Preview - Weedcraft : Der Kiffer-Simulator

  • PC
Von Kommentieren

Auf so eine beknackte Idee kann auch nur Devolver kommen, der Anarcho-Publisher, bei dem alles anders und Hauptsache nicht normal ist: ein Spiel übers Anbauen und Verticken von Hanf. Quasi der Marihuana Tycoon oder der Kiffer-Simulator. Aber Weedcraft möchte keineswegs den Drogenkonsum verherrlichen oder gar Partei ergreifen für die Seite der Befürworter oder Gegner der Gras-Legalisierung. Wir haben uns den Spiele-Joint mal zur Probe reingezogen.

„Weedcraft ist kein Kiffer-Spiel, das den Drogenkonsum verherrlicht“, versichern die Entwickler von Weedcraft gleich mehrfach an diesem Tage. Stattdessen wolle es sowohl auf die Probleme als auch die Verlockungen aufmerksam machen und den Spieler dazu anregen, sich seine eigene Meinung zu bilden.Verpackt ist es hierzu ins Gewand einer klassischen Wirtschaftssimulation, das heißt kurz gesagt: Ihr kümmert euch um die Aufzucht eurer Pflanzen, kalkuliert den idealen Kompromiss aus Qualität und Preis und bringt euer Produkt anschließend für möglichst viel Geld unters Volk – was wiederum die Konkurrenz mit Argwohn beäugt und versucht, euch auszubooten.

Marihuana Tycoon

„Wie kommt man auf so eine beknackte Idee?“, lautet sicherlich die naheliegendste Frage, doch weiß man erstmal, dass einige der Entwickler zuvor an der Tropico-Serie mitwirkten, scheint die Antwort gar nicht mehr so fern. Schon die Diktatoren-Simulation war stets der anarchistische Gegenentwurf zu den meist eher biederen Aufbauspielen à la Anno und Die Siedler, der Jux und Dollerei an die Stelle übertriebener politischer Korrektheit setzte – wie kürzlich in meiner Vorschau zum Landwirtschafts-Simulator 19 zu lesen war, gibt es dort etwa keinen Tabakanbau, damit die Altersfreigabe ab 0 Jahren bloß nicht gefährdet ist.

„In Aufbauspielen geht es in der Regel darum, Ordnung ins Chaos zu bringen. Bei uns ist es eher umgekehrt“, scherzen die Entwickler bei der Beschreibung ihrer Designphilosophie. Ganz so tiefgreifend unterscheidet sich Weedcraft jedoch nicht von vergleichbaren Spielen wie FarmVille oder Pizza Connection. Alles beginnt mit ein paar Hanfpflanzen, die ihr heimlich im Keller aufzieht. Dafür müssen sie regelmäßig bewässert und gestutzt werden, es muss ausreichend Licht zur Verfügung stehen, später dürft ihr dann noch mit der Dosierung von Dünger und Temperatur experimentieren, um den Ertrag zu optimieren.

Habt ihr die erste Ernte eingefahren, geht es damit auf die Straße. Zu Beginn besteht eure Kundschaft noch aus eher anspruchslosem Publikum wie Obdachlosen und Studenten. Später, wenn ihr höhere Qualität und hippe Sorten liefern könnt, gesellen sich zahlungskräftige Yuppies und Geschäftsleute zu eurer Klientel.

Das erste eingenommene Geld wird, wie in Wirtschaftssimulationen üblich, in „Forschung“ und „Expansion“ investiert: Zusätzliches Personal nimmt euch mühselige Kleinarbeit beim Gießen und Düngen ab, bessere Beleuchtung vergrößert den Ertrag, erzeugt aber auch mehr Hitze, weswegen schleunigst eine Belüftungsanlage her muss, die wiederum Geld kostet. Neue Pflanzensorten erhöhen die Qualität und bedienen zusätzliche „Geschmäcker“, erfordern aber weitere Investitionen in zusätzliche Gewächshausfläche und Saatgut. Später könnt ihr sogar aus der DNA vorhandener Pflanzen völlig neue Sorten mit besonderen Eigenschaften züchten.

Doch auch im „Vertrieb“ seht ihr euch schnell vor immer neue Herausforderungen gestellt: Die Konkurrenz nimmt eure ersten Erfolge mit Argwohn wahr – nun gilt es, sie mit besserer Qualität und billigeren Preisen aus dem Markt zu drängen, bevor sie dasselbe mit euch tun. Und selbstverständlich dauert es nicht lange, bis die Polizei von euren Unternehmungen Wind bekommt und an die Tür klopft. Für solche Fälle sollte immer etwas Klingelgeld zur Bestechung griffbereit liegen.

Breaking Bad

Weedcraft beginnt im Ansatz wie die Fernsehserie Breaking Bad: mit einem armen Tropf – in diesem Fall einem Studenten in Geldnöten – den seine missliche finanzielle Lage in Kontakt mit dem Drogengeschäft bringt, ihn dadurch aber immer mehr in einen tiefen Strudel der Ereignisse reißt, aus dem es aus eigener Kraft irgendwann kein Entkommen mehr gibt.

An diesem Punkt im Spiel offenbart Weedcraft seine eigentliche Mission, die eine der moralischen Mündigkeit ist: Denn als großes Spielziel wird es euch vor die Entscheidung stellen, ob ihr euch vor der Politik für die Legalisierung von Gras einsetzt oder die Verstrickungen aus Sucht und organisiertem Verbrechen verdammt.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel