situationen zusammen: brecht mit vereinten Kräften eine verrostete Tür auf oder rettet den Freund vor dem Sturz von der Klippe, wenn der das Quicktime-Event vermasselt hat.

Das eigentlich Geniale an dieser Art des Spielens ist aber sein lückenhafter, weil doppelter Erzählmodus: Während der eine Spieler auf Tauchgang geht und ein unheimliches Geheimnis im versunkenen Flugzeugwrack aufdeckt, verbleibt der andere an Bord des Bootes und macht dort bereits unliebsame Bekanntschaft mit den späteren Entführern. Was der eine gerade erlebt, erfährt der jeweils andere aber nicht, wodurch sich extrem spannende Brüche in der Narration ergeben, die erst sehr viel später geflickt werden dürfen.

Die meisten Szenen spielt ihr jedoch zusammen, wobei ihr nicht in die Haut eines festen Charakters schlüpft, sondern die fünf „Partymitglieder“ je nach Situation wechselt. Dadurch entsteht im kooperativen Spielen ein extrem spannendes „Rollenspiel“, das fast schon mit klassischen Pen-and-Paper-Momenten vergleichbar ist: Während ich beispielsweise in Gefangenschaft auf Risiko gehen und die Flucht wagen möchte, höre ich aus den gewählten Dialogoptionen meines Mitspielers heraus, dass dieser lieber auf Sicherheit und Rückzug spielt.

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Dadurch fängt es in meinem Kopf an zu rattern: Soll ich alleine den Ausbruch riskieren, was höchstwahrscheinlich schiefgehen dürfte? Oder passe ich mein Verhalten dem Mitspieler an auf die Gefahr hin, dass es womöglich keine zweite Chance auf Flucht geben wird? Dieserlei Entscheidungsfreiheit hat uns beide beim Anspielen dermaßen motiviert, dass wir das erste Kapitel gleich insgesamt drei Mal durchspielten, um möglichst viele Konsequenzen auszuprobieren. Ein größeres Kompliment kann man einer solchen Art Spiel eigentlich gar nicht machen.

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