Preview - Watch Dogs: Legion : Maximale Oma-Power

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In Watch Dogs Legion gibt’s nicht den einen Held, stattdessen rekrutieren wir ganz London. Und hacken dann als Agenten-Omi im 007-Stil Scotland Yard und jagen als Drohnenpilot die Armeen des Diktators zum Teufel. Wir haben die PC-Version gespielt und gecheckt, wie viel die neue Technologie Raytracing für die Atmosphäre bringt und ob Legion als Geschichten-Simulator so großartig funktioniert, wie sich Ubisoft das ausmalt.

Der Regen prasselt, die Soldaten patrouillieren, Spezialeinheiten der Polizei verprügeln Demonstranten. Wir schreiten ein, versuchen eine junge Lady zu schützen, gehen dabei zu hart ran, hauen einen Elitesoldaten aus den Stiefeln, und die Welt von Watch Dogs: Legion brennt. Wir fliehen im BMW i8 im Mission-Impossible-Style, gepanzerte Humvees mit Blaulicht verfolgen uns, Drohnen mit Raketen bringen den Tod von oben und diverse Checkpoints zerlöchern mit ihren MGs unseren Luxus-Sportwagen.

Doch nicht nur das Szenario von Watch Dogs: Legion ist aufregend, weil es diesen Hauch Cyberpunk 2077 in sich trägt. Die LED-Banden, die Holographien auf der Straße, die futuristischen Statuen und Technologien in der britischen Hauptstadt ... besonders bei Regen sieht das beeindruckend aus, gerade auch ob dieser neuen Raytracing-Technologie auf einer Geforce RTX 2080 von Nvidia.

Diese lässt etwa durch Spiegelungen das Glühen von LEDs in großen Pfützen besonders schön zur Geltung kommen. Es macht die Umwelt plastischer, echter, gibt nochmal einen Extrakick. Wobei uns Watch Dogs: Legion ohnehin Laune macht, weil Ubisoft sich an vielen Ideen probiert, die wir so noch nie erlebt haben. Dass die Einwohner der halben Stadt als Charaktere spielbar sind, ist seit der E3 bekannt. Und dennoch sind wir fasziniert, wie gut diese vielen Story- und Gameplay-Mechaniken ineinandergreifen.

Darf es ein Boxer sein? Hacker? Agent oder Scharfschütze?

In Watch Dogs: Legion gibt’s nicht die eine Rampensau, die alles kann. Sondern viele, viele Spezialisten: Du willst irgendwo einbrechen, aber keinen umbringen - kein Thema, so ein Boxer haut den Bodyguards der Zielperson eine auf die Zwölf und der Laden läuft. Du willst in den Zentralserver von Scotland Yard eindringen? Dafür braucht es entweder sehr viel Feuerkraft oder einen exzellenten Hacker. Du willst einen Kumpel retten, der in einer Basis gefangen gehalten wird, und musst dafür Informationen über die Stärke des Feindes sammeln? Da wäre doch so ein Drohnenpilot passend.

So ziehen wir durch London, während über eine Art Augmented-Reality-Brille diverse Informationen über nahe Passanten eingeblendet werden. Der eine ist Banker, passt nicht ganz, könnte aber mal nützlich werden, wenn es um Verhandlungsgeschick geht. Oder wir Cash brauchen. Eine Frau sitzt daneben, laut ihrem Profil, das ein bisschen an Facebook erinnert, bastelt sie hobbymäßig an Drohnen rum. Kurz ansprechen, versuchen, sie zu überzeugen, sich dem Widerstand anzuschließen. Oft bedingt das kleine oder größere Gefallen, was den Charakteren ein persönlicheres Profil verleiht. Sie hat eine Strafakte, was Einstellungsgespräche erschwert - unnötig, die löschen wir kurzerhand über das cTOS-System.

Es ist schon stark, dass diese kleinen Geschichten aus einem Zufallsgenerator stammen, aber was wir vorher nicht gedacht hätten - wir können jeder Figur folgen und die haben ihre eigenen Abläufe - kaufen sich etwas zu Essen, treffen sich mit Freunden, laufen zur Bushaltestelle und fahren nach Hause. Diese Personen sind keine Staffage, keine Statisten - sie sind integraler Bestandteil der Spielwelt.

Großbritannien als Diktatur nach dem Brexit

Watch Dogs: Legion spielt mit vielen gesellschaftlichen Ereignissen, die gerade en vogue sind: Der Brexit ist ein Thema, die Automatisierung - Menschen verlieren ihre Arbeit, weil Drohnen den Job übernehmen, und Cryptowährungen haben den Pfund abgelöst. So hat jeder seine Probleme, bei denen wir als Hackergruppe DedSec helfen können.

Fans kennen die Aktivisten bereits aus Watch Dogs 2, das noch in den USA, genauer gesagt in San Francisco, spielte. Wie schwer es ist, Londoner zu überzeugen, sich DedSec anzuschließen, hängt von deren Problemen, Einkommen und Gesinnung ab. Wir können es bei einem Polizisten versuchen, dessen kleiner Bruder in einem der Gefängnisse des mächtigen Konzerns Albion sitzt, die die Polizeigewalt an sich gerissen haben. Boxen wir ihn raus, schließt er sich an. Albion ist ein Konzern, dem London gehört und der mit seinen Privatarmeen mit brutaler Härte regiert.

Die ganze Stadt scheint unter militärischer Kontrolle zu sein, überall schießen Checkpoints aus dem Boden, die mit MG-Stellungen gesichert sind. Doch hey, so ein Überwachungsstaat hat auch etwas Gutes - jede Menge Kameras und Technologie, die sich hacken lassen.

Spannend hierbei sind die zahlreichen Optionen, die wir haben: Wir können etwa einen Beamten von Scotland Yard überzeugen sich DedSec anzuschließen, der ohnehin Zugriff zu geschützten Bereichen hat. Oder setzen die Hacker-Klasse ein. Anders als in Watch Dogs 2 müssen das keine hippen Script-Kiddies sein, sondern zum Beispiel eine der vielen Hacker-Omas - die hat es zwar an der Hüfte und ist nicht die Schnellste, aber mit ihrem Stock oder gerne auch Taser haut sie selbst Elite-Soldaten aus den Latschen.

Die Hacker-Oma mit ihrem Roboterspinnen-Haustier

Wie in einem Rollenspiel verfügt jede Figur über einen anderen Background und Fähigkeiten, die sich freischalten lassen. Oma Frystone etwa fällt am wenigsten auf, kann in ihrer Handtasche einen Spiderbot nahe an ein Lüftungssystem bringen und so direkt und ohne große Umwege die ersten Sicherheitsbarrieren überbrücken. Cool: Diese Spinne lässt sich direkt steuern und kann mit Elektropfeilen Wachposten schlafen legen.

Aber das ist eben nur eine Möglichkeit von vielen, das Hauptquartier zu knacken. Wer auf Call of Duty steht und mehr Action will, der klaut einen gepanzerten Humvee, prescht damit durch die Glasfront des Eingangs und eröffnet das Feuer mit dem aufgeflanschten MG. Oder hackt Raketendrohnen, die den Elite-Kommandos einheizen. Oder macht einen auf Sam Fisher: Ein neues Splinter Cell hatte Ubisoft entgegen zahlreicher Gerüchte nicht im Gamescom-Koffer aber es gibt durchaus ehemalige MI5-Agenten, die ihr rekrutieren könnt und die speziell auf Stealth geschult sind - die Jungs und Mädels machen sich unsichtbar wie Harry Potter.

Very British Humour

„For God’s sake“ und „bloody robots“, zwei Sätze die ihr in Watch Dogs Legion ziemlich oft hören werdet. Es ist imponierend, wie gut Ubisofts kanadisch-französisches Team die Britishness von London einfängt. Wer englische Sitcoms kennt, der weiß, dass die Briten für ihren eher kühlen Humor berühmt sind. Der bringt viel Charme ins Spiel, überhaupt wirkt die ganze Welt sehr lebendig. London bildet nicht nur die Kulisse für dieses Spiel, jede Straße fühlt sich anders an.

Watch_Dogs: Legion - gamescom 2019 Play As Anyone Explanation Trailer
Wie ihr in Watch_Dogs: Legion als Jedermann spielen könnt, wird in diesem neuen gamescom-Trailer erklärt.

Manche Gegend wirkt reich und prachtvoll, Reinigungsroboter fegen hier die Wege und es gibt besonders viel Präsenz von schwer bewaffneten Söldnern des Konzerns Albion und jeder hat etwas zu tun: Journalisten fragen Passanten, was sie denn von der angespannten Sicherheitslage halten, Prostituierte stehen vor Nachtclubs, in denen DJs auf abgefahrenen Macbooks der Zukunft mit Hologramm-Display auflegen. Für die richtige Prise Humor sorgt auch Bagley, eine K.I., die unsere Schritte immer wieder kommentiert und noch viel zu lernen hat - etwa was zwischenmenschliche Beziehungen angeht.

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